Häppchenweise Tanz, Gestik, Alltag – dank «Amuses bouches»

Da kommt ein ordentlich gekleideter, für den abendlichen Ausgang, fürs Begegnen und Plaudern bereiter Mann mit Namen Peter Zimmermann auf die Bühne der Kanti-Aula in Glarus. Er outet sich als Freund, ja Kenner, Förderer und Spezialist für den ganz besonderen Tanz, als Förderer begabter Tänzerinnen und Tänzer. Er ist mit der russischen Ballettszene eng verbunden; Bolschoi-Theater und anderes bringt er ein.




Er rasselt Namen und Geschehnisse aus dieser Szene derart runter, dass das riesige Staunen einsetzt. Er bittet die Zusehenden, für jede der bald anschliessenden kuren Szenen den jeweiligen Titel selber zu wählen, mit seiner Fantasie würde er zu sehr eingrenzen, dem individuell Kreativen ungewollt einen Riegel schieben.

Umgeben ist der liebenswürdig Argumentierende von Stellwänden, die in dezenten Farben gehalten und paarweise mit Scharnieren verschraubt sind, damit schnelle Wechsel der klein gehaltenen Tanz- und Gestaltungsfläche erlauben – raffiniert und ebenso zweckmässig.

Nun holt der charmant Einführende seine Tänzerinnen quasi hervor, stellt sie hin, korrigiert deren Grundhaltung und deutet grad noch an, weshalb es ihm nie, aber auch gar nie zum Tänzer gereicht habe.

Und endlich stehen die Tänzerinnen Brigitta Schrepfer und Maja Brönnimann so, wie es nach Ansicht des Managers, Ansagers, Produzenten und ewig Dreinfunkenden der Fall sein muss. Man spürt rasch, dass die beiden aufeinander bestens abgestimmten Damen diese Besserwisserei und Korrekturen gar nicht lieben. Sie geben das – und noch vieles mehr – ihrem «Freund und Helfer» klar zu verstehen, nur ist der nicht einer von der «gschpürigen Sorte».

Und die Botschaften die getanzt, gedeutet, gespielt, erduldet und damit in erfüllender Kompaktheit kurzzeitig zum Leben erweckt werden, haben es in sich. Sie sind voller Erfahrungen, sie sind Leben, sind kurzweilig umgesetzte Folgen von Beobachtung, sich alltäglich Ereignendem. Wirbliges, Hast, Ungeduld, Unwillen, Verspieltheiten, Freizeit, Flirt, Warterei, Essenslust, Hunger, kraftvolles Abwehren eines allzu Aufdringlichen, Makeup der Extraklasse. Alles ist mit erfrischender Eleganz, Nachhaltigkeit und gegenseitiger Abgestimmtheit gespielt und getanzt.

Natürlich gehört Musik dazu, sie ist passend zum jeweiligen Geschehen, unaufdringlich und doch einprägsam genug.

Alles ist wie ein Spiel ohne Worte, zuweilen bräuchte es die jeweiligen Erläuterungen und Einführungen des kenntnisreich argumentierenden Begleiters gar nicht. Diese Fakten sind bald einmal so willkommen wie das kunstreiche, sehr kreativ auskomponierte Auftreten der beiden Tänzerinnen, die so vieles anzudeuten und auszuspielen wissen. Es war ein willkommenes Begegnen, das dank der Kulturgesellschaft Glarus angeboten war.