Hamburger und Zigerbrüüt




Das letzte Mal habe ich Ihnen versprochen zu erzählen, wie man in Amerika, genauer gesagt in San Francisco, ein Auto kauft.

Nun, das würde vermutlich die kürzeste Kolumne werden, die ich je geschrieben habe. Ein Auto zu kaufen, ist da so einfach wie ein Brot in der Bäckerei zu erwerben. Man geht in das ausgewählte Autohaus, sucht sich das passende Gefährt aus, zeigt seine Driver License, macht eine kleine Anzahlung und schon fährt man davon. Mehr gibt es da nicht zu berichten. Für uns war das damals auch sehr ungewöhnlich. Doch es hat funktioniert.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich damals vom Autohaus wegfuhr. Das Herz pochte, der Puls schoss in die Höhe und zu allem Überfluss wurde es auch noch dunkel. Doch wir mussten zurück nach San Francisco. Das besagte Autohaus befand sich südlich von Oakland. Uns blieb also nichts anderes übrig. 1991 gab es noch keine Navigation-Geräte im Auto. So sass meine Frau mit der Strassenkarte auf dem Knien neben mir und dirigierte mich durch den abendlichen Stossverkehr. Über viele mehrspurige Strassen, umrahmt von tausend anderen Autos. Nach gefühlten zehn Stunden schafften wir es doch noch. Wir waren heilfroh, unbeschadet zu Hause angekommen zu sein. Ich schwor mir an diesem Abend, in Zukunft nur wenn es unbedingt nötig war, ins Auto zu steigen.

Doch gewisse Schwüre halten bekanntlich nicht lange. Schon am nächsten Morgen war ich mit meinem neuen Auto unterwegs. Und wie es sich für ein San Francisco-Neuling gehört, führte meine erste Fahrt über die Golden Gate Bridge. Dies war ein besonderes Erlebnis. Kannte man doch die ganze Szenerie ausschliesslich von Bildern oder vom Fernsehen. Damals bezahlte man für jede Überquerung 3 US Dollar. Kaum drüben angekommen, ging es auch schon wieder zurück. Und nochmals kostete es 3 US Dollar. Egal! Es hat Spass gemacht!

Nicht nur die Golden Gate Bridge zu überqueren ist ein Erlebnis. San Francisco ist ja auch bekannt für die vielen steilen Strassen. So liess ich es mir nicht nehmen, einige Male solch steile Strassen rauf und runter zu fahren. Erst als ich den Geruch von überhitzten Bremsen wahrnahm, dachte ich mir, nun ist es genug. Am nächsten Tag machte ich mich wieder zu Fuss auf den Weg. Es gab in dieser Stadt so viel zu entdecken. In der Polk Street entdeckte ich ein Käsegeschäft. Käse? Schweiz? Da muss ich hinein. Und tatsächlich fand man einige Schweizer Käsesorten. Doch die grösste Überraschung war, es gab auch Glarner Schabziger. Das hatte ich nun wirklich nicht erwartet.

So kaufte ich mir natürlich ein Zigerstöggli und etwas Appenzeller Käse. Über die Preise muss man hier nicht sprechen. Die waren astronomisch. Doch das musste jetzt sein. So gab es zum Mittagessen in einem echten amerikanischen Diner einen echten amerikanischen Hamburger und am Abend für einen echten Glarner ein echtes Zigerbrüüt. Was will man mehr?!

So vergingen die ersten Tage und Wochen. Langsam gewöhnte man sich an den American life style. Die 20. Fahrt über die Golden Gate Bridge war nicht mehr so aufregend. Die steilen Strassen in der Stadt versuchte man zu vermeiden, um die Bremsen am Auto zu schonen. Langsam hielt der Alltag Einzug. Und so war es Zeit für mich, eine sinnvolle Beschäftigung zu suchen. Und die fand ich auch. Nun kam eine Zeit, an die ich mich sehr gerne erinnere. Was dies war und was für eine aussergewöhnliche Arbeit ich fand, könnt ihr in der nächsten Kolumne lesen.