Hat die Päpstliche Schweizergarde Rekrutierungsprobleme?

Die Päpstliche Schweizergarde ist das einzige verbliebene päpstliche Militärkorps in Waffen. Sie sichert den Apostolischen Palast, die Zugänge zur Vatikanstadt und ist für die persönliche Sicherheit des Papstes verantwortlich. In letzter Zeit häuften sich die Gerüchte und Spekulationen um die Existenz der Schweizergarde respektive wegen deren Rekrutierungsproblemen. Um unnötigen Spekulationen und Gerüchten vorzubeugen, hat Hans Speck dem ehemaligen Schweizergardisten Beny Messmer und heutigen Leiter der Informations- und Rekrutierungsstelle der Garde in Glarus einige Fragen gestellt. Nachstehend seine Antworten:



Beny Messmer, Sie leiten die Informations- und Rekrutierungsstelle der Päpstlichen Schweizergarde hier in Glarus. Nun hört man in letzter Zeit vermehrt, dass die Schweizer Garde in letzter Zeit Probleme bei der Rekrutierung von künftigen Gardisten hat. Handelt es sich hier um Gerüchte und Spekulationen?

Die Herausforderung, den quantitativen und qualitativen Personalbestand der Päpstlichen Schweizergarde sicherzustellen, ist in letzter Zeit sicher anspruchsvoller geworden. Die Gründe dafür sind vielfältig und von verschiedenen Einflussfaktoren abhängig. Wir rekrutieren unsere Gardisten im Schweizer Markt und stehen somit mit den Unternehmen der Schweiz in Konkurrenz bzw. vor den gleichen Herausforderungen. Die Wirtschaft läuft ausgesprochen gut und qualifiziertes Personal ist entsprechend gesucht. Zudem gehören unsere Zielkandidaten den geburtenschwachen Jahrgängen an, was die Situation sicher noch weitere fünf Jahre erheblich erschweren wird. Aufgrund der aktuellen Anforderungen haben wir die Ausbildung substanziell angepasst und die Anforderungen entsprechend angehoben. Zudem wurde noch eine Korpserhöhung um 25 Mann bewilligt. Den Aufbau möchten wir auf ca. 5 Jahre verteilen. All diese Einflussfaktoren beeinflussen den Rekrutierungsprozess massgeblich und fordern uns entsprechend.

Falls diese Gerüchte oder Spekulationen zutreffen, steht die berechtigte Frage im Raum: Ist die Päpstliche Schweizergarde existenziell gefährdet?

Von einer existenziellen Gefährdung der Päpstlichen Schweizergarde zu sprechen, ist meiner Meinung nach weit überzogen. Wir werden uns den gegebenen Herausforderungen stellen und sind zuversichtlich, dass wir sie auch meistern werden.

Mit welchen konkreten Massnahmen wollen Sie diesen Herausforderungen nun begegnen?

Wir haben seit Anfang 2018 unsere Aktivitäten in der Nachwuchswerbung deutlich erhöht. So arbeiten wir aktiv mit Werbefilmen, welche wir über die sozialen Medien verbreiten. Diese sogenannten Trailer sind sehr gezielt auf unser Zielpublikum ausgerichtet und kommen sehr gut an. Daneben erfreuen wir uns einer sehr guten Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee. Wir dürfen hier regelmässig auf die Garde aufmerksam machen und uns vorstellen. Neu besuchen wir nun auch Berufsmessen und stellen unser vielfältiges Aufgabengebiet vor. Im Herbst bieten wir jeweils für interessierte Jugendliche eine Schnupperreise an. Sie erhalten dabei die Möglichkeit, sich einen vertieften Einblick in die Aufgaben und das Leben in der Garde zu verschaffen. Tatsächlich ist das Aufgabengebiet eines Schweizergardisten abwechslungsreich und spannend. Damit unsere Gardisten auch den heutigen Bedürfnissen entsprechend untergebracht sind, arbeiten wir gegenwärtig an der Planung einer neuen Kaserne. Der Baubeginn ist für das Jahr 2020 vorgesehen und umfasst eine Investition von mehr als 50 Millionen Schweizer Franken.

Wie können sich junge Schweizer bei Interesse für den Dienst in der Schweizergarde anmelden und was sind die Voraussetzungen, die ein künftiger Gardist unbedingt mitbringen sollte?

Wir haben seit diesem Frühjahr eine neue Homepage. Unter schweizergarde.ch finden Interessierte sämtliche Informationen, die sie für den Bewerbungsprozess benötigen. Zudem können alle notwendigen Dokumente heruntergeladen werden. Der gesamte Bewerbungsprozess kann elektronisch abgewickelt werden.

Was sind die Voraussetzungen für einen Schweizergardisten?

Die objektiven Anforderungskriterien lauten wie folgt:

  • Praktizierender Katholik
  • Schweizer Bürger
  • Männlich
  • Zivilstand ledig
  • Alter zwischen 19 und 30 Jahren
  • Richtgrösse von 174 cm
  • Einwandfreie Gesundheit
  • Einwandfreier Leumund
  • Erfolgreich abgeschlossene Berufslehre EFZ oder Mittelschulabschluss
  • Erfolgreich abgeschlossene Rekrutenschule der Armee

Wie ist der aktuelle personelle Ist-Zustand der Schweizergarde und wie lautet der künftige Sollbestand?

Wir hatten bis anhin einen Sollbestand von 110 Mann und dürfen diesen auf 135 Mann erhöhen. Den bisherigen Sollbestand konnten wir sicherstellen, der Aufbau wird uns fordern. Die heutige Infrastruktur lässt den Aufbau noch nicht zu. Dazu muss auch die neue Kaserne erstellt werden.

Könnte es sein, dass künftige Päpste gar auf die Dienste der Schweizergarde verzichten möchten?

Ein Papst hat grundsätzlich immer die Möglichkeit, auf die Dienste der Päpstlichen Schweizergarde zu verzichten. Papst Franziskus hat aber mehrmals sehr deutliche Bekenntnisse zur Garde abgegeben und diese entsprechend unterstützt. Zudem bin ich der Meinung, dass ein Korps, welches seit nunmehr 513 Jahren Dienst leistet, nicht einfach so abgeschafft wird.

Was wünschen Sie sich für die Schweizergarde?

Ich wünsche mir, dass wir weiterhin movierte und qualifizierte junge Schweizer finden, die bereit sind, in unserem Traditionskorps Dienst zu leisten. Sie erhalten die Möglichkeit, eine Lebensschule zu absolvieren, die einzigartig ist und für uns Schweizer ein einmaliges Privileg darstellt.

Wir danken Beny Messmer, dem Leiter der Informations- und Rekrutierungsstelle der Päpstlichen Schweizergarde für das aufschlussreiche Interview und wünschen ihm und der Schweizergarde weiterhin eine erfolgreiche Zukunft.