Anlässlich der Medienorientierung der Linthkommission vom 18. April zog Regierungsrat Willi Haag (SG), Präsident der Linthkommission, die Schlussbilanz über die Arbeiten am Linthkanal und am gesamten Linthwerk: «Das Projekt Hochwasserschutz Linth 2000 wurde erfolgreich abgeschlossen – alle wichtigen Projektziele sind erreicht.»
Fünfzehn Jahre Arbeit
Die Vorbereitungen zum Projekt Hochwasserschutz Linth 2000 begannen 1998, ein Jahr vor dem grossen Hochwasser am Linthkanal. Zehn Jahre später, im Herbst 2008, fand der Spatenstich in Mollis statt – am Ort, wo Hans Konrad Escher 1807 mit dem Bau des Molliserkanals (wie der Escherkanal damals hiess) begonnen hatte. Im Frühjahr 2011 wurde mit einem Volksfest im Chli Gäsitschachen der Abschluss der Sanierungs- und Renaturierungsarbeiten am Escherkanal gefeiert. Am Linthkanal konnten die Hauptarbeiten im Herbst 2012 abgeschlossen werden. Witterungsbedingt erst diesen Frühling werden nun noch die Dämme ausnivelliert und die Zufahrtsstrassen instand gestellt.
Alle Ziele erreicht
Wie Regierungsrat Haag unterstreicht, wurden die hochgesteckten Ziele der Linthkommission bezüglich Hochwassersicherheit, Natur und Erlebniswert für die Besucher vollumfänglich erreicht.
Die Hochwassersicherheit konnte im gesamten Linthgebiet mit technischen und baulichen Massnahmen markant erhöht werden. Dazu gehören – nebst der Verstärkung der Dämme – insbesondere die passiven und aktiven Einrichtungen zur Verhinderung von Dammbrüchen bei extremen Ereignissen. Am Escherkanal ist die Dammkrone im Gebiet Kundertriet abgesenkt worden, um bei einem extremen Hochwasser das Ableiten des überschüssigen Wassers über die revitalisierten Gebiete des rechten Ufers bis zum Walensee zu ermöglichen. Bei einem extremen Hochwasser am Linthkanal wird der Überschuss mittels eines gesteuerten Wehrs dosiert über den Rechten Hintergraben – dessen Abflusskapazität entsprechend erhöht worden ist – zum oberen Zürichsee geführt. Damit ist ein optimaler Schutz gegen die Folgen eines Hochwassers, wie es statistisch gesehen alle dreihundert Jahre stattfinden kann, gewährleistet.
Für die Natur wurden viele neue Flächen entlang des gesamten Linthwerks ausgeschieden. Am markantesten sind die grosszügig gestalteten Naturbereiche im Kundertriet, im Chli Gäsitschachen, im Hänggelgiessen und im Dreieckswäldli mit dem neuen Wilddurchlass. Zudem tragen viele zusätzliche, weniger sichtbare, jedoch nicht minder effiziente Massnahmen dazu bei, dass die Natur sich im Perimeter des Linthwerks optimal entfalten kann. So wurden im Gäsi am Walensee und entlang des Escherkanals Waldreservate ausgeschieden und in der unteren Linthebene die Naturschutzgebiete Schmerkner Allmeind, Kaltbrunner Riet und Benkner Schulreservat durch neu ausgeschiedene Vernetzungsflächen miteinander verbunden. Auch die Landwirtschaft hat von den Arbeiten am Linthwerk direkt profitiert: In Benken und Reichenburg wurden nicht weniger als 25 Hektaren Landwirtschaftsland mit Bodenmaterial aus den Linth-2000-Baustellen rekultiviert.
Zwei Jahre Erfahrung am Escherkanal
Der Escherkanal hat seit Abschluss der Sanierung im Frühjahr 2011 bereits erste Hochwasser erlebt. Die Auswirkungen des Hochwassers auf die Sicherheit und die Entwicklung der neuen Flussauf-weitung Chli Gäsitschachen wurden beobachtet und sind zwischenzeitlich ausgewertet. Die Bevölkerung nutzt den neuen Erlebnisraum am Escherkanal sehr intensiv. Die bisherigen Erfahrungen bestätigen die Notwendigkeit einer Besucherlenkung, damit die Natur sich am gesamten Linthwerk weiterhin gut entfalten kann – nicht nur in den Schutzgebieten.
Budget und Termine eingehalten
Wie Regierungsrat Haag präzisierte, sind die Projektziele termingerecht und unter Einhaltung des Budgets erreicht worden. Die Endkostenprognose beläuft sich auf rund 126 Millionen Franken. In diesen Kosten enthalten sind auch die diversen Altlastensanierungen im Perimeter. Die gute Qualität des Projekts hat dazu geführt, dass der Bund seine Beteiligung von ursprünglich 35 Prozent der Kosten auf das gesetzliche Maximum von 45 Prozent erhöht hat.
Das Linthwerk: ständig überwacht und sorgfältig unterhalten
Oft wird gefragt, ob das Linthwerk jetzt fertig sei. «Nein» lautet die Antwort. Das Linthwerk benötigt ständig Überwachung und Unterhalt. Bei Bedarf muss es instand gestellt und verbessert werden. Die Natur wird einige Jahre brauchen, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. In dieser Zeit können sich sowohl die Flusslandschaft als auch die Flora und die Fauna stark verändern. Diese Veränderungen dürfen die Funktionsfähigkeit des Linthwerks aber nicht beeinträchtigen.Unter anderem muss darauf geachtet werden, dass liegen gebliebenes Schwemmholz und die Vegetation den Strömungsverlauf nicht negativ beeinflussen, Durchlässe nicht verstopfen oder zur Erosion von Flusssohle und Ufern führen. Eine übermässige Nutzung und ein unsorgfältiger Unterhalt der Gewässer und der Dammflächen könnten die Artenvielfalt am Linthwerk beeinträchtigen und ein Wuchern von unerwünschten Pflanzen fördern. Deshalb müssen nicht nur die laufenden Veränderungen am Escher- und am Linthkanal ständig beobachtet und dokumentiert, sondern auch die Anlagen des Linthwerks permanent überwacht und gewartet werden. Nach jedem grösseren Hochwasser wird das gesamte Linthwerk überprüft. Die entsprechenden Vermessungen und Kontrollen wurden dabei auf der Basis der Projektdokumentation Linth 2000 vorbereitet. Die Entwicklung der Linth in den Aufweitungen und an den Flachufern wird zudem bis zum Jahr 2022 im Rahmen eines umfassenden Überwachungsprogramms beobachtet und analysiert. Die Ergebnisse werden jährlich in einem Sicherheitsbericht zusammengefasst und publiziert.
Renaturierung: Der Erfolg ist bereits messbar
Die Renaturierungsmassnahmen sind sorgfältig dokumentiert und auf ihre Wirkung hin überprüft worden. Es zeigt sich bereits heute, dass die Auflagen der Baubewilligung gut erfüllt werden können. Die Renaturierungen am Linthwerk basieren auf einer einfachen und klaren Strategie: Konsequente Förderung der vorhandenen Naturwerte, Konzentration der Massnahmen auf grosse Flächen und Schaffung nährstoffarmer Lebensräume. Ergänzende Massnahmen wie Nutzung ohne Düngung oder Nutzungsverzicht in den Waldreservaten runden die Strategie ab. Besonders erfreulich ist die Entwicklung des Fischbestandes: Schon im Sommer 2012 konnten an den Flachufern des Linthkanals ausgedehnte Jungfischschwärme gesichtet werden. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Alete und Äschen, aber zum ersten Mal wurden auch Barbenbrütlinge in grosser Zahl festgestellt. Die Neuschaffung von Flachufern als «Kinderstube» für Jungfische hat die fischbiologische Qualität des Linthkanals deutlich verbessert. Im Rechten Hintergraben sind bis heute 21 Fischarten registriert worden, darunter eine grosse Population des seltenen Bachneunauges.Die baulichen Massnahmen führten auch zu einer Zunahme der Amphibien: Die Zahl der Gelbbauchunken am Escherkanal hat sich stark vergrössert. Die Linthkommission hat ein unabhängiges Ökologiebüro beauftragt, die Erfolgskontrolle über die getroffenen Massnahmen in den kommenden Jahren durchzuführen und im Jahr 2016 einen Schlussbericht vorzulegen.
Natur und Mensch: Miteinander statt gegeneinander
Das harmonische Zusammenleben von Natur und Mensch ist ein wichtiges Anliegen der Linthkommission. Besucher und Nutzer sind am Linthwerk willkommen, aber sie werden gebeten, die vorgegebenen Regeln zu respektieren. Informationstafeln und Markierungen dienen der Orientierung und der Förderung des problemlosen Nebeneinanders. In den Naturschutzgebieten gilt grundsätzlich ein Betretverbot abseits markierter Wege und Hunde sind an der Leine zu führen.













