Herdenschutz-Hunde haben einen klaren Auftrag

Im Rahmen eines Herdeschutz-Tages gewährte das Departement Volkswirtschaft und Inneres, Abteilung Landwirtschaft, vergangenen Sonntagnachmittag zahlreichen Interessierten einen vertieften Einblick in die Arbeit von Herdenschutz-Hunden. Zusätzlich informierte sie über weitere Mittel und Möglichkeiten, Nutztiere zu schützen. Grosse Beachtung unter dem Fachpublikum fand das Tracker-Pilotprojekt «Herdenschutz».




Seit Tausenden von Jahren vertrauen Hirten auf ihre Schutzhunde, welche ihre Herde beschützen. Die Herdenschutz-Hunde verteidigen Schafe, Ziegen und Rinder gegen Angreifer. Als wären sie eine Familie, vertreiben Herdenschutz-Hunde jeden, der sich unerlaubt der Herde nähert. Dieses und andere Themen im Zusammenhang mit dem Herdenschutz standen im Mittelpunkt des Herdeschutz-Tages. Präsentiert wurde der Anlass auf einer Wiese in der Nähe der Tennisplätze in Mollis. Der Einladung der Abteilung Landwirtschaft folgten zahlreiche Interessierte, unter ihnen auch ein auserwähltes Fachpublikum. Die vielen Fragen zu Thema «Herdenschutz» wurden von Marco Baltensweiler, Leiter der Abteilung Landwirtschaft, Wildhüter Marco Banzer und von der Herdenschutz-Beauftragten Lisbeth Luchsinger kompetent und bereitwillig beantwortet.

Prävention ist wichtig!

Ein erneutes Auftauchen eines Wolfes im März im Gebiet zwischen Kerenzerberg und Ennenda zeigt, dass inzwischen jederzeit mit der Anwesenheit dieses Grossraubtieres im Glarnerland gerechnet werden muss. Zum Glück verschonte bis jetzt der Glarner Wolf Herden und Nutztiere. Trotzdem ist Marco Baltenweiler dezidiert der Meinung, dass Herdenschutz für die Prävention äusserst wichtig ist. «Das soll auch so bleiben», erklärte der Leiter der Abteilung Landwirtschaft. «Dem Wolf und anderen Grossraumtieren sollen Angriffe so verwehrt werden, dass sie gar kein Interesse an Nutztieren entwickeln.»

Wölfe meiden grundsätzlich starke Gegner

Es gehört zur Charaktereigenschaft des Wolfes, grundsätzlich einen Kampf um die Beute zu vermeiden. Er könnte sich verletzen, was ihn für spätere Beutezüge schwächen würde. Als Jäger, dessen Streifzüge täglich rund 40 Kilometer betragen, ist die körperliche Unversehrtheit das höchste Gut. Ein Grund, warum Wölfe gegenüber Beute stets vorsichtig taktieren. Ihr Revier markieren Wölfe ebenso wie Hunde mit Urin und Kot. Wölfe verstehen also die Botschaft, die Herdenschutz-Hunde aus der Schafherde senden: «Hier leben wir!» Wölfe sind vorsichtige Tiere. Sie beobachten ihre Beute, bevor sie angreifen. Wölfe erkennen, welche Tiere jung, alt oder krank sind und damit überhaupt als Beute erreichbar sind. Die Herdenschutz-Hunde sind mindestens so gross wie die Wölfe. Die Hunde bedeuten also eine echte Gefahr für Wölfe. Die Schafe oder Ziegen in der Herde sind deswegen nicht mehr interessant für sie.

Herdenschutz-Hunde sind effizient

Hunde gelten nicht nur als bester Freund der Menschen. Ausgebildete Hirtenhunde im Herdenschutz, kurz Herdenschutz-Hunde, mögen auch Weidetiere, als wären sie ihre engsten Verwandten. Diese Hunde leben vom ersten Atemzug an im Stall mit Schafen, Ziegen und anderen Weidtieren. Das prägt die Hunde fürs Leben. Noch bevor die Welpen sehen können, riechen sie ihre Mutter und die Tiere, die sie später wie ihre eigene Familie beschützen werden. 

Lamas als gelungene Alternative

Aufgrund ihrer natürlichen Abneigung gegenüber fremden Eindringlingen, insbesondere gegenüber hundeartigen, eignen sich Lamas hervorragend für den Herdenschutz. Damit die Lamas ihre Herde schützen können, ist die Bindung zu den Schafen von zentraler Bedeutung. Mit einer mehrmonatigen Integration und einer homogenen Schafherde wird diese Bindung zu Schafen und Ziegen gefördert. Kommt es zu einem Angriff auf Nutztiere, verteidigen die Lamas ihre Herde mittels Beissen, Ausschlagen, Schreien, Spucken und Wegdrücken.

Wolfsschutzzäune auf Kleinviehweiden

Elektrifizierte Zäune können einen dauerhaften Schutz gegen Grossraubtiere, beispielsweise gegen Wölfe bieten. Allerdings müssen wichtige Punkte beim Erstellen und Unterhalten beachtet werden. Das Risiko von Übergriffen auf das Kleinvieh lässt sich mit einem fachgerechten Zaun verringern. Wölfe beispielsweise reagieren sehr empfindlich gegenüber elektrischen Schlägen. Deshalb meiden sie solche Zäune. Allerdings könnte es durchaus passieren, dass diese schlauen Tiere versuchen, unter den Zäunen hindurch zu schlüpfen.