«In der Fremde sprechen die Bäume arabisch» – ein Buch, das unter die Haut geht

Einen wunderschönen, spannenden Leseabend im Anna-Göldi-Museum voll von Emotionen bescherte am Freitagabend der in Literaturkreisen bekannte irakische Schriftsteller und Poet Usama Al Shahmani dem zahlreich anwesenden Publikum. Sein neuestes Buch mit dem Titel «In der Fremde sprechen die Bäume arabisch» geht im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut. Es ist die wahre Geschichte eines jungen Irakers, der gemeinsam mit seiner Familie die totalitäre Herrschaft Saddam Huseins, dazu die schrecklichen Wirren des Golfkrieges in Irak hautnah erlebte und schliesslich auf seiner Flucht einen steinigen Weg in die Schweiz fand.



Gabi Ferndriger, Verlagsleiterin der Baeschlin Verlags AG, und Museumsdirektor Fridolin Elmer vom Anna-Göldi-Museum, ist es gelungen, im Rahmen von Baeschlin littéraire den irakischen Schriftsteller und Poeten Usama Al Shahmani für einen Leseabend zu engagieren. Usama Al Shahmani, der 1971 in Bagdad geboren wurde, hat mehrere Bücher über arabische Literatur publiziert, bevor er 2002 als Flüchtling in die Schweiz kam. Heute arbeitet er als Dolmetscher, Kulturvermittler und Übersetzer und ist zu einer wichtigen Stimme in der Literaturszene geworden. Erst kürzlich war er Gast im «Literaturclub» bei SRF. Museumsdirektor Fridolin Elmer zeigte sich bei seiner Begrüssung erfreut über den Grossaufmarsch vieler Literaturinteressierter trotz der grassierenden Corona-Pandemie. Speziell freue er sich über die Anwesenheit des irakischen Schriftstellers und Poeten Usama Al Shahmani und seiner beiden musikalischen Begleiter Lukas Engelmann mit seiner Kora (Die Kora ist eine mit beiden Händen gezupfte westafrikanische Stegharfe, die auch als Harfenlaute klassifiziert wird) und Fabian Kern am Piano.

Ein faszinierendes Buch geht unter die Haut

«Baum der Liebe», «Baum der Hoffnung», «Baum der Ungewissheit», «Baum des Todes», «Baum der Heimat», «Baum des Traums» und «Baum der Geduld». Diese sieben Kapitel in seinem neuen Buch «In der fremde sprechen die Bäume arabisch» begeistern, faszinieren, machen nachdenklich und gleichzeitig machen einem traurig. Sie hinterlassen viele Fragen! Vor allem zeigen sie uns ein plastisches Bild vom ganzen Elend, der Armut und der unsäglichen Schmerzen, die Usama Al Shahima während der Zeit des Regimes von Saddam Hussein und während dem Golfkrieg erleben musste. Sein neuestes Werk geht buchstäblich unter die Haut!

Ein Abend voll von Emotionen

Das zahlreich aufmarschierte Publikum kam im Anna-Göldi-Museum in den Genuss eines wunderschönen und voll von Emotionen getragenen Leseabends, bei dem der in Literaturkreisen sehr bekannte Buchautor drei Kapitel seines neuen Buches «In der Fremde sprechen die Bäume» rezitierte. Er erzählte über seine Flucht aus dem Irak, die Ankunft in der Schweiz, über sein Fussfassen. Usama erzählt von seiner Zerrissenheit zwischen zwei Welten, von Diktatur und Freiheit – und warum er Bäume über alles liebt. Als grossgewachsener Mann überragt der sympathische Schriftsteller aus dem Irak alle. Die einzigen, die ihn überragen, sind seine geliebten Bäume. Bäume leben, weil sie Wurzeln haben. Osama musste in der Schweiz neue Wurzeln schlagen, nachdem er im Jahr 2002 vor dem Regime aus dem Irak fliehen musste. Kurze Zeit später wurde Saddam gestürzt.

Kaum Hoffnung, dass sein Bruder Ali noch lebt

Usama Al Shahmani kommt in seinem neuesten Werk «In der Fremde sprechen die Bäume arabisch» auch immer wieder auf seinen von ihm tief verehrten Bruder Ali zu sprechen, der nach einem Besuch an der Universität in Bagdad, wo er sich Bücher zum Studium holen wollte, spurlos verschwunden war. Bis zum heutigen Tag hat Usama von seinem Bruder nichts mehr gehört. Ali ist wie vom Erdboden verschluckt und bleibt verschollen. Trotzdem trägt Usama eine leise Hoffnung in sich, dass sein Bruder Ali noch lebt. Und er schrieb sein zweites Buch über Ali, die Diktatur, die Bäume. Die immer wieder an ihn gestellte Frage, warum er die Geschichte von Ali aufgeschrieben habe, beantworte Usama mit den Worten: «Ich wollte ihm Licht schenken, wollte ihn am Leben lassen – und das geht nur in der Literatur. 2017 reiste er in den Irak, besuchte seine Familie und Verwandte, suchte nach einer Antwort auf die Frage: Wo steckt dein Heimatland Irak zum jetzigen Zeitpunkt? «Es ist schrecklich, es geht uns schlechter als je zuvor», sagte er traurig.