In der Wüste von Ägypten

Am kommenden Samstag lädt Elvana Indergand in Hätzingen zu einer Lesung aus ihrem Roman über die Revolution in Ägypten sowie zu einer Diaschau «Zu Fuss und per Kamel in der Wüste unterwegs» ein.




Sie ist «Wüsten- und Steppenspezialistin mit Schlafsack unter dem Sternenhimmel, profunde Andalusien-Kennerin mit Flamencodiplom und Malta-Expertin»: Elvana Indergand lebt in Luchsingen und rund neun Monate des Jahres in einem Gebirgsdorf im Südsinai in Ägypten. Sie schreibt Lyrik, literarische Reportagen und Kindergeschichten.

Soeben ist ihr neuestes Buch «Wüstenwind» erschienen – eine lyrische Reportage zur Entwicklung von Sharm-el-Sheik im Sinai der 90er-Jahre. Damals waren alle Strände noch leer, und das «Old-Sharm-Gebiet» war ein kleines, schmuddeliges Hüttenquartier für Arbeiter mit ihren Kleinstläden. In der Ära Mubarak wurde aus dem verschlafenen Fischerdorf dann eine Mega-City: Der einstige Präsident liess eine Tourismusdestination für eine Kapazität von zwei Millionen Touristen erbauen.

Auszeit genommen


Elvana Indergand brach 1996 auf, um Ägypten zu entdecken. Sie verlud ihren Jeep auf das letzte Frachtschiff, das Alexandria von Genua aus noch bediente und bereit war, sie mit ihrem Auto und als einzige Passagierin mitzunehmen. Während eines Jahres beobachtete sie dann schreibend die Szene.

Mit «Wüstenwind» ist nun ein faszinierendes Buch erschienen, welches natürlich noch spannender ist, wenn man Ägypten kennt. Es geht um Sharm-el-Sheik, vor allem aber um die Menschen dort. Auch um die Beduinen, die plötzlich gefragte Grossgrundbesitzer geworden sind und «von ihren Sandpfründen an europäische Millionäre und Hotelketten verkaufen». Die sich für die Erledigung ihres Tagwerks einen Pickup kaufen, den sie abends neben dem Zelt und dem Kamel parkieren: «Die Kamele werden für die Touristen gebraucht.»

Die Autorin beobachtet sehr sorgfältig die Situation und die Lebensumstände in der Männerstadt, die sich so sehr von Luxor, der schönen «Familienstadt mit Vergangenheit und Noblesse», unterscheidet. Der Minimallohn beträgt rund 50 Franken monatlich, eine Wohnung in Sharm-el-Sheik kostet 1000 Dollar pro Monat. Ein junger Mann braucht eine Wohnung, bevor er heiraten kann. Und die Heirat kostet ihn 2000 Dollar. «Er wird es lange nicht schaffen», so Elvana Indergand.

Sie schreibt weiter von den Abfallbergen, dem Beamtenalltag oder von den Touristen am Strand, bei denen teils der Anstand zu wünschen übrig lässt. Aber auch die Natur hat Platz, die Störche, die am Abend zu den ansteigenden Bergen fliegen, die Hitze, der Sand, der Regen, der alles grün macht. All dies wird verwoben mit einer zarten Liebesgeschichte.

Der Schreibstil erfordert allerdings völlige Konzentration. «Wenn jemals Helvetismen famos verdeutscht und mit Anglizismen liebevoll verehelicht wurden, dann in diesen Texten», heisst es auf dem Umschlag. Sie selber meint dazu im Buch: «Ich brauche Erinnerungen, um sie niederzuschreiben. Um sie zu zerknütteln, zerdrehen, zerbröseln und aufzutun, zu zermahlen und neu zu formen. Um sie aus mir heraus neu zu gebären, hinein in die Sprachenwelt, ins Gewirr der 25 Buchstaben, die die Welt bedeuten neben den Brettern, auf denen meine Füsse den Zapateado zerstampfen. Kopfgeburten, nachdem die Bauchgeburten vorbei.»

Lesung und Diaschau am 27. August


In der Bibliothek des Schulhauses Hätzingen liest Elvana Indergand am kommenden Samstag ab 19.00 Uhr aber nicht aus «Wüstenwind», sondern aus ihrem vorher erschienenen Roman «Amr Rabiah». In diesem berichtet sie über die gescheiterte ägyptische Revolution im Arabischen Frühling. Zudem zeigt sie eine Diaschau «Zu Fuss und per Kamel in der Wüste unterwegs» und verkauft kunstvolle Handarbeiten der Beduinenfrauen. Der Erlös kommt den Frauen direkt zugute. Im Eintrittspreis von 20 Franken sind ein Apéro und das Buch «Amr Rabiah» inbegriffen – auf Wunsch selbstverständlich mit Widmung.