Die grossen Zoll-Tarife auf Schweizer Importe in die Vereinigten Staaten hat die ganze Wirtschaft geschockt. Als einen der stärksten industrialisierten Kantone der Schweiz ist im Glarnerland die Unsicherheit bestimmt besonders hoch. Krisen seien aber immer auch eine Zeit, in der man die Unternehmensstruktur durchleuchten muss und nach neuen Möglichkeiten ausschauhalten muss, betonte Johannes Läderach am diesjährigen Linthforum im Glarner-Zelt auf dem ESAF-Gelände. «Wenn man dabei auf viele Firmengeschichten schaut, sind im Verlauf von Krisen vielmals auch grosse Entwicklungen entstanden.» Meistens haben diese Entwicklungen das Unternehmen auf eine neue Ebene gehievt. «Veränderungen macht man oft nur aus Zwang oder aus der Not heraus. In guten Zeiten wird man oft träge und selbstzufrieden. Denn es läuft ja.» Für Caspar Coppetti, Mitbegründer der Schuhmarke «On», stehe die Schweiz in vielen Bereichen weiter an der Spitze. «Wir können Sachen machen, die andere nicht können.» Deshalb sei es nicht so leicht, zum Beispiel in den USA Produkte in der gleichen Qualität herzustellen. «Und internationale Fachkräfte wollen nicht nur in der Schweiz arbeiten, sondern vor allem mit ihrer Familie hier leben.» Denn auch hier habe unser Land aber auch das Glarnerland einmalige Qualitäten. «Erschwinglicher Wohnraum und gute Schulen sind hier sicher entscheidend.» Und dies biete das Glarnerland in guter Nähe zum Standort Zürich und dem Flughafen. Vielleicht scheint es einem Glarner oder Schweizer eine lange Distanz zwischen Linthal und Zürich, «in den Staaten ist man meistens noch in der gleichen Stadt.» Zudem sei die Schweiz ein idealer Ort für Investitionen, durch staatliche, aber auch energetische Stabilität und einmalig tiefen Kreditzinsen.
Auch für Läderach seien gute staatliche Rahmenbedingungen wichtig. «Man soll aber nicht überall, nach einer Lösung durch den Staat rufen.» Zusammen als Wirtschaft, aber auch Menschen sollen neue Wege gefunden werden.
Fläche für die Wirtschaft, Schonung für die Natur
Die Regierung des Kantons Glarus sei sehr aktiv um ein wirtschaftsfreundliches Klima bemüht, meinte Regierungsrätin Marianne Lienhard. «Ein kleiner Kanton mit kurzen behördlichen Wegen kann hier auch eine Chance sein.» Mit tiefen Unternehmenssteuern habe man hier zudem in den letzten Jahren einen positiven Schritt für die Wirtschaft getan. Aktuell betreibt der Kanton zudem ein aktives Flächenmanagement, damit für Neuansiedlungen von Unternehmen aber auch für die Entwicklung angestammter Firmen am richtigen Ort rasch Baufläche zur Verfügung steht. «Auch damit wir unsere einmalige Ressource, die unberührte Natur, schonen können.» Diese Natur in der Nähe des Grossraums Zürich sei nicht nur als Wohnraum, sondern für den Tourismus eine grosse Chance, erklärte Fridolin Hösli, Geschäftsführer Visit Glarnerland. «Wir haben schon viele schöne zum Teil einmalige Orte im Glarnerland. Oft muss man diese selbstbewusst nach aussen tragen.» Für Hösli sei aber auch wichtig, dass man eher weniger auf Massentourismus, sondern auch auf «qualitativen» Besuch setzt. «Das Glarnerland muss weiter ursprünglich und unverbraucht bleiben.» Wünschenswert wären hier weitere Investitionen in nachhaltige Infrastrukturen wie vor allem in der Hotellerie.
Fokusierung und Mut
Wie sich eine solche Hotellerie ganz im Süden des Grosstals international etablieren konnte, darüber berichtete das Innhaber-Ehepaar vom Märchenhotel in Braunwald Nadja und Patric Vogel. «An einem Punkt haben wir uns bewusst entschieden, das Hotel komplett für Familien und deshalb vor allem für Kinder auszurichten», meinte dazu Patric Vogel. Bereits unter seinem Vater Martin habe sich das ehemalige «Bellevue» als «Märli-Hotel» einem Namen gemacht. Dabei sei die Märli-Stunde mit Martin eher aus der Not entstanden. «Mit einem quirligen Kind vereinbarte er, dass es beim Nachtessen still ist, wenn er ihm eine Geschichte erzählt.» Und plötzlich kamen neue Gäste, die nach dem Märli-Onkel fragten. «Es war auch die einzige Bedingung, die unser Vater stellte, dass wir die Märchen weiterführen müssen.» Mit weiteren Investitionen und Ideen habe man das Profil und das Angebot im Familienbereich immer weiter geschärft. «Familie ist uns aber auch bei unseren runden Mitarbeitern wichtig. Auch hier wollen wir als Familienhotel gelten», führte Nadja weiter aus. Es soll ein angenehmes eben familiäres Klima herrschen, in dem auch von dieser Seite Ideen vorgebracht werden können. «Bestes Beispiel ist hier sicher der Märchenbaum», erinnert sich Patric Vogel. Eine Mitarbeiterin wünschte sich, für den Raum, in dem das Märchen erzählt wird, eine Umgestaltung. Eigentlich nur zur Inspiration besuchte sie dann den Europapark. Daraus resultierte, dass der Europapark selber einen Baum realisierte, der in 26 Teilen mit der Braunwaldbahn angeliefert werden musste. «Bei diesem Märchenbaum glänzen aber nicht nur die Kinderaugen.»
Der Eifelturm vom Glarnerland?
Mit Blick über das ESAF-Gelände, sehen die Vogels auch eine weitere Chance. «Der MuniMax ist aktuell in aller Munde. Es wäre doch schade, wenn er nicht im Glarnerland bleiben würde.» Aus diesem Grund sei er Mitglied der Interessensgruppe, die sich für einen Verbleib des Holzkolosses im Kanton Glarus einsetzt und über Crowdfunding finanzielle Mittel sammelt. «Stellen Sie sich vor, wie sehr sich die Stadt Paris in die Faust beissen würde, wenn der Eiffelturm jetzt in einer anderen französischen Stadt stehen würde.» Auch dieses Monument wurde ursprünglich nur temporär für die Weltausstellung aufgebaut. Eine lokale Initiative hat den Abbau verhindert und so für eine der grössten Touristenattraktion der Welt gesorgt. Wo das gigantische Braunvieh am Schluss seine neue Heimat im Kanton Glarus finden soll, sei für Vogel weniger wichtig, als dass der Blickfang nicht nur für schöne Bilder sorgt, sondern auch wichtige Wertschöpfung fürs Glarnerland bringt.
Das von der Trägerschaft Wirtschaftsförderung, Glarner Wirtschaftskammer und Gewerbeverband des Kantons Glarus organisierte Linthforum wurde von Regula Späni moderiert und musikalisch durch Lanick umrahmt. Im Anschluss stand ein Apéro Riche sowie eine ausführliche Baustellenführung rund um das ESAF-Gelände für die geladenen Gäste auf dem Programm.






























