Viele Branchen und Unternehmen leiden aktuell unter dem Fachkräftemangel. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Personen, die gerne wieder in den Arbeitsmarkt zurückkommen möchte, vielleicht in einem kleineren Pensum oder mit eingeschränkten Möglichkeiten. Das diese Eingliederung nicht nur für die Betroffenen, sondern vor allem auch für Unternehmen einen grossen Mehrwert und Chancen ermöglichen, berichteten drei Referenten am Netzwerkanlass von rework Glarus am letzten Donnerstag im Seminarhotel Linh. Die Inklusion von Menschen mit Behinderungen hatten häufig den Ablauf, dass für eine betroffenen Person eine Stelle gesucht wurde. «Wie im ‘normalen’ Arbeitsmarkt kann hier aber auch der andere Weg gegangen werden», meinte Tamara Tremp von der Stiftung Profil Arbeit & Handicap. Mit Inclusiv Job Design suchen ihre Mitarbeiter zusammen mit Unternehmen Möglichkeiten, wo und wie Menschen mit Behinderung einbezogen werden können. Dies kann sein, dass man Fachkräften Arbeiten abnehmen oder Prozesse übernehmen kann, die nicht gleich zeitrelevant sind. «Mit diesen Stellenbeschreibungen können wir dann auf die Suche nach geeigneten Personen gehen.» Die Beratung und der Prozess sei dabei relativ einfach und speditiv; zudem für Unternehmen im Kanton Glarus bis zu einem Grad kostenlos. «Und die Firma hat immer den Lead. Wir bieten nur unsere Hilfe an.»
Was man noch kann
Die Möglichkeiten im Fokus steht auch beim im letzten Jahr als Pilotprojekt eingeführten «Jobprofil». Dies soll im Gegensatz zum herkömmlichen Krankheitszeugnis nicht die Unfähigkeit bestätigen, sondern aufzeigen, zu was die betroffene Person aktuell oder noch in der Lage ist. «Bisher steht uns da der Personenschutz und das Arztgeheimnis im Weg», schilderte Bernhard Buser, Leiter IV-Stelle Glarus, die Situation. Mit dem Jobprofil erstellen – immer in Absprache mit dem Arbeitnehmern – auf der einen Seite der Arzt ein detaillierteres Krankenbild und auf der anderen Seite der Arbeitgeber eine Beschreibung der Arbeit, des Arbeitsplatzes und gegebenenfalls andere Möglichkeiten im Betrieb. Der neue Ansatz fand hier bereits guten Anklang und hat sich als einfache und rasche Möglichkeit gezeigt. «Nun geht es darum, das Jobprofil bei Ärzten und Betrieben noch bekannter zu machen.»
Geschützter Ort
Aber auch der Austragungsort des Netzwerkanlasses – das Seminarhotel Linh – ist ein Paradebeispiel, wie Menschen – hier mit psychischen Erkrankungen – wieder in ein geregeltes Leben und in den Arbeitsmarkt geführt werden können. «Zusammen mit dem Menzihuus bieten wir Wohn-, Arbeits- und sogar Ausbildungsplätze an», erklärte Beat Staudacher, Vorsitzender der Geschäftsleitung Genossenschaft sozial-diakonischer Werk. Er blickte dabei zuerst auf die genau hundertjährige Geschichte seiner Gesellschaft, aber auch speziell auf die Einrichtungen in Filzbach. Danach zeigte er auf, dass hier insgesamt 50 geschützte Arbeitsplätze und vor allem 12 Ausbildungsplätze angeboten werden. Unter den Augen von Jobcoachs und Arbeitsagogen werden so die Erwachsenen und Jugendlichen behutsam an den ersten Arbeitsmarkt herangeführt.
Im Anschluss an die Veranstaltung konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Bäckerei, Garten und Küche selber ein Bild von der Arbeit im Seminarhotel Linh und dem Menzihuus machen.












