Ins Museum des Gründervaters

Meistens fahren die freiwilligen Fahrer des SRK Kanton Glarus ihre Fahrgäste freundlich und ruhig an ihren Bestimmungsort. Für einmal aber wurden sie selber gefahren und zwar ins Appenzellische Heiden oder noch genauer gesagt ins 1998 eröffnete Museum Henry Dunant, dem Initiator des Internationalen Roten Kreuzes. Ein Ort zur Auseinandersetzung mit Menschenrechten, dem Völkerrecht sowie mit Frieden und Demokratie. Aber auch, das humanistische Erbe zu reflektieren und weiterzudenken, damit diese Werte auch kommende Generationen erreichen.



Für die Humanität eingesetzt. (Bilder: willi baumgartner)
Für die Humanität eingesetzt. (Bilder: willi baumgartner)

Das Museum Henry Dunant umkreist als weltweit einziges Museum das Leben und Wirken des visionären Initianten des Internationalen Roten Kreuzes und der Genfer Konventionen. Henry Dunant (1828–1910) verbrachte die letzten 18 Lebensjahre in Heiden. Das Appenzeller Dorf mit seiner klassizistischen Architektur war damals ein international bekannter Kurort. Hier hat er seine Memoiren verfasst. Auf 800 m. ü. Meer, mit Blick auf den Bodensee und über Landesgrenzen hinweg, hat er seine Ideen für eine friedlichere Welt und einen Internationalen Gerichtshof weiterentwickelt. In Heiden hat er 1901 die Mitteilung erhalten, dass er als Erster mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werde. Das ihm gewidmete Museum ist im Gebäude untergebracht, in welchem Dunant als zurückgezogener Pensionär bis zu seinem Tod am 30. Oktober 1910 gelebt hatte.

Mit einem sorgsamen Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes, mit der Neuordnung der Räume und einer neuen Kernausstellung macht das Museum den Schritt ins 21. Jahrhundert. Die Wiedereröffnung wurde am 10. August 2024 gefeiert.

Mit überraschenden Positionen zum Nachdenken anregen

Die Kernausstellung begleitet Dunants zeitlose Werte entlang von vier thematischen Räumen durch sein wechselhaftes, bereits damals sehr vernetztes Leben. Dabei schlägt sie auch problematische Lebenskapitel auf und baut unter dem Titel «Humanität schläft nie» Brücken ins Hier und Jetzt.
Vor dem Museum Henry Dunant, in einer Installation der St. Galler Künstlerin Lucie Schenker, schwebt ein aussergewöhnliches Objekt: die Peace Bell von Nagasaki. Es ist eine von weltweit fünf Kopien jener Angelus-Glocke, die den Atomabwurf vom 9. August 1945 auf die japanische Stadt fast schadlos überstanden hatte. Die prachtvolle Glocke, ein Geschenk aus Nagasaki, traf im März 2010 in Heiden ein. Seither wird jedes Jahr am 9. August mit dem Läuten der Friedensglocke im Rahmen der Katastrophe von Nagasaki gedacht.

Vierzig Jahre nach dem Tod von Henry Dunant will Schreinermeister Jakob Haug aus Heiden dem Initianten des Roten Kreuzes ein Denkmal setzen. Nach etlichen Hürden kann er 1962 – mit einem herrlichen Ausblick über den Bodensee – das erste Dunant-Denkmal der Schweiz in Heiden einweihen. Die Bildhauerin Charlotte Jahn Germann hat aus 7,5 t Bündner Granit ein bemerkenswertes Werk geschaffen. Sie meisselte nicht Dunants Konterfei in Stein, sondern dessen wegweisende Idee der humanitären Hilfe in abstrahierender Darstellung: ein barmherziger Samariter und ein Hilfsbedürftiger.  

Echte Appenzeller Gastfreundschaft

Im «Schnuggebock» in Teufen AR wurde die Zeit behutsam zurückgestellt. In den heimeligen Räumen ist alles herausgeputzt und fein säuberlich geordnet, das Servicepersonal sehr direkt, flink und aufmerksam.
In gemütlicher Stimmung wurde mit währschafter Appenzeller Kost (feine Suppe, Salat, Hauptgang und «gluschtigem» Dessert) das Beste von Gestern präsentiert – alles wie es «Grosi au uftischt hät». Der «Festtag» wurde in jedem Detail zelebriert, Absacker oder Schnupf inklusive. Und auch die Rückfahrt mit dem Mächler-Bus und Fahrer Enrico durchs hügelige, sonnige Appenzellerland wurde zu einem weiteren Highlight. Den Organisatoren gebührt ein herzliches Dankeschön für diesen erlebnisreichen Tag.