Interpellation «Zwischenbericht Energiekonzept Kanton Glarus»

Die Interpellation von Franz Landolt und Mitunterzeichner von Anfang April stellt verschiedene Fragen zum Stand der Umsetzung des Energiekonzeptes des Kantons Glarus vom 2. August 2012. Diese werden vom Regierungsrat wie folgt beantwortet:



Wie hoch ist die Reduktion der CO2-Emissionen pro Einwohner heute?

Das Energiekonzept enthält das Ziel, die CO2-Emissionen aus Treib- und Brennstoffen zwischen 2010 und 2020 pro Einwohner um 30 Prozent zu senken. Eine genaue Aussage zum Ausmass der heutigen Emissionen ist vorläufig nicht möglich. Die Kantone erarbeiten zurzeit ein gemeinsames Auswertungsprogramm, welches für die obligatorische Berichterstattung aufgrund des CO2-Gesetzes notwendig ist. Im Kanton Glarus dürften die von Brennstoffen produzierten CO2-Emissionen aber seit 2010 gesunken sein. Hingegen haben sich die CO2-Emissionen von Treibstoffen wie überall in der Schweiz kaum oder nur wenig reduziert. Genaue Aussagen zu den CO2-Emissionen aus dem Kanton Glarus sind erst Anfangs 2017 möglich.

Wie hoch ist der Elektrizitätsverbrauch pro Einwohner heute?

Die jüngsten Zahlen zum Elektrizitätsverbrauch stammen von 2015. Im 2015 wurden im Kanton Glarus 330,3 Gigawattstunden (GWh) Elektrizität verbraucht, verglichen mit 341,6 GWh im Jahr 2010. Bezogen auf die jeweilige Bevölkerung (2010: 38 600 Einwohner, 2015: 40 000 Einwohner) ergibt dies einen jährlichen Verbrauch pro Einwohner von 8850 Kilowattstunden (kWh) im 2010 bzw. 8260 kWh im 2015. Im Jahr 2015 wurden somit pro Einwohner 6,7 Prozent weniger ver- braucht als im Jahr 2010. Das Ziel einer Reduktion des Elektrizitätsverbrauchs von fünf Prozent (bis 2020) wurde damit schon 2015 erreicht. Die Verminderung des Verbrauches in diesen fünf Jahren ist aber vor allem auf Betriebseinstellungen einiger grösserer Industriebetriebe zurückzuführen. Der Verbrauch in den Haushalten hat sich wenig oder gar nicht vermindert.

Wie hoch ist der Anteil an erneuerbarer Energien heute?

Das Energiekonzept gibt eine Erhöhung des Anteils an erneuerbarer Energie ohne Wasserkraft von 2250 kWh (2010) auf 4500 kWh pro Jahr und Person vor. Es gibt keine genauen Erhebungen über den momentanen Verbrauch an erneuerbaren Energien (Wärmepumpen, Holz, solare Wärme, Fernwärme). Die Zahl der Luft/Grundwasser-Wärmepumpen sowie der thermischen Sonnennutzungen hat seit 2010 deutlich zugenommen. Zudem wurden grosse Holz-Fernheizungen erbaut (z. B. in Glarus) oder vermehrt genutzt (z.B. in Mollis). Der Verbrauch dürfte im 2015 damit (schätzungsweise) bei deutlich über 3000 kWh pro Jahr und Person liegen. In nächster Zukunft ist die zusätzliche Nutzung der Abwärme der Kehrichtverbrennungsanlage über eine Fernwärmeleitung geplant, welche diese Energiemenge nochmals um 250–350 kWh pro Jahr und Person erhöht. Eine Erreichung des Ziels von 4500 kWh pro Jahr und Person erscheint im Bereich des Möglichen.

Wie viel Energie produzieren Kleinwasserkraftwerke heute?

Das Energiekonzept sieht eine Erhöhung der Energieproduktion aus Kleinwasserkraftwerken von 165 GWh (2012) auf 240 GWh (2020) vor. In der Zwischenzeit wurden einige neue und erneuerte Kraftwerke in Betrieb gesetzt. 2014 lag die Produktion der Kleinkraftwerke bei etwa 180 GWh, 2015 bei 160 GWh. In einem Durchschnittsjahr liegt die Produktionserwartung bei 185–190 GWh. Zurzeit sind fünf Kraftwerke (Doppelpower, Cotlan, Rufi, Seidendruckerei, Holenstein) mit einer totalen Produktionserwartung von etwa 45 GWh im Bau und werden bis spätestens 2018 in Betrieb gesetzt. Zusammen mit weiteren geplanten Kraftwerken (Trinkwasserkraftwerke, Kraftwerk unterer Mühlebach) kann die Zielsetzung bis im Jahr 2020 erreicht werden.

Wie hoch sind die durchschnittlichen CO2-Emissionen von neuen Personenwagen heute?

Das Energiekonzept sieht bis 2020 eine Reduktion der CO2-Emissionen der im Kanton Glarus in Verkehr gebrachten Motorfahrzeuge von 164 g CO2/km (2010) auf 95 g CO2/km vor. Im Jahr 2016 ist aufgrund von Messungen des Bundesamts für Energie von 2010 bis 2015 und Trendanalysen eine Emission von 134 g CO2/km zu erwarten. Das entspricht nicht ganz dem Zielpfad. In den Folgejahren müssten die CO2-Emissionen deutlicher sinken, um das Ziel zu erreichen.

Sind die bis jetzt eingeleiteten Massnahmen ausreichend, um die im Energiekonzept definierten Ziele bis 2020 zu erreichen?

In den Bereichen Erneuerbare Energien, Wasserkraft und Elektrizitätsverbrauch sind die Massnahmen ausreichend für die Erreichung der genannten Ziele. Bezüglich der gesamten CO2-Emissionen und der CO2-Emissionen von Neufahrzeugen genügen sie wahrscheinlich nicht. Die Kantone haben aber in diesen Bereichen wenig Spielraum für einschneidende Massnahmen. Massgebend ist der Bund gestützt auf das CO2-Gesetz.

Welche konkreten Massnahmen sind vorgesehen, um die fünf selbst definierten Ziele bis im Jahr 2020 zu erreichen?

Anfang 2017 wird eine vorläufige Standortbestimmung zur Umsetzung des Energiekonzepts erarbeitet. Die 2012 beschlossenen Massnahmen bzw. deren Zielsetzung werden überprüft und die Massnahmen entweder als erledigt abge-schrieben, als nicht zielführend gestrichen oder ergänzt bzw. erweitert.