glarus24: Sie haben am 13. März in Lenzerheide den Rücktritt vom aktiven Spitzensport bekannt gegeben. Was waren die Hauptgründe und fiel Ihnen der Rücktritt nach den vielen Jahren schwer?
Jürg Grünenfelder: Der Hauptgrund für meinen Entscheid waren sicher die vielen, zum Teil schweren Verletzungen, die mich immer wieder zurückgeworfen haben. Ich habe mich immer wieder, und zum Teil über eine längere Strecke, zurückgekämpft. Vor zwei Jahren, nach einer für mich guten Saison, habe ich mir beim Training auf er Lenzerheide im März 05 das Bein gebrochen, dies nachdem ich in der gleichen Saison in Gröden aufs Podest gefahren bin. Aber auch nach dieser schwerwiegenden Verletzung arbeitete ich mich wieder zurück, bis ich im Dezember 2006 in Gröden – eigentlich einer meiner Lieblingsstrecken- wieder stürzte. Das alles hat mich schlussendlich im Entschluss bestärkt, meine Karriere als aktiver Skirennfahrer zu beenden. Sicher ist ein solcher Entscheid nicht leicht zu fällen, aber wenn die Resultate nicht mehr erzielt werden können, muss ein Schlussstrich gezogen werden. Ich habe die Zeit während meinen Verletzungen jeweils auch genutzt um mich für die Zeit nach dem Skifahren weiterzubilden.
glarus24: Der Weg zum Spitzensport mit dieser enorm schmalen Spitze ist sicher sehr aufwendig. Wie erleben Sie im Nachhinein diese Zeit und würden Sie diesen Schritt nochmals wagen?
Jürg Grünenfelder: Trotz vielen Tiefschlägen während meiner aktiven Rennzeit würde ich diesen Schritt auf jeden Fall wieder wagen. Der Sport hat mir während dieser Zeit sehr viel gegeben und ich konnte vieles Erleben und viele tolle Leute kennen lernen. Ich sage heute auch jedem jungen, talentierten Sportler, dass die Chance unbedingt ergriffen werden muss. Der Weg zum Spitzensport ist gleichzeitig auch eine wichtige Lebensschule. Bei genügend Talent lohnt es sich unbedingt auf den Spitzensport zu setzen. Bei einem späteren Scheitern haben die Jungen immer noch die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen, sie bringen auch den notwendigen Ehrgeiz für eine zusätzliche, spätere Ausbildung mit sich. Zu meiner Zeit gab es die Glarner Sportschule oder auch die verschiedenen Sportgymnasien noch nicht. Ich finde, dass dies der richtige Weg ist, um junge Talente früh zu fördern.
glarus24: Rückblickend auf Ihre lange Karriere als einer der besten Schweizer Abfahrer, welches waren ihre schönsten Erinnerungen?
Jürg Grünenfelder: Ich habe einige schöne Erinnerung an meine Aktivzeit, darunter sicher auch der vierte Platz in der Olympiaabfahrt in Nagano. Damals habe ich die Bronzemedaille ja nur um eine Hundertstel verpasst. Trotz dem „undankbaren“ vierten Platz war dies für mich ein grosser Erfolg, war ich doch zusammen mit Didier Cuche der jüngste Fahrer im Schweizer Team. Sicher einer der grössten Moment war der Podestplatz in der Abfahrt von Gröden. Dieser Erfolg zählt für mich umsomehr, als er nach einer langen Verletzungsphase für viele überraschend kam. Zu jenem Zeitpunkt hatten mich schon viele „abgeschrieben“ und mit diesem Erfolg konnte ich mich wieder „wie Phönix aus der Asche“ zurückmelden. Es war für mich ein sehr emotionaler Moment an den ich mich gerne zurückerinnere.
glarus24: Ohne Rücktritt wären Sie sicher zu dieser Zeit voll im Sommertraining. Fehlt Ihnen diese Zeit oder haben Sie bereits eine neue Herausforderung gefunden?
Jürg Grünenfelder: Im Moment fühle ich mich gut und bin eher froh, dass ich all die Strapazen eines Sommertrainings nicht mehr auf mich nehmen muss. Ich spüre auch eine gewisse Erleichterung, den körperlichen Druck immer permanent in Form zu sein nicht mehr zu haben. Allerdings zieht es mich jeweils nach der Arbeit, insbesondere an den Wochenenden wieder hinaus in die Natur. Ich brauche nach wie vor noch körperliche Anstrengungen, allerdings aus freiem Willen und nicht mehr unter dem erwähnten Druck. Heute zählen „Biken“ oder Klettern sowie grössere Bergtouren zu meinen Freizeitbeschäftigungen. Für mich ist wichtig, dass mein “Motor“ ständig in Bewegung bleibt, einfach nicht mehr auf Hochleistung.
glarus24: Sie sehen nun Ihre Zukunft als Immobilien-Vermittler. Kommt Ihnen dabei Ihr gelernter Beruf zu Gute und wird Ihr Tätigkeistgebiet hauptsächlich das Glarnerland sein?
Jürg Grünenfelder: Zur ersten Frage: ich habe seinerzeit Zimmermann gelernt weil mir der Beruf gefällt und ich aber gleichzeitig auch die Möglichkeit hatte, Skirennsport zu betreiben. Dass mir mein erlernter Beruf in meiner neuen Tätigkeit zu Gute kommt ist unbestritten. Ich weiss wie Pläne zu lesen sind und kann auch ein Objekt, sprich eine Immobilie, gut bewerten und beurteilen. Wie erwähnt habe ich während meinen Verletzungen bei der AKAD die Handelsschule mit einem Fernstudium und in Magglingen eine Sportmanagement Ausbildung absolviert. Mein neuer Arbeitgeber RE/MAX war während meiner Zeit als Abfahrer auch mein Sponsor, wie übrigens auch von meinem Bruder Tobias. Zur zweiten Frage: RE/MAX ist ein Franchising System und die Franchise Glarnerland ist noch nicht vergeben. Eine Möglichkeit wäre, in Zukunft diese Franchise Glarnerland zu übernehmen. Zur Zeit bin ich bei Remax Winterthur und erlerne dort das praktische Handwerk eines Immobilienmaklers. Parallel dazu besuche ich die Neue Immobilien-Maklerschule Schweiz in Luzern. Schon jetzt (ab 1.August) ist jedoch das Glarnerland mein Wirkungsgebiet. Dies noch vom Bürostandort Winterthur aus.
glarus24: Als erfolgreicher Skirennfahrer verfügen Sie über eine grosse Rennerfahrung. Werden Sie in Zukunft dieses Wissen auch an Glarner Talente weitergeben? Haben Sie diesbezüglich bereits konkrete Pläne?
Jürg Grünenfelder: Sicher, zusammen mit Gregor Hagmann von der Glarner Sportschule sind wir an der Ausarbeitung eines Konzeptes. Vorderhand ist es eine Idee, welche aber in nächster Zeit konkrete Formen annimmt. Hagmann war übrigens während Jahren der Konditionstrainer von Tobias und mir. Die erwähnte Idee nimmt sicher Bezug auf junge Skirennfahrerinnen und Skirennfahrer aus dem Glarnerland und wir werden zur gegebenen Zeit damit auch an die Öffentlichkeit gelangen. Dieses Projekt ist aber auf jeden Fall losgelöst von der Sportschule und wird so wie es im Moment aussieht in Filzbach beheimatet sein. Wie gesagt, nähere Informationen darüber sobald die Idee konkrete Formen angenommen hat. Ich werde sicher in diesem Zusammenhang versuchen, mein Wissen aus der Zeit meiner aktiven Renntätigkeit an die jungen Talente weiterzugeben.
glarus24 bedankt sich bei Jürg Grünenfelder, einem äusserst sympatischen und offenen Spitzensportler für dieses sehr interessante Gespräch und wünscht ihm in seiner neuen beruflichen Herausforderungen viel Erfolg.
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