Invasive Neophyten: Verwechslung mit Folgen

Harmlos oder invasiv? Wer den Unterschied kennt, schützt Natur und Artenvielfalt.



Invasive Neophyten: Verwechslung mit Folgen

«Invasive Neophyten? Das sind doch die gebietsfremden Pflanzen mit den weissen oder gelben Blüten.» Das ältere Ehepaar mit dem gepflegten Garten scheint sich mit Pflanzen gut auszukennen. Sorgsam mähen sie ihre Blumenwiese und lassen dabei einige Stellen mit vielen Blumen aus. «Die Margeriten lassen wir stehen, die blühen so schön.» Doch was sie da stehenlassen, sind leider nicht Margeriten – es ist das Einjährige Berufkraut.

Frühzeitiges Handeln vermindert Schäden

Das Einjährige Berufkraut ist ein invasiver Neophyt, also eine gebietsfremde Pflanze, die sich stark verbreitet. Invasive Neophyten bedrohen die einheimische Artenvielfalt. Einige gefährden zudem unsere Gesundheit, andere beschädigen Bauwerke oder führen zu hohen Kosten im Unterhalt. Diese Schäden können am besten eingedämmt werden, indem man invasive Neophyten frühzeitig erkennt und regelmässig entfernt.

Invasive Neophyten und ihre Doppelgänger

Ein grosses Problem: Viele invasive Arten lassen sich nur schwer von harmlosen Pflanzen unterscheiden. Das Einjährige Berufkraut gleicht tatsächlich der Margerite. Seine Blüten haben allerdings feine weisse Zungenblüten («Blütenblätter»), während die Margeriten breite Zungenblüten besitzen. Ein typisches Merkmal ist zudem, dass die hellgrünen, gezackten Blätter und der Stängel des Berufkrauts leicht behaart sind.

Auch bei anderen Neophytenarten treten Verwechslungen auf. Kürzlich füllten Freiwillige einen ganzen Neophytensack mit «Amerikanischen Goldruten» – leider vergebens, denn sie jäteten den einheimischen Weiden-Alant. Beide Arten besitzen lange und schmale Blätter und können dichte Bestände bilden. Die Goldruten bilden lange gelbe Blütenrispen, die aus vielen kleinen Einzelblüten bestehen. Der Weiden-Alant hingegen hat nur einzelne, bis zu 4 cm grosse Blüten pro Pflanze. Manchmal werden Goldruten auch mit Rainfarn verwechselt – dieser blüht mit knopfartigen Blüten und hat gefiederte Blätter.

In einem anderen Fall wurde die Verwechslung noch rechtzeitig bemerkt: Das «Drüsige Springkraut», das ein Mitarbeiter jäten wollte, war in Wahrheit das Kleine Springkraut. Dieses wird höchstens 60 cm hoch und besitzt einen dünnen Stängel. Das Drüsige Springkraut hingegen kann mit seinem dicken, rötlichen Stängel bis über 2 m hoch werden. Ausserdem besitzt es am Blattansatz kleine Drüsen auf Stielen. Die Blütenfarbe unterscheidet sich ebenfalls: Das Drüsige Springkraut bildet violette Blüten, das Kleine Springkraut gelbe Blüten.

Wissen ist wichtig

Diese Beispiele zeigen: Wer invasive Pflanzen erkennen und entfernen will, braucht ein gutes Auge und verlässliches Grundwissen. Der Kanton Glarus und das Naturzentrum Glarnerland informieren deshalb regelmässig über invasive Neophyten. Das Naturzentrum hilft zudem bei der Bestimmung von Pflanzen. Dafür können Fotos mit gut erkennbaren Pflanzenteilen eingesendet oder ganze Pflanzen in einer verschlossenen Tüte vorbeigebracht werden.

Gemeinsam zum Erfolg

Um Schäden zu vermeiden und die Artenvielfalt zu schützen, ist es wichtig, invasive Neophyten zu entfernen. Dies gelingt am besten, wenn möglichst viele mithelfen. Unterstützen auch Sie unsere Bemühungen:

· Melden Sie verdächtige Pflanzen Ihrer Gemeinde.
· Entfernen Sie invasive Neophyten auf Ihrem Grundstück mitsamt Wurzeln und entsorgen Sie sie gratis in Neophytensäcken (erhältlich bei der Gemeinde oder dem Naturzentrum Glarnerland).
· Haben Sie Interesse, uns beim Neophyten-Jäten freiwillig zu unterstützen? Melden Sie sich bei der Kontaktperson Ihrer Gemeinde.

Gemeinsam können wir die Ausbreitung von invasiven Arten wirkungsvoll eindämmen – ohne dabei versehentlich ihre harmlosen Doppelgänger zu gefährden.

Kontakte und weitere Informationen

Gemeinde Glarus Nord: Kathrin Zweifel, 058 611 72 73, [email protected] Gemeinde Glarus: Christoph Zwicky, 058 611 82 43, [email protected] Gemeinde Glarus Süd: Christian Fournier, 058 611 96 53, [email protected] Kanton Glarus: Tim Zogg, 055 646 64 76, [email protected] Naturzentrum Glarnerland: 055 622 21 82, [email protected]