Jonglieren, kraftvolle und artistische Eleganz, Anmutiges

Für Zirkusfans gibt es hin und wieder einzigartige Gelegenheiten, den Weg zu irgendeiner Spielfläche einzuschlagen, um dem vielfältigen Können von Artisten zu folgen, um sich einzugestehen, dass das halt immer «eebig schüü» ist, mit hohem Genussfaktor, prickelnder Spannung und der verständlichen Neugierde.




So luden unlängst junge Absolventinnen und Absolventen der «Ecole Supérieure des Arts du Cirque» aus Brüssel zum Staunen und Mitvollziehen ein. Und wenn man sich zu fragen beginnt, weshalb es junge Artistinnen und Artisten aus der belgischen Metropole ausgerechnet ins doch eher unbekannte Glarnerland verschlägt, hängt das mit Carla Kühne aus Glarus zusammen. Mit befreundeten Kolleginnen und Kollegen wurde das spürbar ansprechende, rund 40 zirzensische Minuten umfassende Programm im Garten von Florian Jakober in Glarus eingeübt. Auf gar viele Details musste geachtet werden, es galt die Abfolge zu timen, die Spannung hochzuhalten, Längen und Hänger zu vermeiden, auf die Musikbegleitung zu hören, Ansagen und Liedtexte zu koordinieren. Und wenn sich alles ganz harmonisch fügte, stand der Präsentation – wie sie mit Beginn der «Beton-Kilbi» beim Sportzentrum Näfels und später im Volksgarten Glarus angeboten war, nichts mehr im Wege.

Hatte man am Rande der Spielfläche Platz genommen, mit Geichgesinnten einen munteren Gedankenaustausch gepflegt und rumgeguckt, fielen die überdimensionierte Schaukel mit solider Sitzfläche, dicke Matten, ein kleines Zelt und die Verstärker auf. Noch waren weit und breit keine Artisten zu sehen, die stimmten sich irgendwo ein. Aber bald erschienen sie auf der zu bespielenden Fläche, stellten sich in verschiedensten Sprachen mit sympathischer Munterkeit und Frische vor, zeigten auf, dass Interkulturelles zu erwarten war. Und das klappte bestens, vorbildlich über viele Sprach- und Ländergrenzen hinweg. Allen wurde ein herzliches «Buono Spettacolo» gewünscht; das nahm man gerne auf.

Dass die junge Truppe grad mit Beginn ihren unüberhörbaren Wunsch nach Ruhe und Ausspannen äusserte, nahm man zur Kenntnis – aber glaubte es gar nicht. Das war nette, Situationsgebundene Komik, die ins anfängliche Spiel aufgenommen wurde. Irgendwelche Sprünge klappten ganz und gar nicht, irgendwie wurde dann auf einer der Matten gelandet. Aber als zur Schaukel hochgeklettert wurde, jemand aus dem Publikum mitzuhelfen hatte, spürte man, dass nun anderes zu erwarten war. Urplötzlich standen zwei Leute auf besagter Schaukel – aber nicht für lange. In allen möglichen Positionen wurden Künste demonstriert. Nichts ging schief, tempostark und kraftvoll verschlangen sich Körper ineinander, entwirrten sich wieder, kopfüber gings plötzlich hin und her, bei Musik ab Verstärker. Es ging alles so rassig, dass es der Musikkonserve zu viel wurde. Es begann zu scheppern und zu wackeln – aber nur musikalisch.

Dass Jonglieren mit mehreren Keulen musste man gesehen haben. Die Keulen wurden mit den Schulterblättern oder in der Kniekehle aufgefangen, da wurde gewirbelt, geworfen und gedreht. Die Zuschauer erhielt sogar leichtgewichtige Bällchen, die man getrost Richtung Artist werfen und ihn damit spürbar aus dem Konzept bringen durfte. Wer da mittat, hatte später beim Einsammeln der Wurfgeschosse tatkräftigst mitzuhelfen!

Und fast pausenlos reihte sich Sequenz an Sequenz. Begabte staunten wohl über Dinge, die sie im Verlaufe vieler Turnstunden einst unwiderruflich verpasst hatten. Und als dann einer auf den Querträger der besagten Schaukel kletterte – gar hoch über dem Boden – ein langes Tuch bereit machte, Seilzüge weghängte und noch Zeit zum Singen hatte, machte man sich ernsthaft Sorgen. Wie sollte das ohne Unfall weitergehen? Die Antwort kam fast postwendend. Der Artist liess sich in den Tuchstreifen fallen, schaukelte weiter, drehte sich, stieg wieder hoch. Und endlich holte ihn seine Truppe runter.

Und dann war alles – beinahe zu schnell – einfach fertig. Man konnte sich in der Boulderhalle verpflegen und nach dem Eindunkeln einen themenbezogenen Film angucken. Aber für jene, die mit Kindern gekommen waren, war es Zeit für die Heimkehr.