Jugendsession 2019 – Regierungsrat nimmt Stellung zum Forderungskatalog

Die Glarner Jugendsession hat ihre Forderungen der Regierung übergeben. Diese nimmt Stellung zu den neun Themenkreisen.



Rund 30 Jugendliche haben Mitte Mai an der zweiten Glarner Jugendsession teilgenommen. In Arbeitsgruppen haben sie Visionen diskutiert und konkrete Forderungen aus den drei Themenkreisen Gesundheit, Digitalisierung und Kultur an die Politik formuliert. In seinem Antwortschreiben weist der Regierungsrat auf den Politischen Entwicklungsplan 2020–2030 des Kantons Glarus hin, in dem diese Forderungen enthalten sind. Dieser dient als politisches Leitbild und zeigt auf, in welche Richtung sich der Kanton Glarus in den nächsten Jahren entwickeln soll. 

Die neun Forderungen der Glarner Jugendsession

«... den Aufbau eines Jugendkulturbüros»

Antwort des Regierungsrats:

Der Regierungsrat unterstützt einen einfachen Zugang der Jugendlichen zu Kultur und Kulturförderung. Die Jugendarbeit liegt aber in der Zuständigkeit der Gemeinden. Diese haben für ihre Jugendarbeit das Netzwerk Gloja gegründet, das regelmässig Aktivitäten koordiniert. Der Kanton ist gerne bereit, bestimmte Funktionen in einem Jugendkulturbüro zu unterstützen:

  • Beratung Kulturförderung: Wie stelle ich ein Gesuch an die Kulturförderung? Wofür gibt es Beiträge und wofür nicht? Was ist bei der Gesuchstellung zu beachten?
  • Beratungsangebote und Workshops der Berufsberatung.
  • Aufgaben im Bereich der Glarner Agenda und Redaktion des Kulturblogs.

Aus Sicht des Regierungsrates kann ein Jugendkulturbüro nur wirksam sein, wenn die Aufgaben, die Verantwortung und die Kompetenzen eines solchen Büros klar definiert sind.

«... dass die Pro-Kopf-Finanzierung im Kulturbereich in Zukunft grösser sein soll und damit im schweizerischen Mittelfeld zu liegen kommt»

Antwort des Regierungsrates:

Die Forderung bezieht sich auf das Ranking «Kulturausgaben der Kantone und ihrer Gemeinden pro Einwohner/in inklusive Lotteriebeiträge» in der «Taschenstatistik Kultur in der Schweiz». Diese wird vom Bundesamt für Kultur herausgegeben. In der jüngsten Ausgabe (2018) liegt Glarus mit 139 Franken unter den 26 Kantonen an drittletzter Stelle. Das Ranking lässt keine Rückschlüsse auf die Vielfalt und Reichhaltigkeit des kulturellen Angebots in einem Kanton zu. Es zeigt nur indirekt, welchen Stellenwert die Politik in einem Kanton der Kultur beimisst. Die Zahlen bilden in erster Linie unterschiedliche Strukturen ab. So widerspiegeln sich darin die Grösse der Kantone und der öffentlichen Verwaltungen im Kulturbereich. Die Kulturausgaben in den (kleineren) Landkantonen ohne städtische Zentren und ohne eigene Kulturbetriebe sind erfahrungsgemäss tiefer als in den städtisch geprägten Kantonen mit den grossen Museen, Konzert- und Theaterhäusern. Es trifft zu, dass der Anteil der Kulturausgaben im Verhältnis zum Staatshaushalt im Kanton Glarus bescheiden ist. Er beträgt mit rund 3 Millionen Franken (Jahresrechnung und Lotteriegewinne) 0,77 Prozent des kantonalen Haushaltes – ohne Lotteriegewinne ist es weniger als ein halbes Prozent (Jahresrechnung 2018).

Der Regierungsrat war jedoch nicht untätig. Er hat mit der Verabschiedung des Kulturkonzepts die kulturpolitischen Leitlinien für die Pflege, die Förderung und Vermittlung von Kultur festgelegt. Dazu gehört, dass Kinder und Jugendliche gezielt mit Kunst und Kultur, mit Kunstschaffenden und Kulturinstitutionen in Berührung kommen. Auch werden Projekte unterstützt, bei denen die kulturelle Eigenart, Geschichte und Tradition des Glarnerlandes im Zentrum stehen. Weiter initiiert die Kulturförderung regelmässige Koordinationstreffen und Plattformen für den Informations- und Erfahrungsaustausch unter Kulturschaffenden und Veranstaltern. Gleichzeitig setzt die Kulturförderung Schwerpunkte bei der Pflege von kultureller Vielfalt und künstlerischer Qualität, bei der Unterstützung von Freiwilligen und Vereinen. Sie beachtet bei der Prüfung von Kulturprojekten auch den Faktor der Standortattraktivität. Der Regierungsrat will das Kulturkonzept mit konkreten Zielen und priorisierten Massnahmen umsetzen. Es ist möglich, dass damit mittelfristig eine Erhöhung des kantonalen Kulturbudgets einhergeht, die sich dann im Ranking der Kulturausgaben niederschlägt.

Die Forderungen der Jugendsession im Kulturbereich sind nicht unrealistisch. Das Ziel der Kulturförderung kann aber nicht darin bestehen, einen bestimmten Platz in der Rangliste der Kantone einzunehmen. Die kantonale Kulturpolitik sollte auf die Bedürfnisse der Konsumenten abgestimmt sein. Wichtig ist, dass alle Bevölkerungsgruppen gleichermassen von auf sie ausgerichteten Kulturangeboten profitieren können. Sollte es so sein, dass die Jugendlichen in der momentanen Kulturlandschaft zu kurz kommen, sind Korrekturen zu prüfen.

«... die Nutzung alter Räumlichkeiten für kulturelle Anlässe, dies soll gemeinsam mit Akteuren der öffentlichen Hand und Privaten realisiert werden»

Antwort Regierungsrat:

Der Regierungsrat unterstützt schon heute verschiedene Kulturinstitutionen, die für ihre Aktivitäten historische Räume und Baudenkmäler nutzen, so das Museum des Landes Glarus im Freulerpalast Näfels, das Anna-Göldi-Museum im Hänggiturm in Ennenda oder die Konzertbühnen im Holästei-Areal. Die Bereitstellung von bestehenden Räumlichkeiten für kulturelle Aktivitäten von Jungen ist Aufgabe der für die Jugendarbeit zuständigen Gemeinden. Denkbar ist, dass der Kanton bei Fragen der Umnutzung fachliche Beratung anbietet, wenn es um die Nutzung von geschützten Gebäuden geht. 

«... eine digitale / papierlose Schule, im Fokus liegt dabei die Oberstufe»

Antwort Regierungsrat:

Seit einigen Jahren werden Konzepte umgesetzt, die mittelfristig eine papierlose Schule ermöglichen. Dies ist auch eine Folge der Einführung des neuen Glarner Lehrplans für die Volksschule, der Kompetenzen in den Bereichen Medien, Informatik und Anwendungskompetenzen von Lehrpersonen und Lernenden verlangt. Dies bildet auch Teil der Bestrebungen des Kantons, die Digitalisierung voranzutreiben. Mit folgenden Massnahmen wird eine papierlose Sekundarstufe angestrebt:

  • Alle Schulstandorte werden mit Glasfaser-Leitungen erschlossen.
  • Alle Schulhäuser werden aufgerüstet und für jegliche Arten von Geräten tauglich gemacht.
  • Alle Gemeinden erhalten einen professionellen technischen Support für die schuleigenen Gerätschaften.
  • Alle Gemeinden und die kantonalen Schulen werden mit Office 365 ausgerüstet.
  • Alle Lehrpersonen haben eine E-Mail-Adresse, die als ID im Schulbereich genutzt wird.
  • Alle Lernenden erhalten eine Mailadresse, die als ID im Schulbereich genutzt wird.
  • Alle Lernenden erhalten 1 Terabyte cloudbasierten Speicherplatz.
  • Die Verträge mit Microsoft sind so ausgestaltet, dass Office 365 (inkl. Applikationen) auch privat und auf allen Gerätschaften gratis genutzt werden kann.
  • Mit der Einführung von Office 365 an den Schulen (ab Schuljahr 2019/2020) wird ermöglicht, dass mit einem Klassennotizbuch gearbeitet werden kann. So können Lehrpersonen den Schülerinnen und Schülern digitales Unterrichtsmaterial individuell zur Bearbeitung zustellen. Aufträge können digital verarbeitet und abgelegt werden. 
  • Einzelne Schulen testen zurzeit mögliche Unterrichtsszenarien und stellen diese sowie die damit gemachten Erfahrungen an Netzwerktreffen den Verantwortlichen sowie den Medienmentorinnen und Medienmentoren vor.
  • Der Kanton unterstützt seit Jahrzehnten die Ausbildung von Lehrpersonen in Sachen Digitalisierung. 
  • 2018 startete in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Schwyz ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm für alle Lehrpersonen. 
  • Es steht ein Lehrerweiterbildungsangebot zur Verfügung, das ebenfalls rege genutzt wird.
  • Das Glarner Heimatbuch hat bereits 2008 einen digitalen Zusatz erhalten. Dieser wird bis Ende 2019 rundum erneuert. Mit projektorientierten Aufgabenstellungen wird den Lehrpersonen und den Lernenden aufgezeigt, wie sie mit digitalen Werkzeugen Projekte produzieren, präsentieren und veröffentlichen können. 

Der Weg zu einer papierlosen Schule ist aufgegleist und in den nächsten Jahren umsetzbar. Inwiefern eine gänzlich papierlose Schule Sinn macht und tatsächlich umzusetzen ist, wird sich in den nächsten Jahren auf politischer Ebene zeigen. Dafür sind auch die Entwicklungen in anderen Kantonen einzubeziehen.

«... mehr Sammelstellen/Entsorgungsmöglichkeiten an öffentlichen  Plätzen, Abfalltrennung soll dort einfach möglich sein»

Antwort Regierungsrat:

Für die Entsorgung von Abfällen und die Reinigung des öffentlichen Raums sind die Gemeinden zuständig. Der Kanton ist für die Abfallentsorgung und Reinigung im Bereich der Kantonsstrassen verantwortlich. Die Gemeinden betreiben schon heute einen grossen Aufwand zur Sammlung von Abfällen und zur Reinigung des öffentlichen Raums. Sie überprüfen laufend das System von Rückgabemöglichkeiten. Sie haben auch schon Möglichkeiten von getrennten Sammlungen, wie sie bei Bahnhöfen verwendet werden, geprüft. Bisher wurden diese aber wegen der komplizierten Entleerung mit Mehrkammerfahrzeugen noch nicht realisiert. Die Gemeinden können aufgefordert werden, diese dezentrale getrennte Sammlung nochmals zu prüfen und zumindest lokal umzusetzen. Auch sind allenfalls die Öffnungszeiten der Sammelstellen zu überprüfen. Öffnungszeiten während Bürozeiten dienen Pendlern nicht.

«... mehr (kantonale) Sportveranstaltungen im schulischen Rahmen für Kinder und Jugendliche»

Antwort Regierungsrat:

Es gibt heute ein sehr breites Sportangebot im Kanton Glarus und genügend kantonale Sportveranstaltungen. Bereits beim bestehenden Angebot gibt es Anlässe, welche aufgrund zu kleiner Anmeldezahlen nicht durchgeführt werden können. Regelmässig durchgeführt werden kantonale Schulsportwettkämpfe, schweizerische Schulsporttage, die Swiss Unihockey Games, der CS-Cup im Fussball oder der Dario-Cologna-Langlauf-Event. 

Auch auf Gemeindeebene gibt es Sportveranstaltungen. Was intensiviert werden könnte, sind die Angebote im Bereich des freiwilligen Schulsports. Dies ist aber auch vom Engagement der örtlichen Vereine abhängig, die oft die Leiterinnen und Leiter bei diesen Angeboten stellen. Nicht vergessen werden dürfen aber die vielen Sportvereine im Kanton Glarus, die zusammen mit ihren Verbänden Sportveranstaltungen und Wettkämpfe anbieten. Sie ergänzen das schulische Angebot wesentlich.

«... Voraussetzungen, damit sich einsame Menschen vermehrt treffen können / Treffpunkte für einsame Menschen»

Antwort Regierungsrat:

Das soziale Zusammenleben aller Menschen ist dem Regierungsrat ein wesentliches Anliegen. Die Angebote bleiben aber freiwillig; soziale Teilhabe kann nicht erzwungen werden. Den Vereinen und Institutionen kommt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle zu. Zum Beispiel motiviert die Hauptabteilung Soziales Personen, welche Sozialhilfe empfangen und dadurch besonders stark von Ausgrenzung und Isolation betroffen sind, zu Vereinsmitgliedschaften und Hobbys. Die Angebote für einsame Menschen im Kanton Glarus sind vielfältig und Treffpunkte sind vorhanden. Es gibt viele Begegnungsmöglichkeiten für verschiedene Altersgruppen. Zu erwähnen ist neben den verschiedenen Vereinen das Projekt Generationenkirche der Evangelisch-reformierten Landeskirche und die verschiedenen kirchlichen Anlässe. Die Glarner Kirche will eine Kirche für alle Generationen sein. Sie will Menschen zusammenbringen und Raum und Gelegenheiten für das Neben- und Miteinander unterschiedlichster Gruppierungen, Generationen und Kulturen bieten. Hinzuweisen ist auch auf die Freiwilligenorganisationen Pro Senecute, KISS Kanton Glarus mit KISS-Kaffee und FRAMI. Seit vielen Jahren steht zudem Langzeitarbeitslosen der ALO-Treff zur Verfügung. Zudem können im Rahmen von Sozialberatungen einsamen Menschen Wege zu gemeinschaftlichem Erleben aufgezeigt werden, um sie zu ermutigen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

«... dass sich der Kanton aktiv gegen Food Waste einsetzt und insbesondere die Aufklärungsarbeit an den Schulen verbessert (Reduktion und Prävention)»

Antwort Regierung:

Das Thema Lebensmittel ist bereits fester Bestandteil des Glarner Lehrplans für die Volksschule. Dieser nimmt sich dem Thema «Food Waste» an und betrachtet dieses aus ökologischen und wirtschaftlichen Perspektiven. Der Kanton leistet jedoch nicht nur Aufklärungsarbeit in diesem Bereich, sondern baut bei den Lernenden auch entsprechende Kompetenzen auf:

  • Während der Primarschule lernen die Schülerinnen und Schüler die Herkunft von ausgewählten Lebensmitteln zu untersuchen und über deren Umgang nachzudenken. Der Begriff «Lebensmittelverschwendung» gehört zu den verbindlichen Inhalten. 
  • Später bauen die Schülerinnen und Schüler die Kompetenz auf, Nahrung kriterienorientiert auszuwählen. Sie lernen dabei, Informationen aus Lebensmittelkennzeichnungen zu erschliessen und das Angebot hinsichtlich unterschiedlicher Aspekte zu beurteilen.
  • Es wird dann die Kompetenz aufgebaut, die Produktion von Gütern und Dienstleistungen zu vergleichen und zu beurteilen. Schülerinnen und Schüler lernen dabei ökonomische, ökologische und soziale Überlegungen in der Bereitstellung von Dienstleistungen aus Sicht des Anbieters zu beschreiben und Interessens- und Zielkonflikte zu klären. Die Nachhaltigkeit gehört dabei zum verbindlichen Inhalt.
  • Auch setzen sich die Lernenden mit den Konsumfolgen auseinander. Sie lernen, ökonomische, ökologische oder soziale Folgen des Konsums aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.
  • Darüber hinaus bauen die Lernenden der Oberstufe die Kompetenz auf, kriterien- oder situationsorientierte Konsumentscheidungen zu finden. Die Schülerinnen und Schüler können Konsumangebote unter Berücksichtigung von Produktinformationen und weiteren Kriterien vergleichen.

Food Waste ist eine Verschwendung von wertvollen Ressourcen, ein unnötiger Energieverbrauch und er belastet das Entsorgungssystem. Es wird grosser Wert auf die Information der Bevölkerung zu den Umweltbelastungen bei der Produktion von Lebensmitteln und deren Entsorgung gelegt. 

Fazit des Regierungsrates:

Die Forderungen der Jugendsession sind ein wichtiger Input. Der Regierungsrat versucht auch, die Jugend vermehrt in die Konzeptarbeit einzubeziehen (z. B. in die Erarbeitung der Digitalisierungsstrategie). Mit der Unterstützung der Jugendsession hat der Regierungsrat ausserdem gezeigt, dass ihm der Einbezug der Jugendlichen wichtig ist.

Diese Berichterstattung soll aufzeigen, dass viele Anliegen bereits in der Umsetzung sind. Die einzelnen Departemente wurden nochmals bezüglich der vorliegenden Forderungen sensibilisiert. Sie sind auch aufgerufen, einzelne Massnahmen noch vertiefter zu prüfen, insbesondere, ob eine entsprechende Nachfrage tatsächlich besteht und ob eine nachhaltige Finanzierung sichergestellt werden kann.

Nächste Glarner Jugendsession: 14. Mai 2020