Jungbrunnen «Kultur»

Umrahmt von den Klängen der Kleinformation «Blächzend» unter Florian Landolt verlieh die Gemeinde Glarus Nord am Freitag, 30. Januar, in der Linth-Escher-Halle, Niederurnen, Anerkennungspreise an die verdienten Näfelser Georg Müller-Harder und Fridolin «Osterhazy» Hauser. Diese beiden prägen das kulturelle Leben des Dorfes und der Region seit einem halben Jahrhundert.



Jungbrunnen «Kultur»

Der eine ist ein Gärbibueb, der andere ein «Wydenhöfler» – «Osterhazy» und «Schorsch» wuchsen in knapp 100 Metern Luftdistanz im Zentrum von Näfels auf und gingen beide dort zur Primarschule. In der mit etwa 200 Gästen gefüllten Turnhalle kamen viele ihrer Leistungen noch einmal ins Gespräch. 

Neben den Gemeinsamkeiten – beide lebten und leben für die Kultur – waren die feinen Unterschiede, die das geneigte Auge festmachte, das Salz in dieser Suppe. Der eine trug ganz extrovertiert einen weissen Schal mit schwarzen Mustern, der andere einen gedeckten grauen Anzug mit blauer Krawatte. Der eine sprach scharfzüngig, der andere mit feinem Humor über den Brillenrand hinweg. Der eine hatte sich Dr. Hans Laupper, den ehemaligen Glarner Landesarchivar, als Laudator erkoren, der andere Bruno Glaus, Kunstkenner, Anwalt und Jäger. Der eine hatte Zeit seines Lebens von den Dorforiginalen die Sagen, Legenden und Geschichten gesammelt und veröffentlicht – und einen Scheffel davon dazuerfunden –, der andere hatte die Dorforiginale fotografisch porträtiert und später die Glarner Dramen als Festspiele auf die Bühnenbretter gebracht. Der eine war Lehrer und später Gemeindepräsident, der andere erfolgreicher Unternehmer. Der eine will mit dem Preisgeld einen Verein gründen, der sich um den Schmuck der Häuser am Fahrtsweg kümmert, der andere wird damit eine Monographie über den Lehrer, Eisenhändler, Richter und Regierungsrat Josef Müller-Landolt herausgeben. Bücher haben beide in zweistelliger Zahl herausgegeben und verfasst, in der Gemeindepolitik waren beide aktiv und auch jetzt noch, im fortgeschrittenen Alter, begleiten sie das, was in der Grossgemeinde entschieden wird, mit kritischem Blick. 

Citoyen als Aufgabe

Man könnte also sagen, sie sind zwei Männer, die dem Dorf Näfels als Citoyens viel gegeben haben. Georg Müller wies auf den Weitblick hin, den es dafür braucht, auf den Mut, aus den patriarchalisch-dynastischen Grenzen, aus den Bergflanken auszubrechen, seine Kardinaltugenden seien jene, die Kaspar Freuler im Palast darstellt: «Mässigung, Gerechtigkeit, Stärke und Weisheit.» Laudator Glaus zitierte Ursula Pia Jauch, um Müller zu charakterisieren: «In manchem Businessmenschen verbirgt sich ein Alchemist – geleitet von Leidenschaft.»

Fridolin Hauser lobte auch seine Gegner, die ihn vor manchem Blödsinn bewahrt hätten, und definierte Kultur – im Gegensatz zu Natur – als jenes, was Menschen kreieren, und Glück als das, was gerät, weil man es richtig gedacht hat. Sein Laudator Hans Laupper verwies auf die beiden Bischöfe, die Hauser zum Pontifikalamt nach Näfels brachte, auf seine vielen Näfelser Geschichte(n) und nannte ihn eine lebendige Legende, geboren am Tag der Näfelser Fahrt 1939. Unter Artikel 6 definiert die Schweizer Bundesverfassung Verantwortung individuell und gesellschaftlich so: «Jede Person nimmt Verantwortung für sich selber wahr und trägt nach ihren Kräften zur Bewältigung der Aufgaben in Staat und Gesellschaft bei.» Manchen mag das heute – in einer Zeit, wo schon Teenager mit ihren Psychiatrieaufenthalten angeben – als eine geradezu monströse Aufgabe erscheinen, für Osterhazy und Schorsch Müller dagegen ist es geradezu ein Jungbrunnen, sich einzumischen und immer wieder Neues über die lokalen und regionalen Gegebenheiten aus den Archiven ans Licht zu befördern. Das macht sie preiswürdig und das hat die Kulturkommission von Glarus Nord nun auch bestätigt.