Es kommt dazu, dass sich beide entschieden, die Früchte ihres umfangreichen, von sorgsamem Recherchieren und immensem Wortreichtum geprägten Schaffens in Buchform herauszugeben. Das Begegnen mit den jungen Autoren wurde auf Einladung der rührigen Gemeindestube unter Präsident Paul Aebli kürzlich im «Hänggiturm», Mühleareal Schwanden, Tatsache. Viele fanden sich ein, um den interessanten, weit gefassten Ausführungen zu lauschen und die Erkenntnis zu gewinnen, dass sich zwei noch jugendliche Kantonsbewohner mit spürbarer Hingabe und wahrer Leidenschaft ihren Themen gewidmet haben. Rhea Schiltknecht hatte sich mit «Femmi», einem glarnerischen Kinderschicksal während den Kriegswirren um 1799 und 1800, mit Hunger, Seuchen, Bettlerei, Besetzung durch russische und französische Truppen, Mord, Raub, Plünderungen, Kinderzügen und Handeln der politisch Massgebenden in sehr vertiefender Weise auseinandergesetzt. Alfonso Hophan hatte sich, nicht minder gründlich und leidenschaftlich forschend, in den Archiven umgesehen und sich mit Balthasar Hauser, der Reformation um 1526, der Pest, Glaubenskriegen, der Reisläuferei, der aufreibenden Arbeit der Bauernsame, Liebe und Wohlstand und Soldatenschicksalen auseinandergesetzt. Es entstanden zwei Romane. Einfühlsam, wortreich, zuweilen detailversessen, bildhaft stark wird geschildert. Rhea Schiltknecht schreibt ungemein einfühlend, ihrer Romanfigur Femmi, deren Brüder und Eltern stark verbunden, die damals herrschenden Kriegsgräuel und die ungemein grosse Hungersnot unter Kindern und Erwachsenen, die Ohnmacht der Politiker, die Hilfsbereitschaft anderer Kantone in ihrem Buch aufnehmend. Alfonso Hophans «Chronik des Balthasar Hauser» hat das Leben des Biltner Bauernjungen, dessen Heranwachsen, das fürchterliche Wüten der Pest, die Spaltung des Glarnerlandes als Folge der Reformation und zahlreiche Schicksalsschläge zum Inhalt, der gewiss auf Beachtung jener stossen wird, die an Geschichtlichem aus jener Zeit interessiert sind. In sehr meditativer, einfühlender Form wurden die Schilderungen von Paul Haag (Alphorn), Roland Schiltknecht (Hackbrett) und dem Perkussionisten Gabriel Schiltknecht in passende, spannende Zäsuren setzende Musik eingebettet.
«Femmi» von Rhea Schiltknecht
Die Autorin führte mit ihrem fiktiven Geschehen in die Zeit um Oktober 1799 zurück, wissend, dass damals ungefähr 50 000 Soldaten in unserem Bergtal hausten und die Bevölkerung terrorisierten. Es wurde geraubt, geplündert, gebrandschatzt. Wehe, wenn sich jemand diesem Treiben widersetzte! Der immense Hunger und die Perspektivlosigkeit führte unter anderem dazu, dass innerhalb von fünf Monaten 16 Kinderzüge mit vielen Hundert Jugendlichen die Heimat verliessen, um irgendwo unterzukommen und so am Leben bleiben zu können. Zur Entstehung habe sie, so Rhea Schiltknecht, auf den drei Ebenen Kind, Verwaltung und historische Quellen gearbeitet. Mit mehreren Textpassagen stellte sie die Hauptinhalte vor. So wurde über das Unheil in einer Nacht, die Ratlosigkeit im glarnerischen Rathaus, unheilbare Krankheiten, die Fahrt nach Zürich und den Empfang der Kinder, Angst, Tränen und Schrecken gar einfühlend berichtet. Dieses Gedankengut nahmen die exzellenten Musiker in ungemein reifer, beeindruckender Weise auf.
«Die Chronik des Balthasar Hauser» von Alfonso Hophan
Mit seinem historischen Roman führte der junge Schwandner durch Geschehnisse des Jahres 1526. Durch die geschichtlichen Fakten war der Inhalt des Romans bruchstückhaft vorgegeben. Der Buchautor zeigte auf, wie er alles ineinander verwoben und zur Ganzheit gefügt habe. Balthasar Hauser hat es nicht so gegeben, wie es im Roman aufgezeichnet ist. Als Autor habe er versucht, die damalige Geschichte durch die Augen des Balz, der Waise aus Bilten, zu sehen. Hophan ist nahe bei seinem Balz, so wachsen Mitmenschliches, Auswirkungen der Pest, Arbeit im elterlichen Bauernwesen, Gespräch mit Arzt und Pfarrer anlässlich des Krankenbesuchs bei der Mutter, der Ritt nach Glarus und die nachhaltigen Begegnungen mit Markttreiben, Reichtum, Wahrsagerei, Scharlatanen, Marktfahrern, Viehschau, Überfluss und das Treffen mit dem Söldnerveteranen zu einem vielschichtigen Ganzen, das durch überquellenden Wortreichtum, Eleganz und intensive, bildstarke Bezüge zum damaligen Geschehen besticht. Bedrohliches, Erdrückendes weckt Hophan genauso intensiv auf wie Schiltknecht.
Lesenswerter, historischer Stoff aus längst vergangenen Zeiten und doch immer wiederkehrend, ist entstanden und in interessanter Form präsentiert worden.
Reise durch die Zeit – Erzählnacht in Oberurnen




