Jungvogel gefunden – was tun?

Ein Jungvogel hat die besten Überlebenschancen, wenn er von den Altvögeln gefüttert und betreut wird. Eine goldene Regel lautet deshalb: Lassen Sie Jungvögel dort, wo sie sind! In den seltensten Fällen sind sie wirklich verlassen.



Ein kleiner Jungvogel
Ein kleiner Jungvogel

Die folgende Geschichte hat sich erst kürzlich in einer Grosstaler Gemeinde abgespielt:

Die neunjährige Julia und ihr Gspändli, der gleichaltrige Rolf, befinden sich auf dem Heimweg von der Schule. Eben haben sie noch mit ihrer Lehrerin im Fach „Mensch und Umwelt“ das Thema unserer heimischen Vögel behandelt. Als sie ein Stück des Weges gelaufen sind, sieht Rolf einen kleinen, vermeintlich alleingelassenen Jungvogel am Boden sitzen. Sogleich versucht der Junge, den armen, kleinen Vogel einzufangen, um ihn mit nach Hause zu nehmen. Julia aber hat in der Schulstunde besser aufgepasst und erinnert Rolf daran, was die Lehrerin gesagt hat: Jungvögel darf man auf keinen Fall nach Hause nehmen, sonst sterben sie mit Sicherheit. Auch wenn es gelingt, den Jungvogel grosszuziehen und auszuwildern, überlebt er den ersten Tag in Freiheit in der Regel nicht. Wir Menschen können den Jungvögeln nicht beibringen, was sie fressen können und wo sie die Nahrung finden. Auch nicht, vor welchen Gefahren sie sich in Acht nehmen müssen.

Nun hat Rolf eine gute Idee: Er setzt den Jungvogel ganz in der Nähe im Schatten eines Holunderbusches auf einen Feuerholzstapel. Dort ist der Vogel sicher vor Katzen und Hunden. Seine Eltern werden ihn dort finden und weiterfüttern, bis er für sich selber sorgen kann. Gesagt – getan. Rolf und Julia wollen es genau wissen und schauen noch eine Weile aus grösserer Distanz zu. Bald können sie feststellen, dass die Vogeleltern ihr Junges tatsächlich umsorgen.

Die beiden Kinder haben sehr vorbildlich gehandelt und so das Überleben des kleinen Tieres gesichert. Jungvögel darf man niemals mit nach Hause nehmen. Stattdessen sollte man sie möglichst nahe an der Fundstelle auf einen erhöhten Ort, wie eine Mauer oder den Ast eines Baumes setzen. Dieser Ort sollte vor direkter Sonneneinstrahlung und vor den Blicken von Katzen und Hunde geschützt sein. Bei Unsicherheiten können auch Mitgliedern des Glarner Natur- und Vogelschutzvereins oder ein Wildhüter angefragt werden.