Kanton Glarus startet Mammografie-Programm

Im Kanton Glarus erkranken jährlich rund 30 bis 35 Frauen an Brustkrebs. Mit einem neuen Früherkennungsprogramm setzt Glarus nun ein deutliches Zeichen für die Brustkrebsfrüherkennung: Künftig erhalten Frauen zwischen 50 und 74 Jahren automatisch alle zwei Jahre eine Einladung zur Mammografie, die von der Grundversicherung bezahlt wird.



Kanton Glarus startet Mammografie-Programm

Alle sechs Stunden stirbt in der Schweiz eine Frau an Brustkrebs. Im Kanton Glarus sind es 30 bis 35 Fälle pro Jahr – damit ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Erkrankungsrisiko. Wird die Krankheit früh erkannt, sind die Heilungschancen hoch. Um darüber aufzuklären, hat der Pink Cube am Samstag auf dem Rathausplatz Halt gemacht und kostenlos Informationen, persönliche Beratung durch Fachpersonen und Tastuntersuchungen der Brust angeboten.

Glarus führt Früherkennung ein

Ab dem 1. Januar 2027 bietet das Kantonsspital Glarus das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm an. Markus Heer, Vorsteher Departement Finanzen und Gesundheit, freut sich: «Das Programm bietet einen Mehrwert für die Glarnerinnen. Wir freuen uns sehr, dass es nun am 1. Januar soweit ist.» Bis jetzt mussten Frauen selber aktiv werden, wenn sie eine Vorsorgeuntersuchung wünschten. Der grosse Unterschied ist nun, dass Frauen automatisch alle zwei Jahre eine Einladung zur Vorsorgeuntersuchung erhalten, betont Heer: «Ab nächstem Jahr erhalten Frauen zwischen 50 und 74 ein Schreiben. So können sie ganz unkompliziert zur Mammografie am Kantonsspital Glarus gehen. Die Vorsorgeuntersuchung wird von der Grundversicherung getragen und geht nicht über die Franchise. Einzig der Selbstbehalt muss selber bezahlt werden, dabei handelt es sich um ein paar wenige Franken.»

Wichtigstes Instrument der Früherkennung

Die Mammografie ist die wichtigste Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs. Sie kann Veränderungen im Brustgewebe sichtbar machen, bevor ein Tumor tastbar wird oder Beschwerden verursacht. Dass die Mammografie vereinzelt immer noch negativ beurteilt wird, hat verschiedene Gründe, erklärt Ioannis Dedes, Chefarzt Frauenklinik am Kantonsspital Glarus: «Einerseits ist die Untersuchung unangenehm. Bei der Mammografie wird die Brust stark eingeklemmt, was nicht angenehm ist.» Die Männer, so Dedes weiter, hätten es einfacher: «Beim Prostatakrebs-Frühtest reicht eine Blutabnahme.»

Moderne Bildgebung statt «Kaffeesatzlesen»

Bei der Mammografie in früheren Jahren war es wie «Kaffeesatzlesen», führt Dedes fort: «Man war sich nicht sicher, ob da etwas ist oder nicht, und hat dann weitere Untersuchungen eingeleitet oder auch mal in die Brust gestochen.» Oft seien diese Biopsien unnötig gewesen, was für Verunsicherung bei Frauen sorgte.

Heute gibt es auch Vorsorge-Möglichkeiten, ohne die Brust «einzuquetschen». Es kann viel genauer festgestellt werden, was abklärungsbedürftig ist und was nicht. Da viele Brustkrebs-Varianten nicht sehr aggressiv seien, verpasse man mit dem 2-Jahres-Intervall nicht vermehrt Fälle, so Dedes. Anders zum Beispiel beim Eierstockkrebs: «Eine Vorsorgeuntersuchung bringt nichts, weil diese Krebsart sehr aggressiv ist und innerhalb kürzester Zeit entstehen kann. Deshalb macht ein Screening-Programm keinen Sinn», so Dedes.

Keine Frau verpassen

Susanne Thost, Lead «Pink Cube Test Your Breast», sagt: «Die Einführung des Mammografie-Screeningprogramms im Kanton Glarus schliesst eine Versorgungslücke und stärkt den gleichberechtigten Zugang zur Früherkennung. Wir freuen uns sehr über diesen Fortschritt. Jetzt kommt es darauf an, dass möglichst viele Frauen von dem neuen franchisebefreiten Brustkrebsvorsorgeangebot erfahren und es auch nutzen.» Ihr Ziel ist es, keine Frau zu verpassen.

Grosse Nachfrage im pinken Beratungszimmer

Im leuchtend pinken, mobilen Beratungszimmer auf dem Rathausplatz in Glarus haben am Samstag viele Frauen die Möglichkeit genutzt, sich über das neue Angebot zu informieren. Gynäkologinnen des Kantonsspitals Glarus führten auf Wunsch eine Tastuntersuchung der Brust durch und zeigten, wie die Brust selbst untersucht werden kann. Im 2025 haben bei der schweizweiten «Roadshow» des Pink Cube 600 Frauen und Männer eine Untersuchung gemacht, 33 davon waren suspekt. l