Kantonsspital Glarus geht aktiv gegen Kostendruck vor

Das Kantonsspital Glarus (KSGL) hat ein bewegtes Jahr hinter sich und stellt sich aktiv den grossen Herausforderungen, welche die gesamte Schweizer Spitallandschaft betreffen. Dazu zählen der allgemeine Trend zur Ambulantisierung, die steigenden Kosten bei Löhnen, Energie und Material sowie der unerwartete Rückgang der Fallzahlen in der Medizin und auf der Frauenklinik. Die Verantwortlichen haben im vergangenen Jahr frühzeitig die notwendigen Einsparungen bei Investitionen, Verbrauchsmaterialien und beim Personal eingeleitet, um dem Defizit von 6,5 Millionen Franken im Jahr 2023 entgegenzuwirken.



Kantonsspital Glarus geht aktiv gegen Kostendruck vor (zvg)
Kantonsspital Glarus geht aktiv gegen Kostendruck vor (zvg)

Das KSGL hatte im Geschäftsjähr 2023 eine mehrfach komplexe Ausgangslage zu meistern: Gestartet ist das Spital de facto mit einem strukturellen Defizit von 3,3 Millionen Franken, das nur dank Sondereffekten (Abgeltung von Sonderaufwänden im Nachgang zur Covid-Pandemie und Tarifnachzahlungen) im Vorjahr aufgefangen worden war. Zur Wiedererlangung der Marktfähigkeit beim Fachkräftemangel mussten die Löhne ans Lohnniveau im Umfeld angepasst werden. So entschied das KSGL, ab Geschäftsjahr 2023 zusätzlich 3,3 Millionen Franken für Löhne, Zulagen, Aus- und Weiterbildung aufzuwenden. Hinzu kamen zusätzliche Kosten in der Höhe von 2,2 Millionen Franken für die Teuerung (u.a. Energie, Material, Medikamente). 
Unerwartet und nicht planbar trat im 2. Quartal 2023 ausserdem ein überdurchschnittlicher Einbruch der Fallzahlen in der Medizin und auf der Frauenklinik ein. Diese Fallzahlen gingen bis zum Jahresende um 5,4 Prozent (255 stationäre Fälle) zurück, was einer Umsatzeinbusse von rund 2,5 Millionen Franken entspricht. In Pflegetagen handelt es sich um 10,9 Prozent. Allgemein nehmen die stationären zugunsten der ambulanten Behandlungen ab – dies ist ein Trend, der sich in der ganzen Schweiz feststellen lässt und der gesellschafts-politisch angestrebten Entwicklung von «ambulant vor stationär» entspricht. Die Taxpunktwerte nahmen demgegenüber um 10 Prozent zu. 
Das Jahresergebnis beläuft sich auf einen Verlust von 6,5 Millionen Franken. Das Spital ist trotz finanziellem Gegenwind nach wie vor solid kapitalisiert – die Eigenkapitalquote beträgt 76,1 Prozent und ist damit deutlich über dem Normwert der schweizweit angestrebten Eigenkapitalquote von 30 Prozent. 

Personelle Massnahmen unumgänglich 

Die Zahl der stationären Patientinnen und Patienten (Akutsomatik und Psychiatrie) belief sich im Jahr 2023 auf 4559 Fälle. Der Umsatz erreichte 96 Millionen Franken (Vorjahr: 100 Millionen Franken). Angesichts eines Defizits von 6,5 Millionen Franken haben die verantwortlichen Gremien frühzeitig die notwendigen Gegenmassnahmen ergriffen und ein konsequentes Effizienzsteigerungsprogramm eingeleitet. Aufgrund des Rückgangs der Pflegetage um 10,9 Prozent waren im Personalbereich trotz Stellenstopp personelle Einschnitte erforderlich. Insgesamt müssen 36 Vollzeitstellen (FTE) über das Jahr 2024 abgebaut werden. Davon können 24 über die normale Fluktuation aufgefangen werden, 12 FTE (rund 20 Mitarbeitende) mussten entlassen werden. Per Ende Jahr beschäftigte das KSGL 680 Mitarbeitende (484 Vollzeitstellen), was im Vergleich zu ähnlichen Spitalanbietern nach wie vor mehr Mitarbeitende im Verhältnis zur Leistung sind als im Durchschnitt. 

Zusatzkosten für Ausbildungsoffensive 

Trotz angespannter Finanzlage investiert das KSGL in eine systematische Ausbildungsinitiative mit fast 800 000 Franken Zuschüssen – vor allem zusammen mit dem Kanton als Alleinaktionär – im Bereich Pflege. 
Damit leistet das Spital nicht nur einen Beitrag für die eigenen Belange, sondern auch für den Kanton und dessen Gesundheitswesen. 

Rasch handeln – sorgfältig gesund werden 

Dr. Arnold Bachmann, Verwaltungsratspräsident des KSGL, ordnete die komplexe Situation an der Generalversammlung vom 6. Juni 2024 wie folgt ein: «Wir haben ein sehr anspruchsvolles Jahr hinter uns. Wir sahen uns einem – primär medial verstärkten – Gegenwind ausgesetzt, welcher der Reputation unseres nach wie vor auf hohem Niveau operierenden Spitals nicht sehr zuträglich war. Die Mitarbeitenden haben unter sehr anspruchsvollen Umständen jederzeit ihr Bestes gegeben und stehen grossmehrheitlich hinter den teilweise schmerzlichen Massnahmen, die wir treffen mussten. Für die kommenden Monate und Jahre brauchen wir Ruhe, einen klaren Kompass und das Vertrauen der Bevölkerung und Politik. Das Kantonsspital Glarus als Zentrumsspital für unseren kleinen Kanton muss sein Format noch agiler und rascher an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen und gleichzeitig neue Bedürfnisse aus der Bevölkerung abdecken können. Die grosse Kunst ist jene des gesunden Redimensionierens, ohne dabei zentrale Versorgungsaufgaben des KSGL zu tangieren beziehungsweise die Sicherheit und Qualität jederzeit auf höchstem Niveau zu halten.» 

Ergebnisoffene Diskussion notwendig 

Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung überprüfen im Hinblick auf die nächste Spitalplanungsperiode 2026 das medizinische Leistungsangebot und die Gemeinwirtschaftlichen Leistungen. Auch sollen noch stärker Kooperationen zwischen Spitälern und privaten Anbietern regional und überregional etabliert werden, um daraus resultierende Synergien für alle Akteure nutzbar zu machen. Ebenso wird die interne Optimierung fortgesetzt. 

Geschäftsleitung neu zusammengesetzt 

Die Geschäftsleitung kann auf neue Expertinnen und Experten zählen. So ist im Herbst 2023 Dr. Urs Derungs als Chefarzt Chirurgische Klinik und Departementsleiter Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, zum Gremium dazugestossen. In den ersten vier Monaten 2024 sind Angela Gustin als Departementsleiterin Pflege und Therapien sowie Marietta Werder als COO, Departementsleiterin Medizinische Dienste, gestartet. Der langjährige CFO Thomas Kühnis hat das KSGL Anfang 2024 verlassen, er wird durch Andreas Mika als CFO ad interim vertreten, bis Stefanie Schmucki als neu gewählte Leiterin Finanzen im September 2024 ihre Stelle antreten wird. 

Geschäftsbericht 2023 digital verfügbar 

Der Geschäftsbericht des KSGL 2023 ist in digitaler Form erhältlich. Er enthält die wichtigsten Kennzahlen und beleuchtet die Schlüsselmomente im vergangenen Geschäftsjahr: www.ksgl.ch/publikationen 

Kantonsspital Glarus 

Das Kantonsspital Glarus bietet als Drehscheibe der Gesundheitsversorgung seit mehr als 130 Jahren medizinische Kompetenz für die Bevölkerung des Kantons Glarus und der angrenzenden Regionen. Es zeichnet sich durch ausgewiesene Fachpersonen, ein aussergewöhnlich breites medizinisches Angebot sowie modernste Technologie und Infrastruktur aus. Mehr als 600 Mitarbeitende aus 20 Berufen setzen sich tagtäglich rund um die Uhr für das Wohl der Patientinnen und Patienten ein.