Katastrophen – immer trifft es die Ärmsten

Der Glarner Seniorenverband – Präsident ist der Schwändner alt Regierungsrat Kaspar Zimmermann – machte seine mehr als dreihundert Mitglieder unlängst auf ein Referat aufmerksam, das mannigfache grosse Katastrophen, deren Auswirkungen und Folgen mit Wiederaufbau und Finanzierung betraf. Versiert argumentierender Fachmann war der Stadtglarner Dr. Kurt Rhyner, Gründer des Hilfswerks „grupo sofonias“. Mit vielen Fachleuten und dem Beizug der Betroffenen wird wertvolle und qualitativ hochwertige Aufbauarbeit geleistet, die eigentlich zu wenig bekannt ist, hin und wieder auch nicht ausreichend genug unterstützt wird.



Trotz des herrlich warmen frühsommerlichen Tages war das Interesse erfreulich gross. Der Chilcheträff im UG des Gesellschaftshauses Ennenda erwies sich als idealer, zentral gelegener Treff. Kurt Rhyner, selber enorm rüstiger AHV-Bezüger, aber zumeist an einem der vielen Einsatzorte wie Guatemala, Salvador, Nicaragua, Kuba, Haiti, Tadschikistan oder auf den Philippinen weilend, hat nach der Ausbildung zum Hochbauzeichner Architektur studiert. Im Jahre 1976 reiste er für das Hilfswerk Caritas nach Guatemala. Seither sind die Staaten in Mittelamerika zu Orten geworden, die er und seine vielen Fachkräfte bestens kennen und im Auftrag grosser Hilfswerke wertvolle Wiederaufbauarbeiten für und mit jenen leisten, die von Erdbeben, Wirbelstürmen, Tsunamis betroffen worden sind. Kurt Rhyner hat über alle Jahre hinweg zumeist im Stillen, im Hintergrund gewirkt, in zäher und beharrlicher Kleinarbeit Fachleute wie Ingenieure. Maurer, Baumeister und andere Kleinhandwerker ausgebildet. Den Kreis der fachlich hervorragend Mithelfenden, Planenden und Beratenden hat sich kontinuierlich vergrössert. Heute sind diese Fachkräfte vor Ort tätig. Die Mitarbeitenden von sofonias sind mit weiteren Organisationen, die sie zum Teil selber aufgebaut haben, hervorragend vernetzt. Bei der Herstellung von Ziegeln oder Betonplatten, dem Einbezug einheimischer Ressourcen (Hölzer, Stroh, Bambus, Sand, Lehm) werden Betroffene für den Wiederaufbau sensibilisiert und in die Arbeitsprozesse eingespannt. So entstehen zuweilen auch Arbeits- und Ausbildungsplätze, die eine enorm sinnbringende, willkommene Tagesstruktur darstellen.

Kurt Rhyner sprach offen über Misserfolge, den zuweilen erforderlichen Abbruch von Arbeiten, hin und wieder feststellbare Bestechlichkeiten, das Fehlen von Bauland oder falsche Planung. Er zeigte auf, wie es zu eigentlich vermeidbaren Katastrophen kommen kann, wie beeinträchtigend permanente Armut ist, wie bei Wiederaufbauarbeiten zuweilen unverständliche Begehrlichkeiten wachsen. Er stellt mit seinen Leuten zuweilen fest, dass ganz falsch gebaut worden ist, dass einförmig erstellte Grosssiedlungen dem Wunsch nach persönlich gestaltetem Wohnraum zuwider laufen. Mit einer originellen Planung – am Beispiel variierender Bedachungen – kann der Einförmigkeit begegnet werden.

Rhyner zeigte auf, wie die kleintechnologische Produktion von Baumaterial (Lehmziegel, Fundamente, Stütz- und Abdeckplatten) läuft. Im Verlaufe dieser Jahrzehnte umfassenden Erfahrungen und Prozesse sind ungefähr 650 Werkstätten entstanden. Heute sind die Qualitätsprodukte breit anerkannt. Sofonias gibt gewonnene Erfahrungen bereitwillig weiter, vermittelt Kurse, leitet Lernwillige an. Was im Verlaufe dieser Aufbauarbeit alles erlebt worden ist, was sich positiv ausgewirkt hat, wo Berge von Fragen gewachsen sind – die Verantwortlichen haben ab Planung, Vorabklärung bis zum Einsatz vor Ort gar vieles zu bewältigen. Kurt Rhyner zeigte das am Beispiel der Trockenklos, an absolut falschem, untauglichem Baumaterial, fehlendem Bauland, schlecht koordiniertem Einsatz von Geldmitteln und anderem auf. Oft habe man mit der eigenen Produktion samt Aufbau begonnen, während Hilfslieferungen aus dem Ausland noch unterwegs gewesen seien.

Dass Glarner nachhaltig mittragen, Lehrstellen sichern, mitfinanzieren, Ausbildungsformen unterstützen, stiess auf viel Anteilnahme. Das schweizerische Bildungsmodell mit der Arbeit am Ausbildungsplatz und dem Besuch der Berufsschule hat sich bestens bewährt, ist auch von vielen übernommen worden.

Kurt Rhyner hat mit seiner Organisation zwischen 1998 und 2009 vier internationale Konferenzen organisiert, aber von dieser aufwendigen Arbeit wieder Abstand genommen. Aktuell bestehen mit sofonias drei Institutionen mit gleichwertigen Zielsetzungen. Sie sind riesig gut vernetzt. Seit 30 Jahren wird eine erwiesenermassen hervorragende Arbeit geleistet. Vieles geschieht im Kleinen, erregt kaum Aufsehen und ist gerade deshalb zielführend und erfolgreich. Kurt Rhyner denkt, dass es gut und gerne nochmals Jahrzehnte so weitergehen kann, die geschaffenen Grundlagen sind solide.

Erfreulich zahlreich waren die Fragen, die es zu beantworten galt. Dann wies Kaspar Zimmermann – nach seinem herzlichen Dank an den Referenten und das für die Organisation zuständige Vorstandsmitglied – auf Kommendes hin. Da handelt es sich um eine Wanderung im Gebiet von Tufertschwil, um eine Exkursion an den Bodensee samt Besuch des Zeppelinmuseums in Friedrichshafen und einen gemeinsamen Tag mit dem bündnerischen Seniorenverband, dies im August, auf Empächli.