Kirche Ennenda und Bach – gar kostbare musikalische Geschenke

Es war keinesfalls ein Wagnis, das die veranstaltende Kulturgesellschaft Glarus für das Gastspiel der Blockflötistin Dorothee Oberlinger und dem Lautisten Edin Karamazov einging, als die reformierte Kirche Ennenda für die Interpretationen Bach`scher Kompositionen als Aufführungsort ausgewählt wurde.




Der Kirchenraum verfügt über eine Akustik, deren Ausgewogenheit oft zum Staunen Anlass gibt. Die Verpflichtung der Blockflötistin Dorothee Oberlinger und des Lautisten Edin Karamazov darf mit Fug und Recht als einzigartiger Glücksfall bezeichnet werden.

Nach der Begrüssung durch Martin Zimmermann, Verantwortlicher des Bereichs Konzerte, klang eine Fülle an packendem, kenntnisreichem und hingebungsvollem Gestalten auf, die riesig bewegend war. Dorothee Oberlinger und Edin Karamazov sind exzellente Instrumentalisten, die scheinbar mühelos Forderndstes meistern, mit Hingabe und einer Spielfertigkeit, die hohe Anteilnahme und restlose Anerkennung zu wecken vermögen. Sie gestalten Spannungsbogen, mit einer Leichtigkeit und Eleganz, die eine Überfülle an Gefühlen auszulösen vermögen. Die gegenseitige Abgestimmtheit und die reife Spielkultur sind von packender Schönheit, beinhalten einen Verwöhnfaktor auf höchster Stufe.

Der Reichtum des Interpretierens ist kaum erfassbar. Die Eleganz der Blockflötistin und die ebenso virtuose Begleitung des Lautisten waren von immenser Hingabe geprägt. Zuweilen kam alles so leichtfüssig, wirblig, dann wieder verträumt, kurz verharrend, beschwörend, hingebungsvoll sehnend einher. Man sass staunend da, von diesem immensen Reichtum mitgetragen, bewunderte Spielkunst und kunstreiche Leidenschaft des Ausgestaltens gleichermassen – über eine lange, beglückende Zeitspanne hinweg.

Zur Konzertfülle gehörten die Suite d-Moll für Blockflöte und Basso continuo, BWV 997; die Suite Nr. 1 für Laute solo (original: Violoncello) BWV 1007, die Sonate g-Moll für Blockflöte und Bc BWV 1034, später die Partita c-Moll für Blockflöte solo BWV 1013 und zwei Sonaten. Im Programm war unter anderem angemerkt, dass Bach nie eine Blockflötensonate auskomponiert habe; dieses Instrument habe einen eigen- und einzigartigen Rang inne.

Virtuoses, Inniges, Tanz, Träumerei, Besinnliches, Innehalten, Sehnsucht, überbordende Freude, befreiende Leichtigkeit und Frohmut klangen in klug gewählten Stimmungen auf. Vieles war riesig festlich, majestätisch, enorm leidenschaftlich. Die Kunst des Blockflötenspiels und die kenntnisreichen Intentionen des Lautisten wurden auf eine Weise hörbar, die berechtigt grossen Applaus auslöste.

Es war ein willkommenes, erfreulich stark besuchtes Begegnen im Kirchenraum, der von warmem Kerzenlicht erfüllt war. Es war ein beglückender Reichtum an meisterlich ausgestalteten Stimmungen.