Kirchlich Herausforderndes in Ennenda

In der ersten Märzhälfte wurde in der Presse auf den beinahe kollektiven Rücktritt des Kirchenrates Ennenda mit Präsidentin Cornelia Deuber hingewiesen. Ein Mitglied blieb im Amt. Das liess aufhorchen. Eine ganze Reihe von Fakten machte die Runde. Es wurde auf die Intervention des Kantonalen Kirchenrates und dessen Informationen hingewiesen.



Da war beispielsweise von «unüberbrückbaren Differenzen im Rat», «persönlichen Spannungen» und «theologisch – geistlichen Differenzen» die Rede. Der Rat war nicht mehr beschlussfähig. Der Kantonale Kirchenrat musste reagieren. Er setzte mit Bernhard Neyer aus Stäfa einen Sachwalter ein.

Es folgte am 19. März, also sieben Tage nach der ersten Zeitungsmeldung – eine vom Kirchenrat verfasste Stellungnahme, die eine gewisse Korrektur der ersten Meldung war. Es war nachzulesen, dass nicht die Beschäftigung mit Naturreligionen, wie ihn Ratsmitglieder zu pflegen schienen, der eigentliche Grund der tiefgreifenden Auseinandersetzungen gewesen sei. Weit belastender seien über zwei Amtsjahre hinweg die Vielzahl von «Baustellen und Altlasten aus der Vorzeit» ins Gewicht gefallen. Immer wieder seien «grosse Aufgaben in Zusammenhang mit den Liegenschaften, den Finanzen, der Webseite und dem Personal» anzupacken und zu bewältigen gewesen. Verständlich, dass sich die Anforderungen kumulierten und von einigen Ratsmitgliedern nicht mehr bewältigt werden konnten.

Die Inhalte dieser Meldung sind nicht bekannt gegeben worden. Nach Ansicht des Schreibenden wären wohl zu viele Details an die Öffentlichkeit gelangt. Es stellt sich zusätzlich die berechtigte Frage, weshalb der Rat nicht vor diesem Eklat professionelle Hilfe geholt hat; zumal in der gleichen Meldung folgender Zusatz steht: «Das Fass zum Überlaufen gab dann jedoch eine Spannung zum noch verbleibenden Ratsmitglied. Mehrere Klärungsversuche haben leider nichts gefruchtet.»

Dies wurde durch den Kantonalen Kirchenrat in einem zweiseitigen Schreiben, an die Mitglieder der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Ennenda, bestätigt. Dass der Rat mit der Summe all dieser Probleme überlastet, zu stark gefordert war, ist gewiss nachvollziehbar.

Der SachwalterBernhard Neyer, in Stäfa wohnhaft, Diakon und seit zwei Jahrzehnten Kirchgemeindeschreiber, ist durch den Kantonalen Kirchenrat eingesetzt worden. Er tritt ein forderndes Amt an. Unter anderem geht es ihm darum, sich mit unserer Kirchgemeinde vertraut zu machen, einen möglichst positiven Lösungsprozess einzuschlagen und – wie er schreibt – «baldmöglichste geeignete und passende Personen zu finden, welche bereit sind, ein Behördenamt zu übernehmen.» Er will mit solchen Leuten in Kontakt treten, muntert aber auch Interessierte auf, mit ihm direkt in Verbindung zu treten. Erreichbar ist er unter «[email protected]». Er wird während seines Einsatzes Dossiers studieren und bereinigen, Grundlagen fürs zukünftige Wirken des Rates zu schaffen, das ordnen und klären, was notwendig ist und sich für das Bilden eines neu zusammengesetzten Rates stark machen.

Mit einem zweiten Schreiben vom 14. Mai, wieder an die Mitglieder der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Ennenda gerichtet, wird unter anderem auf eine Infoveranstaltung für Personen hingewiesen, die sich für das Amt eines Kirchenrätin oder eines Kirchenrats interessieren. Dieser Anlass ist auf den 24. Juni terminiert. Hingewiesen wird zudem auf den Rücktritt von Ruedi Luchsinger, dem letzten noch im Amte stehenden Kirchenrat. Somit ist eine Gesamterneuerung des Rates erforderlich. Die Kirchgemeindeversammlung vom 21. Juni findet nicht statt, sie ist auf die Monate nach den Sommerferien verschoben.

Vom Pfingstsonntag an sind wieder ordentliche Gottesdienste unter Einhaltung bekannter Regeln möglich. Entsprechend informiert wird in der Presse und im Internet auf der Homepage www.ennenda-ref.ch.

Ob und in welchem Umfang Interessierte zusätzlich informiert werden, hängt von Fragestellungen und den Auskünften des Sachwalters ab, der sich stark Forderndem, viele Belastendem zu stellen hat und zur Kontaktnahme einlädt.

Kommentar

In den Orientierungen vom 18. März und dem 14. Mai dieses Jahres ist von «Baustellen», «Ausnahmezustand», «Ära-Wechsel», nicht dokumentierten, unklaren Sachlagen und Vertragsverhältnissen», «Übermass an Recherchen» die Rede, ohne dass auf substanzielle Details eingegangen wird. Das führt unweigerlich zu vielen Fragen, die einer Beantwortung bedürfen. Einen derartigen Prozess zu meistern, erfordert hohes Fingerspitzengefühl, gründliche Kenntnisse der Sachlagen und zwischenmenschliches Verständnis.
Bernhard Neyer ist bemüht, dem gerecht zu werden und mitzuhelfen, dass sich alles wieder «einrenkt» – in einer hoffentlich absehbaren Zeitspanne. Derartige Unruhen, wie sie gegenwärtig herrschen, sind ungut. Es ist sehr zu hoffen, dass sich endgültige Änderungen zum Guten, zu konstruktivem Denken und Handeln ergeben.