«Klezmeria», Freulerpalast und riesig Beseeltes

Die Matineen im Freulerpalast Näfels geniessen einen ständig wachsenden Beachtungsgrad. Stets ist der Rittersaal voll besetzt; es hat sich herumgesprochen, dass eine Reservation Sinn macht, wenn Musikfreunde Ungewohntes anhören und damit verschiedenste Interpretinnen und Interpreten über eine ganz besondere Konzertstunde vor dem jeweiligen Sonntagmittag kennenlernen und beim anschliessenden Apéro samt regem Gedankenaustausch verweilen wollen.



Die Interpretierenden Stefanie Mirwald, Akkordeon; Damien Bachmann, Klarinette und Lars Olaf Schaper, Kontrabass (Bilder: Peter Meier)
Die Interpretierenden Stefanie Mirwald, Akkordeon; Damien Bachmann, Klarinette und Lars Olaf Schaper, Kontrabass (Bilder: Peter Meier)

Wie gewohnt begrüsste Daniel Zbinden, mit seiner Gattin Vilma organisiert er den jeweiligen Anlass. Pro Kalenderjahr wird viermal eingeladen. Zu danken galt es allen, die finanziell mittragen, damit beim Realisieren der stets eine Stunde umfassenden Kostbarkeiten wesentlich unterstützen. Ein Dank ging selbstverständlich auch an die vielen Besucherinnen und Besucher. Rund 30 Personen erhielten eine Absage, da der Saal laut Ansage rasch ausgebucht war.

Mit «Klezmeria» – dem Titel des Begegnens – war Unbekanntes verbunden. Verdeutlicht wurde dies mit dem Hinweis aufs «Eintauchen in die Welt der jüdischen Volksmusik Osteuropas». Die Interpretierenden Stefanie Mirwald, Akkordeon; Damien Bachmann, Klarinette und Lars Olaf Schaper, Kontrabass; brachten Unbekanntes in erfrischendster und kunstvoller Art näher, riesig gefühlvoll, mit hohem Einfühlungsvermögen, spürbarer Leidenschaft und einer Spielfertigkeit, die enorme Anteilnahme weckte. Ein Programm war für einmal nicht notwendig, Komponisten und wesentliche Inhalte wurden in aller Kürze erwähnt.

Es klangen Leidenschaftliches, Sehnen, Träumereien, Verliebtheiten, Schabernack, zuweilen leichter Groll, ein klein wenig Ablehnung, Beschwörungen, Ungeduld, Traurigkeit, Lust nach Zweisamkeit in derart rasantem Wechsel auf, dass sich unter den gebannt Zuhörenden unweigerlich Staunen und Anteilnahme breit machten. Das Akkordeon diente zueilen als Geräuschkulisse, brachte Ungeduld und Tanz an; die Klarinette wurde zum Jauchzen, Trillern, ungestümen Enteilen, war wirblige, virtuose Solistin, dann wieder Begleiterin; kunstvoll, variantenstark und hoch präsent agierte der Bassist.

Und alle genossen spürbar mit, waren faszinierende, packende Einheit, teilten eine Vielzahl an Gefühlen und Leidenschaften mit. Das Publikum nahm das spürbar gerne auf, liess sich in höchstem Masse verwöhnen, dankte mit verdient langem, herzlichem Applaus. Es war ein farbiges, an Inhalten kaum überbietbares Geschenk. Es war eine Welt, die allen guttat. Man verweilte gerne.

Ein kleiner Wermutstropfen schlich sich dennoch ein – diese musikalische Fülle war einfach zu schnell vorbei!