Kolumne: Guetzlizeit

Duftet es bei Ihnen zu Hause schon herrlich nach Guetzli? Adventszeit ist ja auch Guetzlizeit. Es gibt sogar spezielle Persönlichkeitstests dazu.



Mailänderli sind einfach herzustellen und zählen zu den beliebtesten Weihnachtsguetzli der Schweiz – mit und ohne Zuckerguss. (Bild: mb)
Mailänderli sind einfach herzustellen und zählen zu den beliebtesten Weihnachtsguetzli der Schweiz – mit und ohne Zuckerguss. (Bild: mb)

«Welches Weihnachtsguetzli bist du? Mach den Test!» Wie bitte? Mit Verlaub, ich bin doch kein Guetzli. Aber irgendwie reizt mich der Titel auf «20 Minuten online» schon. Trotz der komischen Fragestellung.

Besser formuliert ist dann der nachfolgende Text: «Es ist Guetzlizeit! Aber welches dieser süssen Highlights passt eigentlich am besten zu deiner Persönlichkeit? Finde es mit unserem Test heraus.»

Ich klicke mich also durch die Umfrage und beantworte Fragen, die ich so ganz und gar nicht mit Guetzli oder mir in Verbindung bringen kann. Ich bin einfach nur gespannt auf die Auswertung. Und siehe da, die verblüfft mich. Da steht nämlich: «Du bist unkompliziert, beständig und magst es, wenn alles seinen gewohnten Gang geht. Traditionen sind dir wichtig, und du weisst die kleinen Freuden des Lebens zu schätzen. Wie ein Mailänderli strahlst du durch deine Vertrautheit, die nie aus der Mode kommt. Manchmal gönnst du dir aber auch etwas Aussergewöhnlicheres – zum Beispiel ein Mailänderli mit buntem Zuckerguss.»

Puah, das hätte ich nicht gedacht. Mailänderli gehören tatsächlich zu meinen Lieblingsweihnachtsguetzli. Und zwar schon immer. Da bin ich notabene nicht alleine: Mailänderli zählen traditionell zu den beliebtesten Weihnachtsguetzli der Schweiz. Sehr beliebt sind auch Spitzbuben, Zimtsterne und Brunsli. Als Klassiker gelten zudem Vanillekipferl und Anis-Chräbeli.

In den Guetzlibüchsen ist an Weihnachten also Tradition angesagt. Denn gemäss dem Schweizerischen Idiotikon – dem Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache – ist die Bezeichnung «Mailänderli» bei uns seit bald 300 Jahren bekannt: «Unter dem Namen Gateau de Milan erscheinen die ersten Mailänderlirezepte im 18. Jahrhundert in Berner und Basler Kochbüchern. (…) Ob die Namensgebung etwas mit der Herkunft des Gebäcks zu tun hat, ist ungewiss», steht da geschrieben.

Ob aus Mailand oder nicht: Die Guetzli schmecken hervorragend. Und sie stehen bestimmt auch dieses Jahr bei den meisten auf dem weihnächtlich gedeckten Tisch. Bei uns natürlich auch.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Advents- und Guetzlizeit!