Kolumne: Wenn jemand eine Reise tut ...

Es könnten sehr schöne Ferien am Meer sein. Wenn es da nicht ein paar Unwägbarkeiten gäbe.

 



Kolumne: Wenn jemand eine Reise tut ...

Wir buchen auch dieses Jahr eine Woche Ferien im herrlichen Ägypten. Im gewohnten Hotel in Marsa Alam. Doch diesmal haben es die Ferien in sich. Es beginnt schon mit dem Online Check-in, welches zunächst nicht funktioniert. «Wir haben eine technische Störung», sagt die Dame in der Hotline, «versuchen Sie es später wieder. Ich kann Ihnen nicht helfen.» Super! Doch zum Glück funktioniert es irgendwann, ausdrucken kann ich allerdings nichts. So lade ich mir die Boardingpässe aufs Handy. Geht auch so. Obwohl ich der Generation angehöre, die lieber einen ausgedruckten Beleg mit sich führt.

Anderntags in Kloten müssen wir nur noch die Koffer aufgeben. Selber, wird verlangt. Doch funktionieren die neuen Automaten nicht, so dass trotzdem alle zu den Schaltern gehen müssen. Anschliessend klappt dann alles reibungslos. Im Edelweiss-Flieger bekomme ich sogar einen Prosecco, organisiert von einer Glarner Flight Attendant. Danke, Gabi!

In Marsa Alam angekommen, wartet ein knapp zweistündiger Transfer auf uns, weil unser Hotel ganz im Süden Richtung Sudan liegt. Eigentlich sollte es aufgehen mit dem Abendessen. Wir bedenken allerdings nicht, dass unser Fahrer wegen dem Ramadan eine knapp halbstündige Pause einlegt, um sich zu verpflegen. Er durfte ja den ganzen Tag nichts essen und hat nun Hunger. Wir warten zu viert im Kleinbus und werden langsam leicht kribbelig. Tatsächlich müssen wir im Hotel noch vor dem Einchecken sofort ins Restaurant und uns innert einer halben Stunde verpflegen. Doch immerhin können wir noch etwas essen.

Ich bin müde und will eigentlich nur noch ins Bett. Aber irgendwie fabriziere ich einen kapitalen Treppensturz, der zu einer tiefen, stark blutenden Wunde an der Wange führt. «Du musst zum Arzt», meint mein Mann. Nachts um halb elf in Ägypten! Nein danke. Ich will nur noch schlafen. Desinfizieren, Pflaster drauf, Schmerzmittel nehmen. Der Arzt kann es auch morgen noch anschauen.

Am andern Tag um 14 Uhr ist der Doktor in der Hotelklinik. Er bietet mir zwei Möglichkeiten an: Steristrips, bei denen allerdings eine Narbe zurückbleibe, oder die Wunde mit drei Stichen nähen (ohne Narbe). Das mit der Narbe glaube ich ihm nicht. Was mich aber fast umhaut, sind die Preise: Drei Stiche kosten 600 Euro, die Behandlung mit Steristrips 285 Euro! Beides Wucher! Ich entscheide mich für die günstigere Variante und bekomme nebst den Steristrips noch ein Antibiotikum und ein antibakterielles Medikament dazu.

Laut Arzt muss ich zwei Tage später abends um halb zehn nochmals zu ihm in die Hotelklinik kommen. Ist ja eine Superzeit! Aber ich gehorche – und es haut mich wieder fast um. Sie sind nun zu zweit, wollen die Wunde nochmals anschauen, verlangen dafür aber nochmals 110 Euro! Ich lehne ab und will nur noch die Papiere für meine Krankenkasse. Unglaublich, diese Abzocke von uns Touristen!

Ein Arzt gibt mir noch einen Fragebogen zum Ausfüllen. Die erste Frage lautet, ob man die Klinik weiterempfehlen würde. Bei einer Skala von 1 (nein) bis 10 (ja) gebe ich eine 2. Der Doktor erschrickt. Ich sage ihm, er selber sei absolut professionell und gut gewesen. Aber die Preise seien jenseits von allem! Sogar teurer als in der Schweiz!

Die letzte Unwägbarkeit ist der Angriff von Israel und den USA auf den Iran. Zunächst denke ich, dass uns dies nicht betrifft, wir sind ja auf der anderen Seite des Roten Meeres. Dann kommt allerdings eine Reisewarnung vom EDA: Es könne nun auch in Ägypten zu Einschränkungen im Luftverkehr kommen: Schliessung des Luftraums, verspätete oder annullierte Flüge usw. Na super! Im Hotel fühle ich mich zwar sicher, aber für den Heimflug in die Schweiz gibt es plötzlich Fragezeichen. Doch wenigstens da haben wir Glück. Der Edelweiss-Flieger bringt uns sicher zurück nach Kloten.

Irgendwie war es eine getrübte Reise mit dem verkorksten Web-Check-in, meinem Sturz am ersten Abend, den Wucher-Ärzten und dem Nahostkrieg, der zu Unsicherheiten im Luftraum führte. Klar war es auch diesmal wunderschön in der herrlichen Hotelanlage, am Meer und mit den Ägyptern, von denen wir einige schon ziemlich gut kennen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich nochmals so weit fliegen werde. Wenn die Weltlage instabil ist wie jetzt zusätzlich mit dem neuen Nahostkrieg, wird plötzlich vieles in Frage gestellt. Es gibt ja immer noch Schweizerinnen und Schweizer, die im Kriegsgebiet gestrandet sind und auf einen Rückflug warten. Schlimm! Ferien in der Schweiz oder in Europa, wo man im Krisenfall auf dem Landweg heimreisen kann, stehen bei mir momentan eher an erster Stelle ...