Wir sitzen wieder einmal in einer gemütlichen Runde und tauschen uns aus. Bald einmal kommt das Gespräch auf die Betreuung von Enkelkindern. Auslöser sind Zahlen, die das Bundesamt für Statistik kürzlich veröffentlicht hat: In der Schweiz leisten Grosseltern jährlich etwa 157 Millionen Betreuungsstunden, was einem ökonomischen Wert von rund 8 Milliarden Franken entspricht. Damit liegt unser Land in Europa an der Spitze.
«Was täte unsere Gesellschaft ohne die Grosseltern?», sagt eine Frau in der Runde. Und ein Grossvater gerät gleich ins Schwärmen: «Die Betreuung unserer Enkelkinder bereichert mein Leben unglaublich. Es ist Entspannung pur. Ich bin so gerne mit den Kindern zusammen. Meistens ist es lustig und fröhlich. Ich habe auch das Gefühl, geschätzt zu sein, spüre die Liebe, welche die Kinder uns entgegenbringen. Es kommt alles zurück. Sie begleiten zu dürfen, ist einmalig. Am liebsten sähe ich sie jeden Tag.» Seine Frau relativiert derweil ein bisschen: «Auch ich geniesse die Zeit, wenn wir beisammen sind. Aber es ist auch streng. Jeden Tag Betreuung wäre mir zu viel.»
Es geht dabei ja um weit mehr als nur um Beaufsichtigung. Grosseltern schenken den Enkelkindern Zeit, Nähe und Sicherheit. So kann ein generationenübergreifendes Band voller Vertrauen und Geborgenheit entstehen. Und es ist eine Win-win-Situation: Während die Eltern entlastet werden, gewinnen Grosseltern an Lebendigkeit und Lebensfreude. Studien zeigen sogar, dass Grosseltern, die aktiv Zeit mit ihren Enkeln verbringen, im Schnitt länger leben. Laut einer chinesischen Studie soll bei ihnen auch das Demenzrisiko signifikant sinken.
Entscheidend sei jedoch, eine gesunde Balance zu finden: Qualität vor Quantität. Denn ein zu intensiver Betreuungsaufwand könne ältere Menschen psychisch und physisch überfordern und sogar depressiv machen.
Wichtig seien auch klare Absprachen mit den Eltern. Denn unterschiedliche Ansichten über Regeln, Ernährung oder Mediennutzung könnten schnell zu Spannungen führen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Betreuungszeit ungemein bereichernd ist. Unsere Enkelinnen geben uns so viel. Die Tage mit ihnen sind zwar dermassen intensiv und abwechslungsreich, dass ich am Abend jeweils sehr müde bin. Aber es ist eine wohlige Müdigkeit, die ich nicht missen möchte. Und da die Einsätze beschränkt sind, führen sie auch nicht zu Überlastung.
Letzteres ist wohl auch das Erfolgsrezept. Moderate, liebevolle Betreuung stärkt mehrere Generationen, zu hohe Belastung führt zu Stress und Konflikten. Diesbezüglich ist sich die Runde einig. Eine Frau meint zudem, sie wolle die Zeit der Pensionierung nun unbelastet geniessen und nicht wieder eingespannt sein fürs Kinderhüten. Auch diese Haltung ist selbstverständlich legitim.
Ich aber freue mich, wenn dann die Enkelinnen nach den Ferien wieder hier sind und wir wieder Zeit mit ihnen verbringen dürfen. Im Moment sind die Tage nämlich sehr ruhig. Zu ruhig. Schön, wenn das hoffentlich bald ändert!




