Der Zufall will es, dass ich nach dem Jahreswechsel gleich zweimal auf den Begriff «Zuversicht» stosse. Oder ist es gar kein Zufall? Es geht zum einen um einen Fernsehfilm und zum andern um einen Newsletter des deutschen Benediktinerpaters Anselm Grün. Beide befassen sich mit dem Neubeginn im noch jungen Jahr, mit Zuversicht, Vertrauen und Hoffnung.
In mir regt sich Widerstand: Wie kann man heute angesichts von Kriegen, Katastrophen, Klimawandel und anderen globalen Herausforderungen zuversichtlich sein? Die unvorstellbare Brandkatastrophe von Crans-Montana liegt noch nicht lange zurück. 40 Menschen starben, 116 wurden zum Teil schwerstverletzt. Junge Menschen zum grössten Teil. Einige von ihnen kämpfen immer noch um ihr Leben. Da wirkt Zuversicht fast wie ein anstössiges Gefühl. Wer jetzt noch zuversichtlich ist, hat entweder nicht genau hingeschaut oder sich innerlich verabschiedet von der Realität.
Doch ist dem wirklich so? Ist es nicht möglich, zuversichtlich zu bleiben, ohne uns etwas vorzumachen? Entscheidend ist wohl, Zuversicht nicht mit Optimismus zu verwechseln. Optimismus erwartet, dass es gut kommt. Zuversicht hält aus, dass es schwer ist. Sie schaut hin – und bleibt dennoch handlungsfähig. Sie leugnet das Leid nicht, aber sie erlaubt ihm nicht, alles zu besetzen.
Kriege sind leider nicht neu, es hat sie schon immer gegeben. Das macht sie nicht weniger grausam. Aber wir haben gelernt, dass nach Zeiten der Zerstörung immer wieder ein Aufbau folgte. Dass die betroffenen Menschen neu begannen und wieder einen Sinn fanden. Nicht trotz der Brüche, sondern mit ihnen.
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana erschüttert uns immer noch. Die Tränen sind noch nicht getrocknet, die juristische Aufarbeitung hat eben erst begonnen. In allem Leid hat sie aber etwas gezeigt, was oft übersehen wird: Solidarität. Von Menschen, die halfen, löschten, unterstützten.
Zuversicht ist heute wohl mehr eine Haltung als ein Gefühl. Sie verlangt Ehrlichkeit und den Mut, sich nicht vollständig vom Schrecken dieser Welt vereinnahmen zu lassen. Wer zuversichtlich ist, glaubt, dass eine gute Zukunft möglich ist. Trotz allem.




