Kolumne: Zwischen den Extremen

Goldene Tage, Regen, Nebel, frühe Dunkelheit: Der Herbst hat viele Gesichter.



Kolumne: Zwischen den Extremen

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken, das Wetter zeigt sich von seiner launischen Seite. Eben noch haben wir uns an einem prachtvollen Sonnentag mit tiefblauem Himmel erfreut – und nun sitzen wir im Haus drin. Regen prasselt an die Fensterscheiben, Nebel verhindert die Sicht auf die angezuckerten Berge, Melancholie macht sich breit.
Trotz dieser Launenhaftigkeit liebe ich den Herbst. Er ist eine Zeit des Übergangs. Die flimmernde Sommerhitze ist vorüber, die Kälte des Winters noch nicht da. Je älter ich werde, desto weniger mag ich Extreme. Da bietet sich der Herbst als Moment dazwischen zum Geniessen an. Die Natur zeigt sich von ihrer vielfältigsten Seite – in Farben, Düften und Stimmungen, die nur der Herbst hervorzubringen vermag.
Wie schön sind doch die leuchtenden Farben der Blätter – vom warmen Goldgelb über sanftes Orange bis zum tiefen Rot. Es ist, als ob die Natur ein Feuerwerk entfachen wolle, ehe sie in den Winterschlaf fällt. Die Bäume erstrahlen in den wärmsten Farben und kontrastieren wunderschön zum blauen Himmel. Es kommt mir vor wie ein Gemälde, an dem ich mich gar nicht sattsehen kann.
Doch auch die nebligen Tage haben ihren Reiz. Sie schaffen eine fast mystische Stimmung. Die Geräusche sind gedämpft, alles wirkt ein wenig unerreichbar. Gelegenheit, sich zurückzuziehen und zur Ruhe zu kommen. Nachzudenken über das, was war und noch kommen wird. Denn der Herbst erinnert uns daran, dass alles seine Zeit hat. Wenn die Blätter fallen und vom Sturm fortgetragen werden, wird uns bewusst, dass auch wir manchmal loslassen müssen. Loslassen, um Platz für Neues zu schaffen.
Viele spüren in dieser Jahreszeit eine gewisse Müdigkeit und Schwere, vor allem angesichts der frühen Dunkelheit. Ich teils auch. Für mich ist der Herbst wirklich eine Zeit des Innehaltens und der Veränderung. Eine Zeit der Kerzen, warmen Getränke und Decken. Aber auch ein Fest der Sinne, das uns einlädt, den Moment zu geniessen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie das ebenfalls können.