Kommen «Frankfurter» auch aus Frankfurt?

Exklusiv für glarus24 geben zwei Glarner Schlachtenbummler einen etwas andern Einblick rund um die Fussball-EM und den Spielort Frankfurt (Teil 2).



Kommen „Frankfurter“ auch aus Frankfurt? (Bilder: w.baumgartner/jh. gredig)
Kommen „Frankfurter“ auch aus Frankfurt? (Bilder: w.baumgartner/jh. gredig)

Der Name Frankfurter «Würstchen» ist in Deutschland seit etwa 1860 als geographische Herkunftsbezeichnung geschützt und darf seit 1929 nur für Erzeugnisse verwendet werden, die tatsächlich aus dem Raum Frankfurt am Main kommen. Als Frankfurter bezeichnet man eine dünne Brühwurst aus reinem Schweinefleisch, da die Frankfurter Metzger bei der Einführung der Gewerbefreiheit 1864 nur eine Fleischsorte verarbeiten durften.
Ihr besonderes Aroma wird durch ein spezielles Räucherverfahren über Buchenholz bei niedrigen Temperaturen erreicht.
Zum Verzehr werden Frankfurter Würstchen nicht gekocht, sondern nur etwa acht Minuten in heissem Wasser erhitzt, da die Haut sonst schnell aufplatzt. Gegessen werden sie traditionell paarweise mit Senf oder Meerrettich und Brot oder Kartoffelsalat.

Frankfurter oder Wiener – gibt es einen Unterschied?

«Wiener» stammen ursprünglich aus Frankfurt, denn hier erlernte der Franke Johann Georg Lahner Anfang des 19. Jahrhunderts die Herstellung des beliebten Brühwürstchens.
Der in der fränkischen Schweiz (Gasseldorf) geborene Bauernsohn beschloss 1795 seinem kargen Heimatdorf den Rücken zu kehren und ging nach Frankfurt, um dort eine Lehre als Fleischer zu absolvieren. Nach Beendigung der Ausbildung ging er auf Wanderschaft, verdingte sich als Ruderknecht auf der Donau und landete in Wien. 1804 machte sich Lahner als Meister mit einer eigenen Selcherei selbstständig. Seine Produktion nannte Lahner zunächst «Lahner Würste» später allerdings «Frankfurter» (in Erinnerung an seine Lehrzeit) und sie waren bald in ganz Wien eine Delikatesse. In Frankfurt wurden die Würste mit grobem Schweinefleischbrät hergestellt. In Wien dagegen war man diesbezüglich nicht so streng.

Es gibt aber auch andere Spezialitäten

Wer das hektische Stadtzentrum hinter sich lässt, stösst jedoch bald auf ein entspannteres, gemütlicheres Frankfurt in dessen Kneipen und Cafés sich leckere Frankfurter Spezialitäten ganz in Ruhe geniessen lassen, z.B. in der Fressgasse und der unmittelbaren Umgebung.
Eines dieser berühmtesten Frankfurter Gerichte ist die «grie Soss». Will man echte Spezialitäten aus Frankfurt probieren, kommt man an dieser grünen Sosse nicht vorbei: Sie ist sozusagen das «Nationalgericht» der Stadt. 
Grie Soss besteht aus sieben verschiedenen Kräutern: Petersilie, Kresse, Schnittlauch, Borretsch, Pimpinelle (kleiner Wiesenknopf), Sauerampfer und Kerbel. Diese werden mit Schmand, Sauerrahm oder Creme fraiche zu Sosse verarbeitet. Üblicherweise wird die bekannteste aller Frankfurter Spezialitäten mit gekochten Kartoffeln und hartgekochten Eiern serviert, auf den Karten der Restaurants findet man jedoch auch oft die Variante mit Bratkartoffeln und Schnitzel.
Da «grie Soss» kalt gegessen wird, gibt es das Gericht vornehmlich in der warmen Jahreszeit. Die klassische Grüne-Sosse-Saison beginnt traditionell am Gründonnerstag und endet mit dem ersten Frost im Herbst.
Wo es eine klassische Speise gibt, muss es auch ein spezielles Getränk geben. Und so gehört zu den Frankfurter Spezialitäten, die man sich nicht entgehen lassen darf, auch der berühmte Apfelwein – oder auch Ebbelwoi, Äppler oder Schoppen wie das beliebte Getränk mitunter ebenfalls genannt wird.
Wir haben beides probiert! Über Geschmack lässt sich ja dann bekanntlich streiten!
Ja und da wären dann auch noch: Frankfurter Kranz (Kuchen mit viel Vanille- und Buttercreme, Himbeerkonfitüre und eine dicke Schicht Mandelkrokant), Handkäs mit Musik (die Musik veranstalten die unüberhörbaren Verdauungsgeräusche der Menschen nach dem Verzehr beim sauer eingelegten, zwiebelreichen Käse).
Oder Bethmännchen, ein typisches Weihnachtsgebäck, benannt nach der reichen und berühmten Frankfurter Bankiersfamilie von Bethmann, denen diese leckeren Plätzchen aus Marzipan, Rosenwasser und exakt drei Mandeln gewidmet wurden.
Aber um sich durch Gerichte durchzuessen, reichen vier Tage leider nicht. Da gibts dann auch noch anderes!