Konzert zum 1. Advent in Betschwanden

Es ist eine Tradition, die man nicht mehr missen will. Stets gastiert mit Beginn der Advents- und Weihnachtszeit auf Einladung des Kulturvereins Glarus Süd das Neue Glarner Musikkollegium unter Leitung von Felix Schudel in der Kirche Betschwanden. Das Interesse der Musikbegeisterten ist begreiflich gross, sind doch immer wieder ungewohnte und faszinierende Begegnungen angeboten. Diesmal war es die Fagottistin Nathalie Blaser, die brillierte und mit ihrer Spielreife, hohem Verständnis und riesigem Einfühlungsvermögen aufzeigte, welch stark beeindruckend Fähigkeiten in ihr stecken.




Gerne nahm man von Felix Schudels Aussagen Kenntnis – in Betschwanden fühle man sich wohl, man komme gerne. Und alle, die das vernahmen, hofften insgeheim, dass es noch lange so bleiben möge, sind doch die präsentierten Programme so etwas wie «musikalische Leckerbissen», liebevoll vorbereitet und mit grossem Können angeboten. Nie drückt die reine Routine durch. Auf angenehme Art spürt man die Freude am variantenstarken Ausgestalten fern aller Routine und lieblosem Runterspielen. Innig, gefühlvoll, lautmalerisch und mit begrüssenswert differenzierender Intensität wird ausgedrückt, in vornehmer Abgestimmtheit, die Intentionen des musikalischen Leiters stilvoll umsetzend.

Felix Schudel wies mit wenigen Erläuterungen auf den jeweiligen Komponisten, dessen Wirkungsfeld und das im Programm festgehaltene Konzertante hin. Mit der Ouvertüre zum Oratorium «Alexander`s Feast» von Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) erfolgte ein festliches Einstimmen, zuweilen feierlich, dann wieder von charmantem leichtfüssigem Necken unterbrochen, viel Kurzweil und Anmut machten sich breit.

Joseph Haydn (1732 – 1809) – so wieder Felix Schudel – habe ein grosses Mass von Freiheiten geniessen dürfen, die man mit der Interpretation der Sinfonia Nr. 39 in g-Moll aufzeigen wolle. Feingliedrig, wirblig, adrett war der Beginn. Die Mitglieder des Neuen Glarner Musikkollegiums drückten willkommen abwechslungsreich, in erfüllender Art aus. Alles wirkte so perfekt abgestimmt, wies einen hohen Unterhaltungswert auf. Neben Massigem, leicht Wuchtigem standen kurze, sich wiederholende Sequenzen, die eine gewisse Gleichförmigkeit aufwiesen. Es war ein Hinhören, bei dem man sich schon fast genüsslich zurücklehnen konnte, gleichsam einem heiteren Erleben nahekommend.

Von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) und dessen Wirken in Leipzig war später einiges zu hören. Abwechslungsreich, kurzweilig klangen die Sätze aus der Orchestersuite III in D-Dur auf. Das homogene Ausgestalten und die reife Spielkunst weckten Kurzweil, Spannung und Anteilnahme.

Mit der Wiedergabe des Konzerts für Fagott und Orchester B-Dur KV 191 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) wurde die Begegnung mit der Virtuosität und enorm ausdrucksstarken Gestaltungskultur von Nathalie Blaser in solistischen Teilen und dem erfüllenden Zusammengehen mit dem Orchester gar überzeugend möglich. Die Fagottistin wies sich als überzeugende Könnerin aus. Intensiv, virtuos, dynamisch differenziert, die riesige Klangbreite so perfekt erfassend weckte sie enorme Bewunderung. Kraftvoll, mal enorm wirblig, dann wieder getragen und mit beseelter Ruhe stellte sie kompositorisch Vorgegebenes nachhaltig, mit riesigem Gestaltungsreichtum vor; vom Orchester sehr aufmerksam getragen. Derart beseelt und elegant wurde interpretiert, dass alles gar erhaben und ausgereift wirkte, dass verdient grosser und langer Beifall aufkam.

Und so freut man sich wieder auf ein neues Begegnen – zu fast gleicher Zeit am gleichen Ort, mit musikalisch Neuem, gewiss wiederum Spannendem.