Kosten sparen – zum Nutzen aller Glarnerinnen und Glarner

6 Millionen Franken will der Kanton Glarus mit der Gemeindestrukturreform jährlich einsparen. Ein stolzer Betrag für den kleinen Kanton – und Geld, das man gut für viele andere Zwecke verwenden kann. Deshalb ist die Gemeindereform zwar auch eine Finanzreform. Vor allem aber werden dadurch neue Chancen eröffnet.



Glarus wird nach Gemeindestrukturreform nicht weniger Strassen haben
Glarus wird nach Gemeindestrukturreform nicht weniger Strassen haben

Sechs Millionen Franken pro Jahr einsparen dank der Gemeindestrukturreform. Dieser Betrag wird immer wieder angezweifelt. Kann das sein, wenn doch die neuen Gemeinden künftig grössere Verwaltungen, längere Öffnungszeiten und einen umfassenderen Service Public haben werden? Benötigen die Glarner Strassen, Wälder und Alpen nicht die genau gleiche Pflege, unabhängig davon, ob sie Bestandteil von 25 oder von 3 Gemeinden sind? Solche und weitere Fragen muss die Projektleitung Kanton immer wieder beantworten. Sie kann es mit guten Argumenten tun: Das Sparpotential ist kein Fantasiegebilde, sondern beruht auf realistischen Annahmen und Berechnungen. Jedoch: Niemand geht davon aus, dass ab dem 1. Januar 2011 sofort der stolze Millionenbetrag eingespart wird. In den ersten Jahren werden Investitionen in die neuen Gemeinden und vielfältige Aufbauarbeiten das Rechnungsergebnis wohl noch etwas trüben. Nach der Startphase aber kann das Sparziel mit gutem Willen durchaus erreicht, ja sogar übertroffen werden. Die Berechnungsgrundlagen wurden bewusst sehr zurückhaltend angesetzt.

Einfachere Strukturen sparen Geld


Die heutigen Strukturen im Kanton Glarus verlangen nach sehr vielen Behörden. So zählt unser kleiner Kanton mit rund 38'000 Einwohnerinnen und Einwohnern ca 350 Gemeinde-, Tagwens- und Schulräte. Auch wenn alle diese Rätinnen und Räte ein Nebenamt bekleiden und in der Regel nur eine bescheidene Entschädigung (Sitzungsgelder, Spesenentschädigung etc.) erhalten, so summieren sich die Zahlen zu einem stattlichen Betrag. In den drei Einheitsgemeinden Glarus Süd, Glarus Mitte, Glarus Nord braucht es viel weniger Persönlichkeiten, die sich für ein Amt zu Verfügung stellen. Und auch wenn diese Rätinnen und Räte grössere Pensen bewältigen werden und entsprechend besser entschädigt werden, so kommt unter dem Strich gleichwohl eine erhebliche Einsparung zu Stande.

Weniger Arbeit – weniger Kosten


Auch auf den Gemeindeverwaltungen fällt deutlich weniger Arbeit an. Natürlich: Jede der drei künftigen Verwaltungen wir für sich genommen sehr viel mehr Aufgaben bewältigen müssen, als die Verwaltung einer kleinen Glarner Gemeinde heute. Aber die Summe der Arbeitslast wird viel geringer sein, als diejenige bei den heutigen Strukturen. So müssen heute rund 70 Budgets, Finanzplanungen, Liquiditätsplanungen, Jahresrechnungen erstellt werden. Ab 2011 reichen deren drei. Heute müssen 25 Wasser-, Abwasser-, und Kehrrichtreglemente überwacht und angepasst werden. Künftig nur noch drei. Auch auf den Gemeindekanzleien wird die Summe der Arbeiten kleiner, weil zum Beispiel nicht die Arbeitsgrundlagen für 25 Gemeinderäte, sondern nur für deren drei erarbeitet werden müssen. Und auch wenn diese Arbeiten im einzelnen aufwändiger sein werden: In der Summe sind sie deutlich geringer. Diese wenigen Einblicke zeigen auch: Die heutigen Gemeindeverwaltungen arbeiten nicht schlecht. Sie verschleudern kein Geld, sondern gehen sparsam mit dem Steuerfranken um. Aber die heutigen Strukturen verunmöglichen effizientes Arbeiten. Drei Gemeinden schaffen dafür die Voraussetzungen.

Gleichviel Strassen – aber mehr Effizienz


Ein letzter Blick soll den Strassen und Wäldern gewidmet werden. Natürlich benötigen diese die genau gleiche Bewirtschaftung wie heute. Es schneit nicht weniger wegen drei Gemeinden und kein Glarner wird eine Qualitätseinbusse beim Strassenunterhalt in Kauf nehmen wollen. Aber die grossen Gemeinden erlauben es, dieselben Arbeiten mit weniger Fahrzeugen, Maschinen und Werkzeugen zu bewältigen, weil nicht jede Gemeinde in ihren engen Grenzen eine ganze Infrastruktur bereit stellen muss. Synergien können genutzt, Doppelspurigkeiten vermieden werden. Dasselbe gilt beim Personal: Die Arbeit kann sachgerechter verteilt werden. Heute muss der „Chef“, der in der kleinen Gemeinde sein einziger Mitarbeiter ist, alles machen – vom Wischen des Werkplatzes bis zur anspruchsvollen Managementarbeit. In drei grossen Gemeinden braucht es erstens insgesamt weniger Kader, und diese können sich zweitens auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Die richtige Person für die richtige Arbeit – das spart kräftig.

Weniger Stellen – interessantere Arbeit


Ja – der Umbau ist mit einem Abbau verbunden. Sowohl in den Verwaltungen wie im Forst und den Gemeindewerken werden Stellen wegfallen. Aber mit seinen sozialen Grundsätzen hat der Kanton deutlich gemacht, dass er Entlassungen so weit als möglich vermeiden und soziale Härtefälle verhindern will. Die Grundsätze stehen für die Verbindlichkeit dieses Vorhabens. Die Projektleitungen Kanton und Gemeinden von „GL2011: 3 starke Gemeinden – 1 wettbewerbsfähiger Kanton» gehen davon aus, dass die sogenannt natürlichen Fluktuationen durch Pensionierungen oder unabhängig von der Reform erfolgende Stellenwechsel in der Übergangsphase mithelfen, Kündigungen weitgehend zu vermeiden. Vor allem aber stehen die neuen Gemeinden stehen für viele Chancen: Für herausfordernde, neue Stellen in unterschiedlichsten Bereichen für die vielen Profis in den Verwaltungen und Gemeindewerken.

Die Gemeindestrukturreform hebt Doppelspurigkeiten auf, schafft Effizienzgewinne und strafft Arbeitsabläufe. Die politischen Strukturen werden einfacher, die politische Arbeit gewinnt an Attraktivität und die Kosten für die politische Führung werden gesenkt. Die Aufgaben und Kompetenzen von Politik und Verwaltung werden neu geregelt. Effizienz, Professionalität, Qualität und Wirksamkeit werden gesteigert. Die Schnittstellen werden weniger, die Arbeitsabläufe einfacher und schneller. Und das ergibt in mindestens Summe 6 Millionen Franken Einsparungen pro Jahr. Nicht per sofort, aber relativ schnell nach der Umsetzung der Gemeindestrukturreform.

Die Berechnungsgrundlagen


Das Berechnungsmodell orientiert sich an vergleichbaren Gemeinden und geht zwar von einem schlanken Stellenetat aus, jedoch nicht von einem knappen. Bei drei möglichen Szenarien – einem grosszügigen, einem mittleren und einem sehr knapp bemessenen - wurde jeweils das zweite Szenario gewählt. Dabei wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass die teilweise weitläufigen Gemeinden angemessen mit Fachleuten dotiert werden müssen. Folgende Werte wurden dabei errechnet:

Sparpotential

Behörden und Revision 489'000 Franken

Verwaltung 1'907'000 Franken

Werkbetriebe 847'000 Franken

Forstbetriebe 625'000 Franken

Informatik 400'000 Franken

Immobilien 684'000 Franken

Maschinen, Werkezeuge, Versicherungen, etc. 1'150'000 Franken

Total 6'102'000 Franken