Krise vor dem Rathaus – mehr Bewegung für das Glarner Klima

Die Klimabewegung macht sich stark dafür, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Klimakrise ernst nehmen. Anlässlich der «Challenge for Future» vermittelte heute die Glarner Regionalgruppe fünf zentrale Botschaften am Hotspot der politischen Entscheide im und für den Berg- und Industriekanton Glarus. Sie nahm trotz – oder gerade wegen – der Coronakrise kein Blatt vor den Mund bei der stillen Kundgebung auf dem Rathausplatz im Kantonshauptort.



Aus dem «Strike for Future» wurde heute die «Challenge for Future». Die Coronakrise erforderte von den Organisatoren besondere Kreativität. Auf dem Rathausplatz Glarus entstand eine stille Installation zur Klimakrise. Statt Teil des Publikums zu sein, konnten sich Glarner*innen mit ihren Schuhen und persönlichen Botschaften an die Glarner Klimapolitik stellvertreten lassen. Es kamen 151 Paar Schuhe zusammen. Die «Challenge for Future» wurde und wird für das Publikum zu Hause mit #klimaglarus und #challengeforfuture auf Social Media begleitet.

Solidarität der Generationen bewältigt Krisen.

Zur Überwindung der aktuellen Pandemie braucht es die Solidarität der Generationen. Die Solidarität – der jüngeren gegenüber der älteren Generation – bei der Coronakrise muss sich auch bei der Klimakrise einstellen – von der älteren gegenüber der jüngeren Generation. Die Klimakrise betrifft junge Menschen und künftige Generationen besonders. Damit diese auch in Zukunft eine Lebensgrundlage haben, braucht es heute Handlungen. An der Schaffung eines enkeltauglichen Klimas müssen sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit voller Kraft beteiligen und zielgerichtet handeln. Dazu gehören Massnahmen wie ein wirksames Energiegesetz, CO2-neutrale Produktionsweisen in der Glarner Industrie, beim Gewerbe und der Landwirtschaft sowie klimafreundliches Konsum- und Mobilitätsverhalten.

Transparenz macht Notstand deutlich.

Während der Coronakrise melden die Behörden täglich neue Zahlen zu Erkrankungen und Todesfällen – ein wirksames Mittel, um die Bevölkerung auf die Gefahren aufmerksam zu machen und sie von der Einhaltung der angeordneten Massnahmen zu überzeugen. Seit ihren Anfängen fordert die Klimabewegung, Krisen ernst zu nehmen und auf die Wissenschaft zu hören. Damit die Menschen Notstände erkennen, ist flächendeckende Information zentral. Erkenntnisse zum Klimawandel existieren bereits seit den 1970er Jahren. Heute kommen in unseren Breitengraden Ereignisse wie Gletscherschmelze, Felsstürze, Trockenheit, Hitze und Waldbrände dazu. Sie machen den Klimawandel sicht- und spürbar. Die Behörden sind aufgefordert, Ereignisse in den Kontext der Klimakrise zu stellen und Massnahmen zu treffen, welche Menschen vor Naturgefahren und gesundheitlichen Risiken schützen und deshalb von der Bevölkerung akzeptiert werden.

Heisses Pflaster Glarnerland – heute 2, morgen 4

Zu den Symptomen einer Covid-19-Erkrankung zählt Fieber. Auch Hitze macht krank. So hat zum Beispiel die Hitzewelle 2003 in Westeuropa 70'000 Menschen das Leben gekostet. In der Schweiz waren rund 1000 hitzebedingte Todesfälle zu beklagen. Auch im Sommer 2015 (+5,4%) und 2018 (+3,4%) wurden solche Todesfälle festgestellt. Der Kanton Glarus ist ein besonders heisses Pflaster für den Klimawandel. Im Berggebiet erhöht sich die Temperatur im Vergleich mit dem globalen Mittel um das Doppelte. Wenn die Weltgemeinschaft die Begrenzung der Erwärmung auf maximal eineinhalb bis zwei Grad schafft, wird es im Glarnerland also drei bis vier Grad wärmer. Diese Erwärmung bedeutet mehr Hitzetage, weniger Neuschneetage, eine steigende Schneefallgrenze und Veränderungen im Niederschlag. Seit 1864 hat die Jahresmitteltemperatur in der Schweiz bereits um zwei Grad zugenommen. Glarner Politik und Wirtschaft müssen so handeln, dass klimafreundliche Lösungen für Wohnen, Leben, Arbeiten, Mobilität und Freizeit entwickelt und belohnt werden. Alte Rezepte sind auch aus ökonomischer Sicht und sozial hinsichtlich der Arbeitsplatzerhaltung verantwortungslos.

CO2 bewirtschaften – nachhaltig wirtschaften.

Dank effizienter und flächendeckender Erfassung der Covid-19-Fälle konnten und können die Behörden in der Schweiz rasch Massnahmen ergreifen und deren Wirksamkeit überprüfen. Eine seriöse Datenbasis und konkrete Ziel- und Wirksamkeitsprüfungen sind auch für Massnahmen gegen den Klimawandel zentral. Trotz jahrzehntelanger Kenntnisse über den Treibhauseffekt, fehlen in Bezug auf den Klimawandel solche Instrumente in der Glarner Politik. CO2-Management ist ein solches Instrument und notwendig, damit wirksame klimapolitische Massnahmen beschlossen werden können. Ohne ganzheitliches System mit konkreten Teilzielen, Massnahmenplan und Erfolgsmessung tappt aber jedes Unternehmen oder Projekt im Dunkeln. Durch die besonders starke Betroffenheit des Berggebiets – mit doppelter Erwärmung im Vergleich mit dem globalen Durchschnitt – liegt es am Kanton Glarus, ein funktionierendes System einzuführen.

Gemeinsam Berge versetzen – Klimaneutralität für das Glarnerland.

Um die Lebensgrundlagen der Covid-19-Risikogruppen zu schützen, haben sich erfreulicherweise sehr schnell private und öffentliche Initiativen entwickelt, zum Beispiel im Bereich Nachbarschaftshilfe. Um auch die Lebensgrundlagen künftiger Generationen zu gewährleisten, müssen die Treibhausgasemissionen auf netto null reduziert werden. Das bedeutet 600 Kilogramm Treibhausgasemissionen pro Person und Jahr. So viel kann die Biosphäre kompensieren. Dieses Ziel führt zu einer Änderung unseres Lebensstils. Auch 2020 kommen klimapolitisch wichtige Entscheide aufs Tapet. Dazu gehört zum Beispiel das kantonale Energiegesetz. Den Wandel erreichen wir aber nicht allein durch Gesetze. Es braucht das Handeln aller. Deshalb ist die Bildung für nachhaltige Entwicklung einer der Bestandteile des Lehrplans 21, den es konsequent umzusetzen gilt, damit nachhaltiges Denken den Alltag prägt.