Kunst und Glarner Kantonalbank

Dass Kunst und Geld miteinander verbunden sind, war anlässlich der stark besuchten Vernissage am Hauptsitz der Glarner Kantonalbank nur dann ein Thema, wenn man sich das Preisgefüge der ausgestellten Bilder und Fotografien anguckte. Diese Gedanken liess man beiseite – zu Recht. Erneut war dank der engen Zusammenarbeit zwischen den kunstverbundenen Verantwortlichen der Kantonalbank und dem Kunsthauses Glarus ein Begegnen realisiert worden, das in dieser Bandbreite Seltenheitswert hat.




Die Zuständigen des Kunsthauses Glarus erhielten mit der Einladung zur Gestaltung der dritten derartigen Ausstellung die willkommene und sinnbringende Möglichkeit, Schätze aus der eigenen reichen Sammlung «hervorzukramen» und sie ausserhalb der kulturellen Begegnungsstätte beim Bahnhof des Hauptortes einem interessierten Publikum zu präsentieren. Gleichzeitig bot sich die Gelegenheit, Kunstschaffende ganz verschiedener Stilrichtungen zusammenzuführen. Das ist auf beeindruckende Weise gelungen. Die Ausstellung ist bis Mitte März des kommenden Jahres am Hauptsitz der Kantonalbank angeboten. Es sind Werke der Malerin, Grafikerin und Buchillustratorin von Greta Leuzinger (1912–2009), des Kunstmalers Paul Fröhlich (1901–1939), der Illustratorin Pascale Küng (geb. 1988) und des Fotografen Siro Micheroli (geb. 1973) ausgestellt. Die Kunstschaffenden sind mit dem Glarnerland eng verbunden.

Stefan Görauch, Filialgruppenleiter Glarus, der GLKB begrüsste die stattliche Zahl der Vernissagenbesucher mit herzlichen Worten. Er wies darauf hin, dass sich die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Glarner Kunstvereins und des Kunsthauses in erfreulicher und stark beachteter Weise entwickelt habe. Bereits zum dritten Mal werde nun in dieser Form die jeweilige Ausstellung realisiert. Die grosszügige Gastfreundschaft der GLKB wurde auch mit der Einladung zum Apéro im Anschluss an die weiteren Ausführungen unterstrichen.

In die Ausstellung führte Judith Welter, Direktorin des Kunsthauses Glarus ein. Fürs Zustandekommen hatte sie vielen zu danken, unter anderem Kaspar Marti, Präsident des Kunstvereins, Stefan Wagner, umsichtig Mithelfender und weiteren Personen. Es sei eine Ehre, nach Lill Tschudi und Christine Gallati einen Teil des Schaffens von Greta Leuzinger und Paul Fröhlich zu präsentieren und Pascale Küng und Siro Micherolis Gestalten im Hauptsitz der Bank präsentieren zu können. Dass damit auch Einblicke in die reichhaltige Sammlung des Kunsthauses möglich werden, ist bedeutsam und willkommen.

Das unverwechelbare Schaffen von Greta Leuzinger ist kraftvoll, zeugt von beinahe spielerisch angeordneten geometrischen Elementen, faszinierendem farblichen und inhaltlichem Reichtum. Es ist eine liebenswürdige, oft heiter-schalkhafte Botschaft , die den Betrachter bei dieser Bildwelt verharren lässt. Die Glarnerin besuchte ab 1929 die Kunstgewerbeschule Zürich und später die Akademie André Lhote in Paris. Sie stellte ihr Schaffen in ganz Europa aus. Ihr Nachlass befindet sich im Kunsthaus Glarus.

Paul Fröhlich, Sohn einer angesehenen Glarner Industriellenfamilie, wollte nie den beruflichen Weg seiner Eltern einschlagen. Er entschied sich für den Weg der Kunst, brach mit der von ihm erwarteten beruflichen Laufbahn, kehrte einem gesicherten Einkommen und familiärer Tradition bewusst den Rücken. Auch als Kunstschaffender blieb er Aussenseiter. Mehr als 500 Grafiken, Skizzen und einige Ölbilder befinden sich im Kunsthaus Glarus. Judith Welter wies mit ihren Ausführungen auf das Suchen, Schaffen, auf Wünsche, Träume und Erwartungen von Fröhlich hin. Er wählte 1939 den Freitod.

Pascale Küng lebt und arbeitet in Glarus. Ihr Studium schloss sie 2014 mit dem Bachelor of Arts HS LU in visueller Kommunikation und Illustration ab. Seither ist sie als freischaffende Illustratorin in ganz verschiedenen Bereichen tätig. Sie drückt mit ihrem Schaffen Botschaften aus, ihren Bildern unschwer zu entnehmen sind, die durchaus zu Geschichten wachsen können, Pascale Küng stellte die Gestaltungstechniken vor und kam auf ihr jüngsten Bilder zu reden, die gegenständlich, dies in oft lichten Farben und klarer Formgebung sind. Ihr langer Aufenthalt in Sardinien hat sie zu diesem Gestalten animiert, das zum Besichtigen und Verweilen einlädt.

Siro Micheroli, ausgebildeter Fotograf, war bis 2002 als Reportage- und Sportfotograf für verschiedene Printmedien tätig. Danach war er als Assistent renommierter Fotografen für Kampagnen, Editorials und Buchprojekte unterwegs. Es entstanden unter anderem zahlreiche Videos. Mit ausdrucksstarken grossflächigen Aufnahmen zu 25 Jahren Tschernobyl gastierte er 2011 im Kunsthaus Glarus. Er sprach ganz kurz über das leise bedauerliche Verschwinden der analogen Fotografie, die Rasanz, Erwartungen und oft feststellbaren Oberflächlichkeiten und Techniken bei der digitalen Fotografie. Seine aktuell präsentierten Aufnahmen entstammen einem länger zurückliegenden Aufenthalt in der Mongolei. Es sind ruhige, innige, Botschaften entstanden, die einiges über Lebensgewohnheiten, Alltag, den fehlenden, vielleicht erträumten Wohlstand der Einheimischen aussagen.

Es bahnten sich vor dem Weggehen spürbar intensive Gespräche über gute Zeitspannen hinweg an.