Kunsthaus Glarus mit dem Gestalten von Caroline Bachmann und Jan Vorisek

Mit Caroline Bachmann und Jan Vorisek sind im Kunsthaus Glarus – das im Innern umfassend saniert worden ist und deshalb geschlossen blieb – noch bis 23. August zwei Kunstschaffende zu Gast, deren Ausgestalten unterschiedlicher nicht sein könnte. Caroline Bachmanns Bilder sind weit fassende Auseinandersetzungen über Landschaften, den Kreuzweg Christi, Geschichtliches, Blumen und Porträts. Jan Vorisek hat mit seinen Aussagen Bezüge zur heute dominierenden Corona-Zeit geschaffen, die niemand erwartet hat.



Caroline Bachmanns Bildinhalte sind weit fassend, sie bestechen durch sorgsam gewählte Farben, weiche runde Weiten und Sanftheit, aufeinander abgestimmte Folgen, die oft eine harmonische Weiterführung finden. Das Panorama des Juras zwischen Rhein und Rhone umfasst zehn Leinwände und weist auf weit zurückliegend Geschichtliches hin. Zwölf Feuer sind wie Symbole von zwölf Städten, die einst von den Helvetiern in Brand gesetzt worden waren. Bachmann hat diesen Inhalten die Schilderungen von Julius Cäsar zugrunde gelegt, Fakten und Illusionen derart ineinander verwoben, dass ausdrucksstarke Inhalte gewachsen sind, voller Leidenschaften, Wirbligem und Kraft, gepaart mit Träumereien und Sehnsucht. Es ist eine faszinierende Form von Geschichtlichem gewachsen. 

Landschaften entführen ins Rhonetal, an den Genfersee und die gebirgige Pracht. Sehnen, Träumereien, Licht und Hingabe, einfühlendes und inhaltsstarkes Protokollieren verschiedenster Witterungen und Beobachtungen prägen diese Welt. Für jedes Bild ist der Rahmen sorgsam hingemalt, damit ins jeweilige Geschehen hinführend. Es wird eine Form von Vergangenem in einprägsamer, formschöner Weise vermittelt. Caroline Bachmann lädt zum Verweilen, zum Staunen und der Anteilnahme ein.
Die einzelnen Stationen des Kreuzwegs, 2018 entstanden, sind von 14 Landschaften erfüllt; der katholischen Tradition gewidmet, mit der Verurteilung beginnen und der Grablegung endend. Die kleinformatigen Malereien sind vom unübersehbar grossen Kreuz in der jeweiligen Bildmitte geprägt. Man wird mitgenommen, nimmt die sich steigernde Intensität des Lichts wahr. Kurze Texte am jeweiligen unteren Bildrand weisen den Weg durchs Geschehen.

Lieblich, kraftvoll und kunstreich sind die Stillleben mit den Blumen. Es wird eine Schönheit wiedergegeben, die von der Natur vorgegeben und ungemein kunstvoll umgesetzt ist.
Porträts gehören ebenfalls zur Vielfalt dieses Begegnens. Caroline Bachmann arbeitet bewusst an Porträts mit Frauen. Es sind Begegnungen entstanden, die viel Persönlichkeit und Direktheit zum Inhalt haben, kraftvoll und direkt ausstrahlen.

In den beiden übereinanderliegenden Ausstellungsflächen auf der rechten Seite des Kunsthauses präsentiert Jan Vorisek «Collapse Poem». Er führt und entführt in scheinbar Zeitloses, in Bedrohliches, in Unvollendetes, das in irgendeiner Form doch ein Ende finden wird, unausweichlich finden muss. Im Erdgeschoss füllt ein ganz in Schwarz gehaltenes, aufblasbares Labyrinth beinahe die ganze Grundfläche. Man beginnt rumzuirren, ahnend, dass dieser Vorgang in anderen Dimensionen bedrohlich, im schlimmsten Fall auswegslos sein könnte. Praktisch jede Form einer Orientierungshilfe fehlt. Innenräume gestatten ein kurzes Verweilen, das kaum Hilfe ist, es wohl auch nicht sein will. Verstörend sind in einem der beiden kleinen Räume die Videos, man wird mitgedreht, mitgenommen, weggeführt.

Im Obergeschoss ist so etwas wie der Anfang des neuen Werdens in Fragmenten hingebaut. Dieser Gestehungsprozess ist ein Werden ohne Abschluss, ist ein Platz, der konstruktivem Wachsen und Fügen Raum gewährt.