Kunsthaus und Güterschuppen in Glarus

Anlässlich der 143. Hauptversammlung des Glarner Kunstvereins kam es durch deren Präsident, Kaspar Marti, Architekt, zu einer «Auslegeordnung» bezüglich Ist-Zustand und Zukunft des Kunsthauses Glarus, das im Jahre 1952 durch Hans Leuzinger gebaut worden ist, und des Güterschuppens Glarus, der seinerseits dank einer enorm grosszügigen Spende von Ruth und Robert Jenny in den Besitz des Kunstvereins gelangte.



Dem Vorstand gehören an (von rechts): Christoph Steiner
Dem Vorstand gehören an (von rechts): Christoph Steiner

Kaspar Marti hatte mit dem Vorstand verschiedenste Möglichkeiten geprüft, um die Zukunft und Besitzesverhältnisse samt notwendiger Finanzierung der anstehenden, dringenden Sanierung und des Kunstbetriebs aufzugleisen. Seit 2007 beschäftigt sich der Vorstand mit diesem Vorhaben. Es ist beinahe ein Novum, dass – schweizweit gesehen – ein Kunsthaus im Besitze eines Vereins ist.

Der einfachste Weg für eine sinnvolle Änderung der Besitzes- und Finanzierungsverhältnisse wäre die Schenkung an den Kanton – was aber aus gesetzlichen Gründen (bestehender, absolut veralteter Kulturartikel) nicht infrage kommt. Der Vorstand ist mit betrieblichen und finanziellen Fragen, Ausstellungskonzepten und der erwähnten Angelegenheit sehr stark belastet. Immerhin wurde nach Kontaktnahme mit den kantonal zuständigen Departementen Bau und Umwelt und – später federführend – Bildung und Kultur klar, dass Ende Mai ein Bericht vorliegen wird, der weiterführende Planungen (vor allem Sanierung des Kunsthauses und der Finanzierung mit starker Unterstützung der Denkmalpflege) und den Status des Güterschuppens) gestattet. Für die Sanierung des Kunsthaus samt Anbauten waren einst fünf Millionen Franken budgetiert. Anbauten kommen aus denkmalschützerischen Aspekten nicht mehr infrage. Klar ist für den Moment, dass die Trägerschaft samt bisherigen, wohl auch neuen Aufgabenstellungen beim Glarner Kunstverein bleibt. Diese Tatsachen müssen im Moment so hingenommen werden, wie es der Fall ist. Der Vorstand ist deshalb mit einem riesigen Aufgabenberg konfrontiert. Zu den präsidialen Ausführungen gehörten auch Hinweise zu verschiedenen Sitzungen sowie die Rückbesinnung auf ein Geschäft der vergangenen Landsgemeinde, bei dem es um die Zuteilung der Lotteriegelder ging. Nicht nur für den Kunstverein war erfreulich, dass die bewährte Kompetenz beim Regierungsrat blieb. Durchaus erwähnenswert waren die Durchführung des bewährten Kunstflohmarkts, die nationale und internationale Beachtung des Kunsthauses dank vertiefendem Auseinandersetzen und Präsentieren zeitgenössischer Kunst, die mit verschiedenen Anerkennungspreisen honoriert wurde, das Anbieten des Kulturraums im Seitenflügel des Kellergeschosses für Film-, Kleinkunst- und Jazzabende, das Zustandekommen verschiedener Begegnungen mit Kunstschaffenden und die vielseitigen kunstpädagogischen Führungen.

Jahresbericht der Direktorin


Sabine Rusterholz Petko wies auf gar verschiedene Ausstellungen, deren Inhalte und Thematik hin. Einzelnes drehte sich um das Ausloten von Grenzbereichen zwischen Wirklichkeit und Fiktion, anderes ums Erzählen von Geschichten. Es wurde mehrmals auf die fantastische Literatur des Argentiniers Jorge Luis Borges Bezug genommen. Fotografie und Film spielten eine zentrale Rolle. Wirklichkeitsgetreue Darstellungen dieser Medien wurden zuweilen infrage gestellt. Sabine Rusterholz ist sich bewusst, dass dieser Hang zum Rätselhaften viele Besucher zuweilen ratlos zurück liess, sie meint, dass in unserer schnelllebigen Zeit genau diese Ratlosigkeit erfrischend sein kann. Konfrontiert wurde man damit beispielsweise mit dem Gestalten des deutschen Künstlers Daniel Gustav Cramer und anderen. Mit Gruppen- und Sammelausstellungen präsentierte das Kunsthaus Werke aus weiteren Schaffensrichtungen. Für die Realisierung dieser Ausstellungen ist das Kunsthaus Glarus auf externe Geldgeber angewiesen. Die Mittel aus dem Lotteriefonds des Kantons und der Gemeinden sowie Mitglieder- und Gönnerbeiträge sichern den allgemeinen Betrieb und die Infrastruktur des Kunsthauses. Die Erwartungen des Publikums sind sehr unterschiedlich. Nationales und internationales Schaffen bringen finanzielle Unterstützung und stärken das erwiesenermassen hohe Ansehen unseres Kunsthauses. Regional ausgerichtete Ausstellungen bescheren notwendigen Goodwill. Es ist die Stärke des Kunsthauses, die diese Bandbreite an Ausstellungsgehalten gestattet. Um ein Begegnen anzubieten, wurden in den letzten Jahren die sogenannten «Langen Abende» und «Art / Soup» angeboten. Flankierend sind Führungen und museumspädagogische Veranstaltungen für Schulen und Privatgruppen angeboten.

Kunsthausteam und Vorstand

Kaspar Marti, Engi, steht dem Vorstand des Kunstvereins vor. Ihn unterstützen Vizepräsident Thomas Aschmann, Glarus, und die weiteren Vorstandsmitglieder Peter Jenny, Ennenda; Ingrid Käse und Nadja Schneider Willen, beide Zürich; Heidi Luchsinger, Glarus. Direktorin des Kunsthauses ist Sabine Rusterholz. Als administrativer Leiter amtet der Ennendaner Christoph Steiner. Der Stadtglarner Stefan Wagner ist Technischer Leiter. Beim jeweiligen Ausstellungsaufbau sind Clas Ebeling und Antonio Meyer im Einsatz. Mit Johanna Burger, Berti Grüninger, Rita Kretschmar, Hannah Marti, Barbara Murer, Astrid Rüegg, Erika Sidler und Erna Streiff ist der Kreis von Mitarbeiterinnen geschlossen. Die jeweiligen Vorsitzenden wissen den immensen und klug mittragenden Einsatz sehr zu schätzen. Als Revisorinnen amten Priska Geyer und Maya Schiesser.

Zahlen und anderes


Christoph Steiner sprach mit Bezug auf den Jahresabschluss von einer roten Null. Er erläuterte die verschiedenen Positionen. Dem Totalertrag von etwas mehr als 446 000 Franken steht ein Aufwand von knapp 449 000 Franken gegenüber. Mit 157 000 Franken sind Löhne und Gehälter bescheiden.

Dass dem Kunstverein gegen 600 Mitglieder angehören, zeugt von Wertschätzung und der Unterstützungsbereitschaft. Gegenüber den Vorjahren werden diese Beiträge nicht erhöht.

Die Diskussion drehte sich zur Hauptsache um den veralteten Kulturartikel, das weitere Vorgehen und Finanzierungsfragen, da eine Schenkung an den Kanton nicht möglich ist. Zudem wurde der Wunsch geäussert, im Kunsthaus wieder vermehrt Schaffen «aus der eigenen Heimat» zu zeigen.

Die Entgegennahme der Berichterstattungen, Diskussion und Abstimmungen beanspruchten rund fünfviertel Stunden.