Längst überfälliger Sieg für Urban Götte in Matt

Nicht Arnold Forrer zum Fünften, sondern Urban Götte zum Ersten, heisst der Sieger am Glarner-Bündner Schwingfest in Matt. Er besiegte im Schlussgang den Thurgauer Oldie Stefan Burkhalter nach 47 Sekunden mit Innerem Haken. Den Glarner blieben drei Kränze.




130 Schwinger traten morgens um 08.00 Uhr zum Wettkampf im Glarner Sernftal an. Wurden zu diesem Zeitpunkt nur acht Grad plus gemessen, konnten die Organisatoren dem Föhn Danke sagen, sie hatten wie schon an der Auffahrt riesiges Wetterglück. Es regnete nur ganz vereinzelt, zum Teil zeigte sich sogar die Sonne. OK-Mitglied und Bauchef Hansruedi Hauser (Elm) fand die richtigen Worte: «Heute müssen wir dem Petrus ein Kaffee Träsch hinaufsenden als Dank zu seiner Liebe zum Schwingsport.» Als verdienter Sieger durfte sich erwartungsgemäss ein Toggenburger, sprich ein Wattwiler Schwinger, feiern lassen. Doch nicht Kronfavorit Arnold Forrer machte das Rennen, sondern sein um vier Jahre jüngerer Weggefährte Urban Götte aus Stein.

Die Zeit war reif

Göttes Sieg ist hochverdient, stand er doch in seiner langjährigen Laufbahn oftmals im Schatten der beiden Ausnahmekönner Jörg Abderhalden sowie Arnold Forrer. Zudem wies der kürzlich Vater gewordene Sennenschwinger ein starkes Notenblatt mit vier Eidgenossen als Gegner, auf. Im Anschwingen legte er bereits einen harten Brocken, den Bündner Edi Philipp, aus dem Weg. In der Folge legte er auch den Bündner Pascal Hirt und mit dem Thurgauer Beni Notz, einen zweiten Eidgenossen, auf den Rücken. Ein packendes Duell mit dem Appenzeller Michael Bless endete ohne Entscheidung. Doch im fünften Gang kehrte er gegen den Gasterländer Hanspeter Kamer mit einem herrlichen Kniestich wieder auf die Siegerstrasse zurück. Im Schlussgang traf der 31-jährige Toggenburger auf den um acht Jahre älteren Thurgauer Stefan Burkhalter. Götte griff sofort an und kam bereits in der ersten Minute zum hochverdienten Sieg. Es war Göttes fünfter Kranzfestsieg, den ersten an einem Glarner-Bündner.

Schläpfer bremste Forrer aus

Bis am Mittag führte Arnold Forrer die Rangliste planmässig mit drei Siegen und 0,25 Zähler Vorsprung auf Urban Götte an. Doch in einem hochstehenden Gang mit Beat Clopath musste Forrer ein erstes Unentschieden in Kauf nehmen. Und im fünften Durchgang kehrte Forrer im Gegensatz zu Urban Götte nicht auf die Siegerstrasse zurück, sondern er fand auch gegen den wirbligen Appenzeller Markus Schläpfer kein Rezept und fiel durch das zwei Unentschieden aus der Entscheidung um den Tagessieg. Eine abschliessende Zehn gegen den Thurgauer Hannes Bühler reichten Forrer mit 0,75 Zähler Rückstand auf Götte zum Ehrenrang, abermals ergab dies am Ende ein Toggenburger Doppelsieg.
Profiteur des gestellten Ganges von Forrer mit Schläpfer war der Thurgauer Altmeister Stefan Burkhalter. Der unterlag zwar im Anschwingen König Arnold Forrer, doch mit vier Siegen war er nach fünf Gängen auf einmal Zweiter, punktgleich mit dem Appenzeller Raphael Zwyssig. Das Einteilungskampfgericht entschied sich für den Eidgenossen aus Ottoberg als Schlussganggegner von Götte. Burkhalter zog sich im fünften Gang beim Sieg über Ruedi Eugster eine Brustbeinzerrung zu, biss jedoch durch. Gegen den entfesselten Urban Götte konnte der angeschlagene Thurgauer dann allerdings nichts mehr ausrichten. Schliesslich blieb Burkhalter Rang vier, noch hinter dem besten Glarner Peter Horner. Von den sieben angetretenen Eidgenossen eroberten sich allesamt den Kranz. Edi Philipp unterlag Urban Götte und musste Peter Horner ein Remis zugestehen. Beni Notz unterlag ebenfalls Götte und musste Markus Schläpfer ein Gestellter zugestehen. Beat Clopath teilte mit Michael Bless und Arnold Forrer in zwei hochstehenden Kämpften die Punkte, und im sechsten Gang auch noch ein drittes Mal gegen Raphael Zwyssig. Mitfavorit Michael Bless kam nach den zwei Unentschieden gegen Cloptah und Bless, zuletzt gegen Tobias Krähenbühl, erneut nicht über eine Punkteteilung hinaus. So klassierten sich die vier weiteren Eidgenossen geschlossen im Rang fünf. Martin Glaus und Mike Peng traten infolge Verletzungen nicht an. Insgesamt wurden 20 Kränze abgegeben: Verteilung: Graubünden (sieben), Appenzell (vier), Thurgau, St. Gallen und Glarus (je drei).

Die glorreichen drei

Den Glarner Schwinger blieben letztlich drei Kränze, in Anbetracht, dass im sechsten Gang nur noch vier darum kämpften, eine gute Ausbeute. Hervorragender Dritter wurde der Ennetbühler Landwirt Peter Horner. Sein Angriff im Anschwingen sah er zwar von Franz Inauen gekontert, der Auftakt missriet. Pascal Preisig sowie Michael von Allmen lieferten anschliessend 20 Punkte und die absolute Bravourleistung gelang Horner mit dem Unentschieden gegen Edi Philipp im vierten Gang. Im Ausstich gewann der Senne beide Gänge, erst gegen Adrian Tanner und zum Schluss über Stefan Brügger, womit er sich hinter den beiden Toggenburger Urban Götte und Arnold Forrer als Dritter einreihte. Ruedi Luchsinger (Haslen) startete ebenfalls schlecht mit einem Nuller gegen Marcel Güntensperger. Mit zwei Siegen über Aurel Inauen sowie Corsin Jörger kehrte auch er wieder nach vorne. Gegen Michael Rhyner setzte es nochmals eine Verlustpartie ab, doch im Ausstich gewann auch Luchsinger beide Kämpfe. Erst gegen Patrick Schnyder und zuletzt gegen Adrian Tanner. Das stärkste Notenblatt aller Glarner hatte eindeutig Roger Rychen (Mollis) vorzuweisen. Er besiegte Beda Coray und Marc Zbinden, mit Marcel Güntensperger ging das Duell ohne Entscheidung aus. Im vierten Gang verlangte er Stefan Burkhalter alles ab, ehe er in den letzten Sekunden auf einen Fussgriff unterlag. Nach einem weiteren Sieg über Pascal Preisig blieb der Sennenschwinger in der Spitzengruppe. Zuletzt teilte er mit Reto Bleiker die Punkte, womit ein absoluter Spitzenrang entschwand, nicht aber der Kranzgewinn.

Zwei Wiedereinsteiger

Der Näfelserbergler Christian Schnyder musste als Einziger um den Kranz untendurch. Er verlor gegen den Prättigauer Christian Aebli. Reto Landolt (Glarus) im Rang 8e letztlich viertbester Glarner vergab seine Hoffnungen auf seinen ersten Schwingerkranz im fünften Gang mit der Niederlage gegen Marcel Oertig. Christian Jöhl (Glarus), ursprünglich ein Benkner, überraschte mit zwei Siegen am Morgen. Mit insgesamt drei Siegen darf sich seine Leistung sehen lassen. Ueli Rychen (Mollis) kam ebenfalls zu drei Erfolgen, der Kranz entschwand durch die Niederlage gegen Reto Bleiker im fünften Gang. Peter Reich vom «Fronalpstockhaus» ob Mollis gelang mit drei Erfolgen ein anständiges Comeback. Dies gab überraschenderweise auch Dachdeckermeister Markus Figi (Luchsingen), dem im zweiten Wettkampfsteil die Puste ausging. Auf zwei Siege und drei Gestellte brachte es Thomas Riedi (Netstal), der einen guten Auftritt zeigte. Christian Pianta (Mollis) und Fridolin Kundert (Rüti) kamen bei ihrer Feuertaufe zu je zwei Siegen.