Eine Frage der Bildung

Jacqueline Jenny, Philippe Haller und Sven Keller wurden gestern, 25. Juni, vereidigt. Anschliessend widmet sich der Landrat Diskussionen zum Tourismus und den Schulen. Integrative Beschulung sowie separate Sprachklassen werden sachlich diskutiert. Durchsetzen konnten sich zweimal knapp die Linken.



Eine Frage der Bildung

Zu Beginn werden drei neue Mitglieder des Landrates vereidigt: Sven Keller von den jungen Grünen, Jacqueline Jenny und Philippe Haller von der FDP. Die Landratspräsidentin Daniela Bösch-Widmer tritt zurück. Ihr war immer wichtig, den Überblick zu behalten und auf alles vorbereitet zu sein, klar zu kommunizieren, positiv und authentisch zu sein. Dem Applaus nach schien ihr das gelungen zu sein. Sie fragt in ihrer Abschlussrede, ob die Landrätinnen und Landräte immer die Sache und nicht sich selbst ins Zentrum gestellt hätten. Ob ihre Voten immer prägnant und präzise gewesen seien.

Eine gute Lehrmeisterin

Als ihr Nachfolger wird Emil Küng, SVP, Obstalten gewählt. «Ich bestätige, Daniela Bösch-Widmer war eine gute Lehrmeisterin», sagt er aus seinem Jahr als Vizepräsident. Er leitet über zur Wahl eines Nachfolgers, Samuel Zingg, SP. Ebenfalls wird Cyrill Schwitter, die Mitte, als vierter Fraktionsvertreter ins Landratsbüro gewählt. Frisch aufgestellt geht der Landrat über zu der letzten Wahl: Für die Fachstelle Datenschutz wird Charlene Kramer, Reichenburg, vorgeschlagen und für den Rest der Amtsdauer bis 2026 gewählt.

Über Wasser und Wohnqualität

Traktandum 8 beinhaltet die Konzession für die Ausnützung der Wasserkraft des Luchsingerbaches von der Bächialp bis zum Brunnenberg. Die Vorgaben über die Restwassermenge werden ohne Voten angenommen. Anschliessend nimmt der Landrat das Protokoll der Landsgemeinde 2025 und die Landsgemeinde-Geschäfte 2026 zur Kenntnis, gleich wie die Geschäftsberichte 2024 des Kantonsspitals Glarus und der Glarner Kantonalbank. Somit kündet sich Traktandum 13 an: Regula Keller, Grüne, stellt die Motion «Kantonales Wasserbaugesetz» vor. Auf kantonaler Ebene sollen die erforderlichen Vorschriften für die Umsetzung des Hochwasserschutzes erlassen werden. Keller fordert eine sechsmonatige Fristerstreckung, die vom Landrat genehmigt wird, damit eine umfassende Auslegeordnung gemacht werden kann. Obwohl Regula Keller betont, dass sie mehr als das erwartet.

Traktandum 14 beinhaltet die Motion von Andrea Bernhard, die den minimalen Gebäudeabstand von acht Metern streichen will, um verdichtetes Bauen zu ermöglichen. Dem stimmt die SP grundsätzlich zu, nur sehen sie die Streichung der acht Meter als nicht zielführend. Mit der Ablehnung der Motion unterstützen sie den Regierungsrat. Die Unterschreitung des Abstandes würde die Wohnqualität mindern.

Lösungen fürs Klöntal

Traktandum 15 beschäftigt sich mit konkreten Lösungen für den Glarner Tourismus. Die Mitte beantragt, dass ganzheitliche Konzepte für die touristische Entwicklung erstellt werden sollen. Im Zentrum stehen Ideen zur Monetarisierung und der Besucherlenkung. Erster Umsetzungsort soll das Klöntal sein, wozu es im April Workshops gab. Cyrill Schwitter will das Postulat der Mitte pendent halten – anstatt wie der Regierungsrat empfiehlt, abzuschreiben. Werner Kälin, SP, folgt Schwitter. Es ginge zu oft um den Verkehr, Verbesserungen sollen schneller umgesetzt werden. Die Grünliberalen sowie die Grünen sind ebenfalls für nachhaltigen Tourismus, diesen zu koordinieren sei Aufgabe des Kantons. Die SVP hingegen unterstützt die Regierung. Wertschöpfung entstünde mit guten Angeboten, sagt Reto Glarner. Die zuständige Regierungsrätin Marianne Lienhard holt aus, sie hätten nun den dritten Vorstoss beantwortet. Es müssen endlich Umsetzungen folgen. Es sollen Lösungen erarbeitet und Massnahmen bestimmt werden, die sie finanziell unterstützen. Der Landrat folgt der Regierung und überweist die Motion als Postulat. Jedoch wollen sie es aber nicht abschreiben, sondern pendent halten. Weniger Diskussionsstoff liefert Traktandum 16: Hürden-Abbau für Solaranlagen. Der Regierungsrat beantragt dem Landrat, die Motion von Kaj Weibel, Junge Grüne, als erfüllt abzuschreiben. Dem wurde zugestimmt.

Bildung als Basis von allem

«Es brennt in unseren Klassenzimmern», stimmt Remo Goethe, FDP, seine Motion an. Traktandum 17 dreht sich um die zukunftsfähige Volksschule, in der Kinder bedarfsgerecht unterrichtet werden sollen. Die integrative Schulbildung führe zu zunehmender Belastung der Lehrpersonen. Damit sie nicht ausbrennen, sollen wieder Sonderklassen eingeführt werden. Sven Keller, junge Grüne, will verhindern, dass der Landrat Signale gegen eine integrative Beschulung sendet. Dies sei ein Kernauftrag des Bildungssystems, es scheitere an fehlenden Ressourcen. Er wird unterstützt von der Mitte und der SP. Samuel Zigg will nicht zurück in ein veraltetes System: «Die Herausforderungen sind nicht die sonderpädagogischen Kinder, sondern die Verhaltensoriginellen.» An der Länge der Voten ist zu spüren, dass das Thema bewegt. «Bildung ist Basis von allem in diesem Land», sagt Hans Jenny und unterstützt damit seinen FDP-Parteikollegen Goethe. Kaspar Becker erklärt, dass die Regierung die Motion überweisen will. Der Kanton sei kein Vorreiter in Sachen Integration, «bei Weitem nicht.» Die Regierung sei bereits an dem Thema dran. Mit 29 zu 28 Stimmen wird dem Antrag von Sven Keller, junge Grüne, zugestimmt, dass die Motion als Postulat – ohne die Wiedereinführung von Sonderschulen – überwiesen wird.

Nein zu separaten Sprachklassen

Weiter geht es mit der FDP-Motion – Traktandum 18 – die sich ebenfalls mit den Schulen beschäftigt. Kinder, die bei der Einschulung kein Deutsch verstehen, sollen eine Sprachklasse besuchen und nach einem Jahr in die Regelklasse wechseln. Auch die Grünliberalen, die SP und die Mitte wollen eine zukunftsfähige Schule. Trotzdem folgen sie der Regierung, welche dem Landrat beantragt, die Motion abzulehnen. Die Sprachklassen würden organisatorisch keinen Sinn machen. Regierungsrat Kaspar Becker erklärt, dass die meisten fremdsprachigen Familien ihre Kinder vor der Einschulung für Deutschprogramme anmelden. Die meisten Forderungen seien schon umgesetzt. Mit 29 zu 27 Stimmen wird die Motion abgelehnt. Der Landrat triff sich wieder am 27. August.