Landsgemeinde-Nachlese

Eine schöne, aber lange Landsgemeinde liegt hinter uns. Beim traditionellen Menü wird wie immer Rückschau gehalten.




Auch dieses Jahr trifft sich eine grössere Runde bei uns zum obligaten Kalberwurstessen nach der Landsgemeinde. Die Gäste aus dem Glarnerland und von auswärts geniessen das spezielle Menü und diskutieren über einzelne Geschäfte sowie grundsätzlich über die Landsgemeinde. Das gemütliche Beisammensein zieht sich bis in den Abend hinein.

Was hat den Gästen am besten gefallen? «Die Ur-Demokratie, die auch im Ausland Beachtung findet», meint der Älteste in der Runde. Er lobt zudem das für einmal schöne Wetter, findet jedoch, die Landsgemeinde sei zu lange gegangen. Er hat Recht: So lange dauert sie selten. Wäre die Überraschung bei der Vorlage Lintharena nicht gewesen, wären wir wohl noch viel länger auf dem Ring gestanden. Was angesichts der abschüssigen Fläche irgendwann zur Strapaze wird.

Die Jüngste im Bunde würdigt die – leider wenigen – kurzen Voten, dass Junge vermehrt das Wort ergreifen und dass es auch Raum gibt für ungeübte Redner. Erstaunt zeigen sie und ihr Mann sich von der Tatsache, dass die BDP beim Traktandum Lintharena keinen Antrag gestellt hat, obwohl Nationalrat Martin Landolt im Vorfeld gesagt hatte, er versenke das Geschäft an der Landsgemeinde in fünf Sätzen, wenn es nötig sei. «Aber mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden.»

Eine Glarnerin nennt den feierlichen Einzug der Behörden: Sie bekomme dabei «fast Hühnerhaut». Auch dass Land und Volk unter den Machtschutz Gottes gestellt würden, gehe unter die Haut. «Wo sonst gibt es das?» Der respektvolle Umgang, das perfekte Wetter und das anschliessende gemütliche Zusammensein «mit lieben Freunden und einem feinen Essen» sind für sie weitere schöne Aspekte des Landsgemeindesonntags.

Der soziale Aspekt wird noch von anderen Gästen gewürdigt. «Ich habe viele Auswärtige getroffen, unter anderem aus dem Linthgebiet. Die Landsgemeinde ist auch für sie ein Anziehungspunkt. So nah, aber doch ganz anders», sagt ein Mann aus dem Kanton Schwyz.

«Es ist wie ein Riesen-Klassentreffen. Man trifft immer die gleichen Leute am gleichen Ort. Es ist etwas sehr Schönes für mich», meint ein Gast, der aus dem Kanton St. Gallen ins Glarnerland gezügelt ist. Er habe übrigens noch nie einen so vollen Zug erlebt.

Ein ehemaliger Landrat ist der Ansicht, dass die Landsgemeinde über- und unterschätzt werde. Überschätzt von den Glarnern: «Die Landsgemeinde ist nicht der Himmel auf Erden.» Man müsse sie relativieren, wie es das neue Buch von Lukas Leuzinger tue. Dass die Landsgemeinde nicht perfekt ist, erachtet der ehemalige Landrat aber als wunderbar: «Auch wenn die Abstimmungen noch so knapp sind, wird das Ergebnis doch nicht angezweifelt. Das ist sehr aussergewöhnlich.» Unterschätzt werde die Landsgemeinde vom Schweizer Fernsehen, welches sie wie einen folkloristischen Anlass oder ein Kuriosum darstelle. In der Hauptausgabe der «Tagesschau» am Sonntagabend war die Landsgemeinde notabene kein Thema. Die Fernsehmacher zogen die Ehringer Kühe vor ... Unglaublich!

Eine Frau findet es einzigartig, dass viele Glarnerinnen und Glarner nicht mit einer vorgefassten Meinung in den Ring kommen, sondern sich von guten Argumenten überzeugen lassen. «Deshalb ist es wichtig, klar und deutlich zu reden. Und vor allem nicht zu lang, sonst schalten die Leute ab.»
Ein Mann bedauert schliesslich, dass nur wenige Häuser beflaggt werden – vor allem auch am Landsgemeindeplatz. «Es ist schade, dass dieser Tradition nicht mehr nachgelebt wird», meint er. Selbstverständlich flattert der Heilige Fridolin bei seinem Haus im aufkommenden Wind, dank dem die Temperaturen an diesem schönen Landsgemeindesonntag erträglich bleiben. Es war wirklich ein guter Tag!