«Lebendiges Glarnerland»

Der äussere Rahmen der geschickt inszenierten Buchvernissage war schon bemerkenswert. Vor dem Sudhaus der Brauerei Adler AG in Schwanden standen Tische und Bänke bereit, Sonnenschirme hielten für erste die Hitze, später den einsetzenden Regen zurück. Es wurde geredet, gejodelt, genossen, gekauft, tüchtig geblättert, anerkennend kommentiert und verweilt. Grund war das von der Historikerin Susanne Peter-Kubli und dem Fotografen Sasi Subramaniam geschaffene Buch mit dem vielversprechenden Titel «Lebendiges Glarnerland» über Bräuche, Feste und Traditionen.



Das gutgelaunte Publikum hatte die vorhandenen Plätze rasch besetzt. Wer zu spät erschienen war, hatte das Nachsehen, Viele hörten sich die Reden und Volksverbundenes der Musikerinnen Leandra Dieffenbacher und Annemarie Hodel im Stehen an. Alphorn, Akkordeon, Jodel, währschaftes Chlefele, ein veritabler Alpsegen, Gitarre – die Fülle des Gebotenen war riesig, war zugleich Einstimmung zu mehreren, willkommen kurzen Reden und Zwischenmusiken.

Roland Oeschger, Geschäftsführer Adler Bräu Schwanden, war charmanter Hausherr und aufmerksamer Gastgeber. Was Bier und Buchinhalt verbindet, war mit Hinweis auf die neu eingeführte «Getränkelinie» mit Bieren wie «Rufelihund», «Vrenelisgärtli» und «Geisser» rasch erklärt. In diesen Namen verbergen sich Sagen und leicht Geheimnisvolles – so soll der Biergenuss denn auch sein.

Regierungsrat Andrea Bettiga überbrachte die Grüsse der Landesregierung, bevor er sich recht «träf» zur Bedeutung des Brauchtums, dessen Pflege und Aufrechterhaltung der zuweilen gesunkenen Identität, den Sinn der Gemeinschaft und den Stellenwert der vielen Vereine äusserte. Zuweilen verschwindet ein wertvolles, über Jahrzehnte gewachsenes Brauchtum. Vereine müssen ihre Zielsetzungen einschränken, weil neue Mitglieder fehlen.

Bettiga erwähnte sodann die im Jahre 2011 erfolgte Gemeindestruktur und die Aufgaben der neuen «Dorfteile», deren Eigenständigkeit mit Bezug auf Brauchtum und Traditionen. Gelebte und bewährte Angebote müssen unbedingt weiterleben. Vieles ist in diesem Sinne mit einer heranwachsenden Pflanze vergleichbar – auch sie gilt es zu pflegen. Er gratulierte Susanne Peter-Kubli und Sasi Subramaniam ganz herzlich zu diesem in der Buchlandschaft sehr bemerkenswerten, willkommenen Werk.

Gaby Ferndriger, Verlegerin des Bäschlin Verlages, erwähnte, dass vor nunmehr exakt 116 Jahren ein Buch über glarnerische Traditionen und dem Brauchtum erschienen sei. Die Zeit für Überarbeitung, neue Zusammenfassung und Aktualisierung sei überreif gewesen. Sie gab ihrer berechtigten Freude Ausdruck, dass so viele Sponsoren auf Anfragen absolut positiv und grosszügig reagiert hätten. Sie verglich dieses Unterstützen mit der Arbeit des «Buchhandwerkers», der in einer noch unbekannten Sparte tätig ist. Klug verband sie das Ineinandergreifen der Arbeitsgänge bei der Werdung des stattlichen Hauses. Sie freute sich über dieses «majöörisch» schöne Buch.

Die Laudatio hielt Sepp Schwitter, ehemaliger Ratssekretär. Mit der Buchautorin hatte er vor drei Jahrzehnten anlässlich einer Ausstellung über die Reformation erstmals Kontakt. Susanne Peter, mit Netstaler Wurzeln, so Sepp Schwitter, sei lieber im Hintergrund, suche, forsche, sei in dieser Arbeit begrüssenswert neugierig und leidenschaftlich. Und mit der Beschreibung des Brauchtums werde aufgezeigt, dass die Glarner alles andere denn ein «nüchternes Völchli» seien. In vielem habe man sich anpassen müssen, dies nicht immer freiwillig. Schwitter erwähnte als Beispiele die Industrialisierung, Landwirtschaft und Reformation. Er erwähnte, was das Buch wahrlich wertvoll mache. Es seien der Blick über die engen Kantonsgrenzen hinaus, die Bedeutung des Heiligen Fridolin – mit Fridlisfüür und den regelmässigen Besuchen in Säckingen, die Landeswallfahrt nach Einsiedeln, die vielen ganz besonderen Rezepte, das Brauchtum, das keine Grenzen zwischen Volksgruppen schaffen soll, Sport und Vereine und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten.

Das Bildmaterial ist stark, vertieft Aussagen. Sasi Subramaniam hat vieles als Aussenstehender eingefangen und damit willkommene Akzente gesetzt. Schwitter schloss mit der Aussage, dass man bei der Lektüre mit Geniessen, Zurückerinnern unweigerlich beginnen werde.

Susanne Peter-Kubli ist sich sicher, dass bewährtes Brauchtum unbedingt erhalten werden muss. Sie habe sich gefreut, dass sie vor ungefähr einem Jahr die Anfrage zur Gestaltung dieses Werks erhalten habe. Sie habe eine Vielzahl von Leuten mit ihren Fragen zuweilen fast gelöchert, in vielen Quellen – als Beispiele nannte sie die vielen Bände des Neujahrsboten, einen Band von Blumer-Heer aus den Achtzigerjahren und ein Werk von Buss, Zeitungsausschnitte und anderes. Sie zeigte auf, wie sie als «chliine Chnopf» die Fahrt einst erlebt habe. Ihr Credo ist bemerkenswert kurz, prägnant. Über Bräuche rede man nicht, man mache sie.

Sie zeigte auf, dass sie über das alte Brauchtum viel dazugelernt habe, sie erwähnte das Chlausschellen als vergnügliches, interessantes Beispiel. Sie habe in dieser Vielfalt Schwerpunkte setzen müssen.

Es wurden nette Geschenke überreicht. Man verweilte beim Apéro, kaufte sich das Buch, liess es signieren, begann zu blättern und vergass darob schon mal die Zeit – in diesem Falle ein gutes Zeichen.