Lebensqualität bis zuletzt

Palliative Care ist in aller Munde. Aber was ist das? Und wie sieht die Situation im Kanton Glarus aus? Darüber wurde am vergangenen Donnerstagabend in der Aula der Kantonsschule Glarus informiert.




«Wenn Sie schon im Schauspiel so verbunden sind, wie sehr werden Sie das dann im Netzwerk sein», sagte Pfarrerin Karin Kaspers Elekes, Präsidentin von Palliative Ostschweiz, am Informationsabend. Rund 150 Personen hatten sich in der Aula versammelt, um mehr über das Netzwerk Palliative Care im Kanton Glarus zu erfahren.

Sie kamen in den Genuss einer hervorragenden Präsentation. Zunächst referierte Karin Kaspers Elekes über Palliative Care und die Ostschweizer Organisation. Letztere hatte tagsüber unter dem Titel «Sorgekultur – Leben» den 10. Hospiz- und Palliativtag Ostschweiz in Glarus durchgeführt. Rund 370 Fachpersonen und Freiwillige hatten die spannenden Referate verfolgt und sich engagiert an den verschiedenen Workshops beteiligt. Am Abend war dann die Bevölkerung eingeladen, sich über die Situation im Glarnerland informieren zu lassen.

Breite Unterstützung für Patienten und Angehörige

Laut Karin Kaspers Elekes versteht man unter Palliative Care alle Massnahmen, die das Leiden eines unheilbar kranken Menschen lindern und ihm eine bestmögliche Lebensqualität bis zum Ende verschaffen. Sie schliesst medizinische Behandlungen, pflegerische Interventionen sowie psychologische, soziale und spirituelle Hilfe mit ein. Unterstützt werden auch die Angehörigen, welche die Krankheit des Patienten und die eigene Trauer verarbeiten müssen. «Das Ganze bildet ein Netzwerk», sagte die Ostschweizer Präsidentin und freute sich, dass nun auch im Kanton Glarus ein Forum gegründet werden soll.

Orsolya Ebert, Hauptabteilungsleiterin Gesundheit im Departement Finanzen und Gesundheit, würdigte die Bestrebungen bei uns als grossen Meilenstein. Sie sei sehr froh über die Initiative der Leistungserbringer, welche der Kanton unterstütze. Sie dankte speziell Rita Schwitter für das unermüdliche Engagement – mit kleinen Schuhen, welche Rita Schwitter gleich weitergab an Jessica Landolt, welche das Forum leiten wird und dieses vorstellte.

Konzept als Gemeinschaftswerk

Regula Berchtold, Leiterin Departement Pflege des Kantonsspitals Glarus, gab einen Einblick in die Aufbauarbeit. Seit 2014 bietet das Spital eine stationäre Einheit Palliative Care mit einem multiprofessionellen Team an. Die Zimmer sind speziell eingerichtet, hell, farbig, behaglich. Den Patienten und deren Bezugspersonen, die rund um die Uhr anwesend sein können, solle es möglichst wohl sein.

Aber ohne Vernetzung nütze die Station nichts. Deshalb hat eine Projektgruppe, in der alle beteiligten Institutionen vertreten sind, in dreijähriger Arbeit das Konzept «Netzwerk Palliative Care im Kanton Glarus» erstellt. Dieses hält fest, dass die Versorgung palliativer Patienten nahtlos zwischen den verschiedenen Leistungserbringern und Freiwilligen auszuführen sei – spezifisch und hochprofessionell, d.h. mit gemeinsamen Behandlungsstandards sowie gesicherter Fort- und Weiterbildung. Eine neue 40-Prozent-Stelle «Spezialisierte Palliative Care im Kanton» soll in die Drehscheibe Gesundheit eingegliedert werden, Leistungsaufträge gilt es anzupassen, Palliation soll in die kantonale Gesetzgebung aufgenommen werden. Ausserdem soll das Forum Palliative Care Kanton Glarus gegründet werden. Der Regierungsrat hat diesbezüglich bereits grünes Licht gegeben.

Hervorragendes «Schauspiel»

Breiten Raum nahm schliesslich das von Karin Kaspers Elekes genannte «Schauspiel» ein. Anhand eines konkreten Beispiels wurde die Vernetzung bei der Pflege und Behandlung eindrücklich aufgezeigt. Cornelia Cantieni schilderte den Verlauf der schweren Krebserkrankung bei ihrer Mutter. Dazwischen traten die diversen Netzwerkpartner auf und informierten über ihre Leistungen: Spital, Hausarzt, Sozialdienst, Krebsliga, Seelsorge, Spitex, Therapien, Freiwillige, Rotes Kreuz, Langzeitpflege, Alzheimer Vereinigung, Pro Senectute und Institutionen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Musiktherapeutin Catherine Fritsche vertiefte mit ihren Klanggemälden das Gehörte – am Schluss auch mit Einbezug des Publikums, um das Gemeinsame nochmals zu betonen. Hervorragend!

Zum Abschluss lud das Kantonsspital zu einem Apéro ein, an welchem rege über das Gehörte und Gesehene diskutiert wurde.