Leonce und Lena

Bitterböse Prinzensatire und romantisches Märchenspiel in einem ist dieses von Georg Büchner (1813-36) ursprünglich für einen Dramenwettbewerb verfasste Stück. Als Lustspiel steht es wie ein glänzender, humoresker Lichtschein zwischen seinen beiden eher düsteren Dramen Dantons Tod und Woyzeck. Hinter den geschliffenen Scherzen und geistreichen Sentenzen jedoch lauert die existenzielle Frage nach der Sinnhaftigkeit des Daseins.



Lächerliche Figur: König Peter vom Reiche Popo wird angekleidet. (Bild: zvg)
Lächerliche Figur: König Peter vom Reiche Popo wird angekleidet. (Bild: zvg)

In ihrer Sehnsucht nach Liebe und Freiheit wagen zwei junge Menschen den radikalen Schritt in die Unabhängigkeit: Sie fliehen von zuhause, nur mit dem Nötigsten versorgt, in eine ungewisse Zukunft. Die Rede ist von den beiden Königskindern Leonce und Lena, die so jeweils gegen ihre bevorstehende arrangierte Heirat aufbegehren. Während sie – sich nicht kennend und nichts von einander wissend – durch die Gegend streifen, traktiert Leonces Vater, König Peter von Popo, den Hofstaat mit seinen philosophischen Ergüssen.
Den Prinzen Leonce zieht es mit seinem Begleiter Valerio als erstes gleich in das nächste Wirtshaus, während sich Prinzessin Lena jederzeit auf den Einfallsreichtum ihrer Gouvernante verlassen kann. Da passiert das Unglaubliche: Die beiden Grüppchen stossen aufeinander und Leonce entbrennt sofort in heisser Liebe zu Lena, obwohl er erst kurz vor seinem Aufbruch seine Beziehung zu Rosetta brutal beendete. Ohne zu wissen, dass sowohl Leonce als auch Lena diejenigen sind, die einander versprochen sind und der jeweils andere ja der ist, vor dem sie auf der Flucht sind, beschliessen sie, verkleidet an König Peters Hof zurückzukehren und so inkognito zu heiraten.
Die vordergründig einfache und konventionelle Geschichte dient dem Sprachgenie Büchner als Folie für eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Welt, für tiefgreifende Gedanken, die hinter dem clownesken Spiel mit Sinn und Unsinn hellsichtig hervorblitzen.
Gewürzt wird dieses bunte Treiben der skurrilen Büchnerschen Gestalten mit viel Musik, von einer E-Gitarre live unterstützt, und das Bühnenbild dient schnörkellos zur Unterstützung der spielerischen Energie der Schauspieler.