Lernort statt Schulzimmer
Wer die Räume des Lernhaus Sole betritt, sucht klassische Schulzimmer vergeblich. Stattdessen finden sich Werkstätten, Kreativräume, Nähatelier, Robotik- und 3D-Druck-Bereiche, Bücherinseln und Orte zum Experimentieren. Die Kinder bewegen sich frei zwischen diesen Erlebnisräumen und verfolgen eigene Projekte. Gegründet wurde das Lernhaus Sole von Hanna und Nils Landolt. Auslöser war die Frage, wie Kinder eigentlich lernen und was sie für ihre Entwicklung wirklich brauchen. Inspiriert von alternativen Bildungsmodellen entstand die Idee einer Schule, in der Neugier, Kreativität und Selbstwirksamkeit im Mittelpunkt stehen. Statt Stundenplan und Fächerkanon setzt das Lernhaus auf sogenanntes «Creative Learning»: Lernen soll aus Interesse entstehen und einen direkten Bezug zum Alltag haben.
Eigene Projekte
Ein typischer Schultag sieht deshalb für jedes Kind anders aus. Während einige an technischen Projekten arbeiten oder mit dem 3D-Drucker Modelle entwickeln, nähen andere Kleidung, lesen Bücher oder vertiefen sich in naturwissenschaftliche Experimente. Die Lernbegleiter unterstützen die Kinder dabei, eigene Fragen zu verfolgen und Lösungen zu finden. Dabei gehe es keineswegs darum, Grundlagenfächer auszublenden, betont Nils Landolt. Mathematik oder Sprache würden oft ganz selbstverständlich in Projekten vorkommen. Wer beispielsweise mit dem 3D-Drucker arbeitet, rechnet mit Massen, Volumen oder Prozenten, ohne dies als klassischen Mathematikunterricht zu erleben. Im Zentrum steht die Überzeugung, dass Kinder am nachhaltigsten lernen, wenn sie Sinn und Bezug zu dem erkennen, was sie tun. Gleichzeitig sollen Fähigkeiten gefördert werden, die in einer sich wandelnden Welt immer wichtiger werden: Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation und Zusammenarbeit.
Wachsende Nachfrage
Dass das Interesse an alternativen Bildungswegen wächst, zeigt die Entwicklung der Schule. Nach schwierigen Anfangsjahren steigt die Zahl der Anfragen stetig. Manche Familien nehmen dafür sogar lange Anfahrtswege in Kauf. Für die Verantwortlichen ist dies ein Zeichen dafür, dass viele Eltern nach neuen Formen des Lernens suchen, und dass Schule vielleicht auch ganz anders gedacht werden kann.




