Lese-Tipp: Hitze und nochmals Hitze – ein Buch tut gut

Die nicht enden wollende Hitze im Tal ist für viele unerträglich geworden. Strände an den Seen sind gut belegt, die Badis feiern einen Rekordtag nach dem andern. Kurz: Die Aufenthalte im Freien sind für Ferienliebhaber zuweilen belastend. Warum verkriecht man sich nicht in eine mehr oder weniger kühle Ecke und holt sich ein Buch hervor, das man schon lange mal lesen wollte? Immer fehlte die entsprechende Zeit für dieses Vorhaben, aber jetzt …




Es wird versucht, aus der Vielzahl von Angeboten, Unbekanntes mit Bezug zum Glarnerland näher vorzustellen. Beinahe an den Anfang seien Pia Landolts Aufzeichnungen aus ihrem Leben mit dem Titel «Acht Geissen und acht Gofen» gestellt. Die Autorin des kleinen, heiteren Werkleins sei – so ist auf der Umschlagklappe nachzulesen – eine Tochter des Geissen Sepp und der Anna Landolt. Sie stammt aus einer zehnköpfigen Familie. Das Titelbild des kleinformatigen Büchleins gestaltete Alois Hüppin. Die reizenden Fotos auf den letzten der beinahe 90 Seiten führen bis in die Zwanzigerjahre zurück und sind Zeugen einer zuweilen entbehrungsreichen Zeit.

Pia Landolt schildert erfrischend, offen, sich auf Wesentliches beschränkend. Man lernt ein Stück Näfels kennen – in kurzen etwas mehr als 70 Kapitelchen, die nie länger als eine Seite im Postkartenformat sind. Man gewinnt die Autorin lieb, wenn man an Vergangenem Gefallen hat, für sich selber lang Zurückliegendes wieder aufleben lassen will.

Zuerst stellt Pia Landolt ihre Mutter, eine Benknerin, vor. Sie vermählte sich mit Pia Landolts Vater im November 1927 und zwar in Einsiedeln. Zuerst wurde in Kaltbrunn ein kleiner Hof erworben. Die Mutter habe Möbel und Wäsche, der Vater eine Kuh und ein Schwein in die Ehe gebracht.

Im Militärdienst habe ihm der Kommandant vor versammelter Truppe in lautestem Ton mitgeteilt, dass er Vater geworden sei und nun Urlaub habe. Im Laufschritt sei dann der Vater heimgesaust und schon am Bahnhof in Kaltbrunn sei er wieder mit dieser Neuigkeit konfrontiert worden.

Anfang 1932 wurde nach Näfels an die Bergstrasse gezügelt. Pia Landolt protkolliert das so: «Vier Gofen und ein paar Geissen.» Man habe auch nach dem Umzug ins Oberdorf in einer wahrlich alten Hütte gewohnt.

Es wird über liebe und weniger nette Nachbarn berichtet; man erfährt, wie der Vater bei Frau Böni die Fusspflege übernahm; man liest in aller Kürze etwas über den Zizimüsi, den kinderfreundlichen Tuschä-Fridi und Fridis Ross. Und in der Schule habe Lehrer Balz Schmuckli die Noten «nicht nach arm und reich gemacht». Einen Berufskollegen, dessen Unterricht die Autorin ebenfalls besuchte, nannte man das «Tatzenmandli».

Bis 1932 arbeitete Pia Landolts Vater im Steinbruch Weesen. Abends besorgte er die Geissen. Und plötzlich gab es keine Arbeit mehr. Das Stempelgeld reichte nicht aus für den Familienunterhalt. So wurde er in Näfels Geisser. Die Kinder begleiteten ihn mit der Herde, halfen, wo es notwendig war. Freimütig schreibt Pia Landolt über Belastendes, etwa als die Kinder vorübergehend fremdplaziert werden mussten, weil die Mutter unerwartet lange im Spital weilte. Kirchliche Feiertage, Arbeit auf dem Feld, ungeliebtes Essen (beispielsweise eine Portion, die in der «Füdlitäsche der Tschuttihösli» verstaut wurde), Ferien beim Grossvater und anderes füllen weitere Seiten. Man erfährt den Unterschied zwischen «Ihren» und «Duzen», liest, was Bruder Fritz im Sani Braunwald durchmachte, wie die Josephii auf Obersee wirtete, weshalb Pfarrer Braun der Pia absolut ungerechtfertigt eine Ohrfeige verpasste oder was es mit Kartoffeln im Hochgebirge, Heidelbeeren, einer Ruderfahrt auf dem Obersee, dem Sööligeist und anderem auf sich hatte.

Man lernt eine gute Portion an Glarnerdeutschem und liest sich gerne durch die zahlreichen Begebenheiten, die so liebenswürdig ehrlich und mit grosser Direktheit dargestellt sind.


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