Leserbrief bezüglich Braunwaldbahn



Wunderschönes Wetter, mehr Freiheiten und ein verlängertes Wochenende, was will man mehr? An Auffahrt zog es viele Menschen in die Natur und so auch in die Berge, nach Braunwald. Wie viele wissen, ist Braunwald lediglich mit einer Standseilbahn zu erreichen – man parkt sein Auto an der Talstation in Linthal, kauft sich ein Ticket und fährt anschliessend mit der Bahn bis zur Bergstation in Braunwald. Nach verschiedenen Berichten von Gästen, Freunden und Familie mussten wir jedoch feststellen, dass die Braunwaldbahn am Auffahrtswochenende mit dieser Situation anscheinend völlig überfordert war. Viele Gäste suchten vergebens die Abteile nach einem Ort ab, an dem sie weniger exponiert reisen konnten. War jemand anwesend und half den Besuchern, einen Ort zu finden, wo sie warten konnten (mit sicherem Abstand), oder machte jemand eine Kontrolle, wie viele Menschen in die Abteile gehen dürfen? Nein. Überall spricht man von Vorsichtsmassnahmen, die getroffen werden müssen. Die Restaurants müssen einen 2-m-Abstand einhalten und Personendaten aufnehmen. Im ÖV ist man selbst dafür verantwortlich, für den empfohlenen Sicherheitsabstand zu sorgen oder – falls dies nicht möglich ist – eine Maske zu tragen. Nach meinen Messungen dürften weiterhin nur 4 Personen ein Abteil teilen. Eine Maske? Natürlich, wenn man bei dieser Hitze in einem Abteil voll mit Leuten noch atmen kann, sehr empfehlenswert. Nebenbei bemerkt, wenn man sich richtig informiert, nützen diese Masken nicht, um sich selbst zu schützen, und sie helfen kaum, wenn 50% eine tragen und 50% nicht. Nun, die Abteile waren voll, die Braunwaldbahn fuhr dennoch nicht regelmässig und bemühte sich in keiner Weise, den Personenstrom zu kanalisieren. Viele Besucher waren verständlicherweise entsetzt. Dies mussten wir, die Einwohner Braunwalds, des Öfteren hören. Wir wollten daher etwas unternehmen, damit es am Pfingstwochenende nicht zum Eklat kam. Reklamationen bei der Braunwaldbahn selbst wurden abgewiesen, nicht ernstgenommen und mit «Wir machen das, was wir müssen, aber nicht mehr», beantwortet. Die Anfrage bei der dafür zuständigen Regierung, die Braunwaldbahn während dieser speziellen Zeit doch im 15-Minuten-Takt fahren zu lassen, wurde mit der Begründung abgelehnt, dass eine solche Anweisung vom Bundesamt für Verkehr kommen müsse und dieses das Anliegen als nicht opportun erachte: «Die Fahrzeit der BRSB liegt mit 8 Minuten klar unter der vom BAG definierten kritischen Länge von 15 Minuten bei einer Vollbelegung des Fahrzeugs.» Vollbelegung: das sind 20 Personen pro Abteil. Und die Anwesenheit der Fahrgäste beschränkt sich kaum je auf die reine Fahrzeit, liebes Bundesamt. Am Auffahrtswochenende sei man bis zu sechs Kurse pro Stunde gefahren … Nun ja, ich persönlich stand eine halbe Stunde in der Bahn, bis ich nach Hause konnte, nicht lediglich 8 Minuten, bis die Bahn wieder unten ankam.

Leider erstaunt dies keinen hier oben. Von der Regierung wird Braunwald grundsätzlich nicht ernstgenommen. Die Leitung der Braunwaldbahn bringt der Bevölkerung keinerlei Respekt entgegen. Was immer jene an Kritik und Anregungen betreffend der Standseilbahn anbringen, die tagtäglich auf sie angewiesen sind und von denen die Bahn lebt, wird ins Lächerliche gezogen oder unter den breiten Regierungsratstisch gekehrt. Sehr geehrter Regierungsrat, liebe Leitung der Braunwaldbahn: Standen Sie schon einmal vor der geschlossenen Glastüre, obwohl die Abfahrtszeit noch nicht gekommen war, und sahen den leeren Wagen entschwinden? Haben Sie schon einmal auf Hilfe beim Warenauslad gewartet, während sich die Zuständigen in ihre Kaffeestube zurückziehen? Haben Sie einmal versucht, mit einem Kinderwagen und Gepäck das Bähnli zu erklimmen, während sich die Mitarbeitenden angeregt miteinander unterhielten? In den 23 Jahren, in denen ich leider auf die Dienste der Bahn angewiesen bin, erlebe ich solches jeden Tag. Erlebe die Frustration der Gäste, die sich freudig auf den Weg nach Braunwald gemacht haben. Sollte nicht die Braunwaldbahn mit der Bevölkerung im Interesse des Ortes und des Kantons zusammenarbeiten, gerade auch in diesen schweren Zeiten?

Wir sind, einmal mehr, enttäuscht. Auch von der Leitung der Bahn, der Dienst am Gast offenbar ein unbekannter Begriff ist. In allererster Linie aber von der für die Bahn zuständigen, von uns gewählten und bezahlten Regierung des Kantons Glarus.

Für die Braunwalder Jugend
Ivana Stuber