Liebe ist weder Tugend noch Laster

Der Verein «Hössli Haus» hielt seine erste Mitgliederversammlung im Hotel Post Glarnerhof ab. Im Anschluss las Nationalrätin Anna Rosenwasser aus ihren Büchern vor.



Der Vorstand des Vereins «Hössli Haus» mit prominentem Gast: (von links) Werner Kälin (Präsident), Eva-Maria Kreis (ehem. Vorstand), Kaj Weibel (ehem.), Simon Gisler (neu im Vorstand), Anna Rosenwasser (Autorin und Nationalrätin), Manfred Müller (neu), Sarah Küng (neu). (Foto: Søren Ehlers)
Der Vorstand des Vereins «Hössli Haus» mit prominentem Gast: (von links) Werner Kälin (Präsident), Eva-Maria Kreis (ehem. Vorstand), Kaj Weibel (ehem.), Simon Gisler (neu im Vorstand), Anna Rosenwasser (Autorin und Nationalrätin), Manfred Müller (neu), Sarah Küng (neu). (Foto: Søren Ehlers)

Heinrich Hössli (1784–1864) wurde im Haus an der Abläschstrasse 10 in Glarus geboren. Hössli, Hutmacher und Textilkaufmann, ist vor allem deshalb nicht vergessen gegangen, weil er ein aussergewöhnliches Werk schrieb. 1836 erschien «Eros – die Männerliebe der Griechen». Sein Grundgedanke war: «Keine Liebe ist an sich Tugend oder Laster.» Somit wurde Hössli ein Vorkämpfer für die gleichgeschlechtliche Liebe, und sein Werk wurde weit über die Schweiz hinaus bekannt.

Ereignisreiches erstes Vereinsjahr

Vor einem Jahr wurde der Verein «Hössli Haus» gegründet. Sein Ziel ist es, Heinrich Hösslis Geburtshaus zu kaufen und sein Andenken lebendig zu halten. Das Haus soll zur Pflege der Erinnerungskultur und als Treffpunkt für Menschen dienen, die sich gemeinsam für Akzeptanz und Gleichstellung einsetzen sowie für alle Interessierten. Präsident Werner Kälin begrüsste 30 Vereinsmitglieder zur ersten Mitgliederversammlung im Hotel Post Glarnerhof. In seinem Jahresbericht schaute er auf ein ereignis- und erfolgreiches Jahr zurück. Darunter waren Anlässe zur Erinnerung an Heinrich Hössli und als Grossevent die «Glarus Pride». 800 Besucher/-innen, vier Stadtführungen, eine Rede von Landammann Kaspar Becker, Lesungen und ein Chorkonzert brachten dem Verein einen Gewinn von 18 000 Franken ein.

Neu in den Vorstand gewählt wurden Simon Gisler, Manfred Müller und Sarah Küng. Eva-Maria Kreis und Kaj Weibel verliessen den Vorstand. 

Das zweite Vereinsjahr wird geprägt sein vom Projekt «Kauf des Hössli Hauses». «Die Chancen stehen gut, dass der Verein das Geld für den Kauf zusammenbringt», sagte Präsident Werner Kälin. Bereits seien Zusagen eingegangen. Dennoch sei das Projekt kein Selbstläufer. Einerseits sucht man Geldgeber, andererseits plant man die vielfältige Nutzung und eine Kooperation mit dem ersten «Clubhaus» der Schweiz als Ort sozialer Teilhabe für Menschen mit psychischer Erkrankung.

Lesung mit Herz

Mit einem Apéro wurden die zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Lesung von Anna Rosenwasser empfangen. Die 35-jährige Journalistin und Autorin ist seit zwei Jahren Nationalrätin für die Zürcher Sektion der SP. «Vorlesen ist der Lieblingsteil meiner Arbeit als Autorin», erzählte Rosenwasser. Während 90 Minuten las sie aus ihren beiden Büchern «Rosa Buch» und «Herz» vor. Auch forderte sie das Publikum auf, ihr Fragen zu stellen. Dieser Kontakt mit dem Publikum, es waren über 80 Personen anwesend, machte ihr offensichtlich Spass.

Viele von Anna Rosenwassers Texten handeln von sexueller Orientierung (schwul, lesbisch, bisexuell) und Geschlechtsidentität (Mann, Frau, Transperson). Sie erzählte dem Publikum Anekdoten aus ihrem Leben. Manchmal muss sie sich wehren für ihr Dasein als bisexuelle Frau, doch oft erlebt sie schöne Begegnungen mit Menschen, die sie so akzeptieren, wie sie ist.

Die Arbeit auf dem politischen Parkett in Bern sei sehr kräftezehrend. Wie sie damit umgehe, fragt jemand aus dem Publikum. Sie brauche einen guten Ausgleich, erzählt Rosenwasser: «Seit ich in Bern bin, gehe ich ins Boxen.»

Auf die Lesung folgte der Bücherverkauf. Christa Pellicciotta von der Buchhandlung Wortreich hatte einen Tisch mit den Büchern von Anna Rosenwasser und Heinrich Hössli aufgebaut. «Sie gehen weg wie warme Weggli», freute sie sich. «So viele Leute stehen selten an, um ein Buch mit Widmung der Autorin zu erhalten.»