«Liebe, Lust und Leidenschaft» – Bernd Lafrenz spielte in Glarus

Wieder luden die Verantwortlichen der Kulturbuchhandlung Wortreich in Glarus zum Besuch eines Theaterstücks ein, alles mit grossem Engagement und spürbarer Gastfreundschaft vorbereitet. Gast auf der kleinsten Bühne des kleinen, feinen Hauptortes war Bernd Lafrenz. Zum zehnten Mal weilte er im «Wortreich».




Und stets waren Sequenzen aus Theaterstücken von Shakespeare angeboten. Mit dem Titel «Liebe, Lust und Leidenschaft» waren Höhepunkte aus sieben Theaterstücken verknüpft. Das bedeutete 44 Rollen in Personalunion – Lafrenz als kreativer Alleinunterhalter, bühnenerprobt bis ins Innerste seiner zahlreichen Theaterseelen.

Diesmal war alles – was die Theaterinteressierten betraf – anders als in Vorjahren. Der Grossteil der bereitgestellten Sitzgelegenheiten blieb unbesetzt – leider. Es war so etwas wie eine Familienvorstellung mit weniger als zehn Mitgliedern. Aber alle zogen kräftig mit, unterstützten den wirbligen Bühnengast nachhaltig, wenn er es forderte, spendeten berechtigt grossen Applaus und hatten über geschätzte 90 Theaterminuten hinweg das kaum nachvollziehbare Vergnügen – gilt für alle, die nicht anwesend waren – Löwen, Pferden, Hausgehilfen, Rüpeln, Trinkfreudigen, Verzweifelten, Rachsüchtigen, Luftgeistern, Nachtgespenstern, sterblich Verliebten, Intriganten der übelsten Sorte, Siegreichen, wagemutigen Seefahrern, Kampferprobten, im Duell Unterlegenen und andern Charakteren zu begegnen. Sie entstammten in ihrer Gesamtheit den übertitelten Stücken Hamlet, Othello, Macbeth, Romeo und Julia, König Lear, Der Sturm und Sommernachtstraum. Um alles theaterwürdig zusammenzufassen, braucht es eine ungeheure Kreativität, über die Bernd Lafrenz nach 30 Jahren umfassenden Soloauftritten zweifellos verfügt. Requisitenmässig tut er das mit minimsten Aufwand, wenn es um Theatralisches geht, ist sein Reichtum an Ausdrucksformen kaum zu bremsen. Er animiert so liebenswürdig gekonnt zum Mitvollziehen, entführt in abgrundtiefste Dunkelheit, wenn es um Rache, Verzweiflung, seelisches Elend und Herzschmerz geht. Er mimt den Siegreichen, Erschöpften, Intriganten, die dienstbeflissene Hofdame, die ohne Brille gar verloren ist; die Adelige, die gar ausdauernd Maniküre betreibt; den Raufbold; den Kämpfer; einen erschöpften Reiter, den echt geilen Tänzer; den leicht deppen Boten samt penetrantem Lachen – die sich zugeordneten Parts in riesigem Tempo wechselnd. Was da Shakespeare-Original oder Eigenkreation ist, spielt eigentlich keine Rolle. Ebenso wenig ist auf den historischen Wahrheitsgehalt zu achten.

Lafrenz interpretiert mit einer kaum überbietbaren Eleganz, mit viel Beschwingtheit, animiert zum Mittun, blendet zum szenischen Geschehen passende Musik ein, ist zuweilen atemberaubend schnell von Geschehnis zu Geschehnis unterwegs. Und es sind nicht wenige Fakten, die da aneinandergereiht werden.

Rollen, die dem Publikum zukommen, werden bereitwillig aufgenommen. Einüben braucht es ja nicht, wenn es um den brüllenden Löwen, das einher galoppierende oder ermattete Reitpferd, Tiere in irgendeinem königlichen Park, Hurrarufe, starken Wellengang oder kenterndes Schiff geht. Lafrenz weist an, wann was Gültigkeit hat.

So kommt eine gar konzentrierte, dichte Fassung von «Shakespearschem» zusammen; in einer riesigen Gefühlswelt verpackt. Und wenn Lafrenz zu Beginn anmerkt, dass «Shakespeare nach Gott am meisten für die Welt geschaffen hat», liegt er vielleicht nicht ganz falsch. Und müsste man nun detailliert zu jedem der ausgespielten Teile schreiben, gäbe es irgendwo in der weiten Medienlandschaft wohl eine Sonderausgabe zu beinahe welterschütternden Fakten eines Bernd Lafrenz. Was da zusammenkommt, ist Krimi, Regenbogenpresse, Promileben, höchste Leidenschaft, Soziales, Völkerverständigung, Mystisches – einfach alles.

Entführt wurde man ab Sitzplatz im Wortreich zu Glarus in den hohen Norden, nach Verona, auf eine zu Zypern gehörende Insel, nach Schottland, Italien – und das über bereits erwähnte 90 Theaterminuten hinweg. Prinz Hamlet, König Claudius, Macbeth,Sir John Falstaff, General Othello, die sich riesig liebenden Romeo Montague und Julia Capulet aus den beiden stark verfeindeten Adelshäusern in Verona, Othello, Desdemona, Lady Macbeth und Hasuhälterin Henriette, König Duncan, der Luftgeist Ariel, Pyramus und Thisbe – sie alle kamen irgendwann – in die entsprechende Handlung eingebettet – vor, entschwanden, um neuen Akteuren Platz zu machen.

Es war eine irgendwie entrückt – verrückte Sache, die ihr Ende fand, – mit dem Dank ans kleine, feine Publikum, an die Gastgeber und dem Ausblick auf Kommendes – dank Hinweisen der gastgebenden Christa Pelliciotta und Bernd Lafrenz.