Literaturpreisträger im Wortreich Glarus

Sieben Personen haben den vom Bundesamt für Kultur zum vierten Mal vergebenen Literaturpreis 2015 erhalten. Es sind dies: Dorothee Elmiger, Hanna Johansen, Guy Krneta, Eleonore Frey, Frédéric Pajak, Claudia Quadri und Noelle Revaz. Der Hauptpreis ging an Adolf Muschg. Die Kulturbuchhandlung Wortreich war nach 2014 wieder Station einer Lesereise durch verschiedene Teile der Schweiz. Es gastierten Dorothee Elmiger, Hanna Johansen und Guy Krneta mit der Moderatorin Martina Kuoni, Moderatorin der Solothurner Literaturtage und des SRF-Kulturclubs in Glarus.



An dieser Station, voll heiterer Stimmung, Gastfreundschaft und Erwartungsvollem, weilten eher wenig Literaturinteressierte. Wie gewohnt wurden sie von Christa Pellicciotta mit spürbarer Herzlichkeit begrüsst. Hinweise auf Kommendes zeigten, welche Vielfalt an Begegnungen zu erwarten ist.

Martina Kuoni zeigte mit ihrem geschickten Moderieren die Verschiedenartigkeit der literarischen Kultur samt Befindlichkeiten auf. Mit jedem Gast befasste sie sich in einer knappen Einleitung auf willkommen persönliche Art. An Hanna Johansen, Verfasserin von gegen 40 Büchern, ging die Frage, wie sie sich nach nunmehr neun Auftritten auf der BAK-Lesereise fühle, ob das Lust oder Last bedeute. Johansen erwähnte ermüdende Wiederholungen, zeigte aber zugleich auf, wie wertvoll und inhaltsreich die Begegnungen mit anderen Preisträgern sind. Der erhaltene Preis sei Anerkennung gegen nie endende Selbstzweifel. Routine stuft sie als nicht eben gut ein. Guy Krneta äusserte sich nach Aufwartungen in Porrentruy, Martigny, Genf und anderswo zu Übersetzungen seiner Mundarttexte. Das Nebeneinander der Sprachen sei interessant. Er könne oft auf Erlebnisse und Begegnungen bei Reisen bauen. Dorothee Elmiger sprach vom Wert und der Bedeutung dieses Preises. Es werden bekanntlich noch andere als der BAK-Literaturpreis vergeben.

Die Literaturschaffenden waren sich mit der Moderatorin einig, dass die politische Kulturbotschaft bedeutsam sei, weil neu auch die Arbeit der Buchverlage mitgetragen werde. Das Kulturförderungsgesetz ist ein wichtiger und notwendiger Schritt. Dezidiert wurde in Abrede gestellt, dass zu viele Preise vergeben würden und die Fülle des literarischen Schaffens irgendwie deplatziert sei.

Hanna Johansens Buch trägt den Titel «Der Herbst, in dem ich Klavier spielen lernte». Es ist ein Tagebuch, dessen Aufzeichnungen sich über drei Monate dahinziehen. Erwähnung findet nicht bloss der Prozess des Erlernens, des zuweilen mühsamen Übens. Weitere Begegnungs- und Erlebnisfelder finden in diesem ehrlichen, zuweilen recht detaillierten Schildern Platz. Gartenarbeit, Kindheitserinnerungen aus dem Norddeutschen, langes belastendes Schweigen, weitere Personen, Lust am Lernen, Ermüdung kommen als Themen dazu. Martina Kuoni meinte, dass sie den Eindruck gewonnen habe, Johansen begegne sich nochmals selber.

Die nicht einfache Aufgabe bestand für alle drei Gäste darin, innerhalb einer Viertelstunde aus dem mit dem Literaturpreis bedachten Werk zu lesen, Inhalte den Besuchern näherzubringen. Hanna Johansens schreibt in der Ich-Form. Sie traute sich zu, den Lernprozess als 70-Jährige anzugehen, sie erweist sich als akribisch Betrachtende, kritisch und berührend Aufzeichnende.

Dorothee Elmigers «Schlafgänger» weckte nach dem Erstlingsroman «Einladung an die Waghalsigen» hohe Erwartungen. In ihrem zweiten Buch geht es um gesellschaftliche Themen, um Grenzüberschreitungen. Viele Figuren aus unserer Zeit reden über Grenzen, Zugehörigkeiten. Kuoni merkte an, dass der Inhalt aktuelle, zu diskutierende Fragen und Beobachtungen enthalte. Es sei ein anspruchsvolles Buch in forderndem Rhythmus und Tonfall.

Zu Guy Krnetas Buch «Unger üs» meinte die Moderatorin, dass da ein Teil schweizerischer Familiengeschichte entstanden sei, mit spürbar eigenartiger, packender Spannung. Krneta ist mit andern ein spannend zu lesender Pionier der zeitgenössischen Mundart, die in der Reihe «edition spoken script» erschienen ist. Krneta merkte an, dass er nur aufschreibe, was er gesagt habe, Worte gingen auf der Bühne weiter. Sein Verfassen sei einer Suche nach Ton, Klang und Rhythmus gleichzusetzen. Das Lesen derartiger Texte sieht Krneta als optisches Erkennen. Er liebt es, wenn ihm etwas erzählt wird. Das sei eine Form des Recherchierens. Mundarten seien spannend, fordernd, hätten eine lange, oft verkannte wertvolle Tradition. Krneta, das spürte man bei seinem raschen und doch behutsamen Lesen, pflegt kraftvolle, blumige, viele Details erfassende Geschehnisse, die mit unserem Leben so unmittelbar verwoben sind.

Und wieder einmal verfloss die Zeit viel zu rasch, beim Hinhören, beim anschliessenden Verweilen. Es blieb die Gewissheit, dass man sich bei Neuem wieder treffen wird.