«Über alli Bärgä … uuf und drvo»

Der letzte Anlass im Rahmen des Literatursommers 2018 hätte nicht schöner sein können. Strahlender Sonnenschein, herrlich warme Spätsommertemperaturen und erfreulich viele Literaturinteressierte, die mit Spannung auf den Auftritt von Dan Wiener mit seinem Ensemble warteten. Und sie mussten ihr Erscheinen nicht bereuen. Die Sonntags-Matinee mit Dan Wiener und seinen tollen Musikern war ein unvergleichliches literarisch-musikalisches Erlebnis.




Die Auswanderer-Geschichte «Über alli Bärgä… uuf und drvo» von Dan Wiener war am Sonntag das grosse Finale im Literatursommer 2018. Die vom Verlag Baeschlin einmal im Jahr organisierten Literaturevents sind beim Publikum äusserst beliebt und werden jeweils im Hotel-Restaurant Richisau zuhinterst im Klöntal durchgeführt. Das Richisau war schon immer ein Ort der Einkehr und Erholung. Hier diente schon in früheren Jahren das ehemalige Kurhaus Berühmtheiten aus nah und fern. Mit dem Auftritt von Dan Wiener und seinen Musikern fand der Literatursommer 2018 einen würdigen Abschluss. Wiener schreibt Geschichten und Lieder für Kinder, komponiert und spielt Gitarre und Kontrabass. Der 1962 in Bern geborene Schauspieler, Musiker und Theaterpädagoge wohnt heute mit seiner Frau und zwei Töchtern in Basel. Wiener ist nicht nur ein hervorragender Musikant und Sänger, sondern auch ein wunderbarer Erzähler.

«Über alli Bärgä … uuf und drvo»

Die Geschichte handelt von Wehmut, Trauer und Schmerz und sind Attribute des Abschieds. Die letzte Sonntags-Matinee im «Richisau» ist aber keineswegs ein Abschied für immer. Die Anlässe vom Buchverlag Baeschlin zwischen dem 23. Juni und dem 30. September, die jeweils immer am Sonntagvormittag stattfanden, stiessen auf erfreuliche Resonanz. Man darf deshalb wohl davon ausgehen, dass die engagierte und innovative Verlagsleiterin Gabi Ferndriger auch im nächsten Jahr mit bekannten und weniger bekannten Autoren aus der Schweizer Literaturszene aufwartet und die treuen Baeschlin-Leseratten erwartungsgemäss mit dem beliebten Literatursommer 2019 begeistern wird.

Identifikation mit den Bergen

Es ist eine Tatsache, dass sich die Schweizer gerne mit ihren Bergen identifizieren: Sie reflektieren Festigkeit, Unverrückbarkeit, Stolz und Schönheit. Viele vergessen dabei, dass die Berge früher vor allem als Hindernis und Mühsal angesehen wurden. Das Leben damals in den Bergen war hart und die Bewohner meistens sehr arm. Missernten, Hungersnöte, Religionskonflikte und politische Wirren brachten allein im 19. Jahrhundert eine halbe Million Schweizer dazu, alles liegen zu lassen und in der Ferne eine neue Heimat zu suchen. Die Geschichte von Dan Wiener begleitet den Bauernsohn Hans, dessen Familie im Winter 1852 verhungert war, auf seinem Weg in den Balkan.

«Über alli Bärge … uuf und drvo!»

Die Auswanderer-Geschichte aus der Feder von Dan Wiener wurde musikalisch von einem Quartett umgesetzt. Dabei hat Wiener in diesem Programm alte traditionelle Volkslieder mit Neuen gemischt. Die Musik begleitet die Erzählung von den Berner Alpen ostwärts bis in die Karpaten nicht nur geographisch, sondern auch in der Stimmung des Auswanderers: Zwischen Hoffnung und Verzweiflung bis zum überraschenden Schluss und Happy End. Maria Thorgevsky leiht dem Stück ihre Stimme. Die beiden hervorragenden Musiker Vanessa Szigeti (Geige) und Sergej Simbirev (Akkordeon) komplettierten das internationale Ensemble. Alle, die am Sonntag ins «Richisau» pilgerten, mussten ihr Erscheinen nicht bereuen. Es war ausnahmslos für alle sowohl ein literarischer als auch ein musikalischer Leckerbissen in einer passenden Umgebung. Ein spezielles Erlebnis, welches nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.