Lohnt sich Vorbezug von BVG-Gelder?

Der teilweise oder ganze Vorbezug von Geldern aus der Pensionskasse ist ein beliebtes wie verführerisches Mittel zur Finanzierung von Wohneigentum. Verwunderlich ist jedoch, wie sorglos viele mit den Folgen eines solchen Handelns umgehen oder sich dessen gar nicht bewusst sind.



Jeanette Rhyner und Rolf Luchsinger
Jeanette Rhyner und Rolf Luchsinger

Wer in einem Mietverhältnis wohnt, und das ist in der Schweiz die Mehrheit der Bevölkerung, der hat ihn sicher schon geträumt: den Traum vom eigenen Heim. Der Weg zum Einzug in die eigenen vier Wände ist aber lang, beschwerlich und vor allem hier zu Lande teuer. Bei vielen scheitert der Traum schon früh, dann nämlich, wenn es um die Finanzierung geht und das notwendige Eigenkapital schlichtweg fehlt.

Dennoch. In Zeiten, in denen es an den Börsen nichts mehr zu verdienen gibt, die Spargelder mager verzinst werden, die Liegenschaften durchwegs günstig zu haben sind und Schulden machen noch nie so billig war, hat sich manch Mieterin und Mieter schon Gedanken über eine Veränderung gemacht. Negativmeldungen, wonach es vielen Pensionskassen nicht besonders gut geht, verstärken noch den Wunsch.

Einschränkungen beachten

Auch wenn die Pensionskassen Börsenverluste zu verdauen haben, so dramatisch schlecht ist es um die Deckung der meisten Pensionskassen nicht bestellt. Allein deswegen Geld aus der Pensionskasse abzuziehen, drängt sich nicht auf. Theoretisch ist’s aber möglich und praktisch haben von dieser Möglichkeit schon viele Gebrauch gemacht. Erfahrungen zeigen dabei, dass im Schnitt Gelder zwischen 60'000 und 70'000 Franken vorzeitig bezogen werden. Höchstens ein Drittel dürfte für Amortisationen verwendet worden sein. Rechtlich ist der Vorbezug seit dem 1. Januar 1995 möglich, als die Bestimmungen über die Wohneigentumsförderung (WEF) mit Mitteln der beruflichen Vorsorge in Kraft traten. Die WEF erlaubt dem Versicherten, Mittel aus der beruflichen Vorsorge zur Finanzierung von selbst genutztem Wohneigentum am Wohnort oder am gewöhnlichen Aufenthaltsort einzusetzen.

Die Mittel können dabei zum Erwerb oder zur Erstellung von Wohneigentum, zur Beteiligung an Wohneigentum, für Investitionen am Wohneigentum, zum Erwerb von Anteilscheinen an einer Wohnbaugenossenschaft und zur Rückzahlung von Hypothekardarlehen verwendet werden. Der Nachweis ist durch eine Kopie des Kauf- und Hypothekarvertrags sowie des Grundbuchauszugs zu erbringen. Die Finanzierung eines Ferienhauses oder einer Zweitwohnung fällt dagegen ausser Betracht. Weil im Grundbuch eine Veräusserungsbeschränkung eingetragen wird, kann das Objekt nicht mehr frei veräussert werden. Nicht zu vergessen ist: Der Ehegatte muss schriftlich zustimmen!

Bis drei Jahre vor Pensionierung

Welche finanziellen Mittel stehen dabei zur Verfügung? Bis zum 50. Altersjahr entspricht der Maximalbetrag der aktuellen Freizügigkeitsleistung. Aktiv Versicherte, die das 50. Altersjahr überschritten haben, dürfen höchstens die Freizügigkeitsleistung, wie sie im 50. Altersjahr bestanden hat, oder – falls diese höher ist – die Hälfte der Freizügigkeitsleistung zum Zeitpunkt des Vorbezugs in Anspruch nehmen. Der Mindestbetrag beträgt 20'000 Franken und er kann alle fünf Jahre geltend gemacht werden.

Über die finanziellen Auswirkungen des Vorbezugs muss man sich im Klaren sein. So werden die Vorsorgeleistungen nach der Pensionierung bei den Altersrenten, Renten bei Invalidität durch Krankheit und Hinterbliebenenrenten gekürzt. Es gilt zudem zu bedenken, dass der Risikoschutz bei Invalidität und Tod vermindert ist. Dem kann man aber entgegenwirken, indem man eine Zusatzversicherung gegen Erwerbsunfähigkeit und Tod abschliesst. Der vorbezogene Betrag muss als Kapitalleistung sofort versteuert werden, denn die Vorsorgeeinrichtung (Pensionskasse) meldet den Vorbezug an die Steuerverwaltung.

Weit reichende Folgen beachten!

Aufgrund der weit reichenden Konsequenzen sollte ein Vorbezug von Pensionskassengelder gut und genau überlegt und mit einem Experten besprochen sein. Ob ein Vorbezug zu empfehlen ist, kann nicht allgemein bejaht oder verneint werden. Jeder einzelne Fall sollte individuell angeschaut werden. Viele Pensionskassen berechnen auf Wunsch des Versicherten die finanziellen Folgen des Vorbezugs. Aufgrund der gegenwärtig tiefen Hypothekarzinsen macht ein Vorbezug nur in Ausnahmefällen Sinn. Und man sollte nicht vergessen, dass das Berufliche Vorsorge Gesetz (BVG) in erster Linie dazu da ist, die eigene Altersvorsorge in beschränktem Rahmen sicher zu stellen.

Letztendlich sollten Leute, die mit dem Kauf von Wohneigentum oder dem Bau eines Eigenheimes liebäugeln, auch die Möglichkeit der Verpfändung der BVG-Ansprüche ins Kalkül ziehen. Das Geld bleibt in der Pensionskasse und wird verzinst. Zudem bleibt der Versicherungsschutz bestehen.

Haben Sie Fragen zu Finanzierungen? Rolf Luchsinger, Telefon 055 618 45 42, sowie Jeannette Rhyner, Telefon 055 618 55 36, geben Ihnen gerne näherer Auskünfte.